Die Folgen des Agent Orange

14. April 2003, 14:52
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Bayer soll das tödlich Entlaubungsmittel an Apartheid-Regime verkauft haben - Unternehmen dementiert vehement

Frankfurt - Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach das Leverkusener Unternehmen das von den USA in Vietnam eingesetzte Entlaubungsmittel "Agent Orange" an das ehemalige Apartheid-Regime in Südafrika geliefert haben soll. "Wir haben niemals 'Agent Orange' produziert oder verkauft", sagte ein Bayer-Sprecher am Montag. Bayer kenne diese Anschuldigungen nur aus der Presse, hieß es. Weder von Anwälten noch von den südafrikanischen Behörden habe der Konzern etwas gehört.

Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor in ihrer Montag-Ausgabe unter Berufung auf Anwaltskreise berichtet, Bayer sowie den US-Rivalen DuPont und Eli Lilly werde vorgeworfen, an den Anfang der 90er Jahre entmachteten weißen südafrikanischen Staatsapparat Entlaubungsmittel wie "Agent Orange" geliefert zu haben. Die Nachforschungen gegen die Chemiekonzerne seien fast vollständig, hieß es in dem Zeitungsbericht. Einige der Firmen würden möglicherweise schon in dieser Woche schriftlich mit den Vorwürfen konfrontiert. Der Prozess im Namen Zehntausender von Apartheid-Opfern werde unter anderem von US-Anwalt Ed Fagan angestrengt. In den 80er Jahren wurde das Gift den Angaben der Zeitung zufolge im Krieg gegen Namibia, Angola und Mozambique und gegen die Freiheitskämpfer des derzeit in Südafrika regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) eingesetzt.

Die USA hatten im Vietnamkrieg 72 Millionen Liter Herbizide und Chemikalien versprüht. Schätzungsweise 170 Kilogramm Dioxin gingen auf mehr als zehn Prozent der Fläche Südvietnams nieder. Bis heute treten bei Neugeborenen schwere Erbschäden und Missbildungen auf, die Krebsraten sind um ein Vielfaches höher als in anderen Ländern. An den Langzeitwirkungen der von den amerikanischen Truppen eingesetzten Entlaubungsmittel wird das südostasiatische Land noch Jahrhunderte leiden. Mit dem "Ökozid" - den Ausdruck prägten US-Wissenschaftler - wurde der Kriegsgeschichte ein neues Element zugefügt: die systematische Zerstörung des Lebensumwelt eines Volkes. Die Hälfte der Waldfläche und landwirtschaftlich genutzten Fläche im Süden Vietnams wurde durch den chemischen Krieg vernichtet. Vor einem Monat haben die USA und Vietnam eine Vereinbarung zur Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen des Entlaubungsgiftes unterzeichnet.(APA/Reuters)

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