Nobelpreisträger Saramago: "Kuba hat meine llusionen betrogen"

14. April 2003, 15:02
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Steter Verteidiger der kubanischen Revolution, kehrt Castro den Rücken und verurteilt jüngste Repressalien - Auch österreichische IG Autoren protestiert

Madrid /Wien - Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger Jose Saramago hat die Hinrichtung von drei Entführern einer Passagierfähre und die jüngsten Haftstrafen für Dissidenten auf Kuba scharf verurteilt. "Kuba hat mit der Erschießung dieser drei Männer keine heroische Schlacht gewonnen, wohl aber mein Vertrauen verloren, meine Hoffnungen zerstört und meine Illusionen betrogen", schrieb der kommunistische Autor in einem Beitrag für die spanische Tageszeitung "El País".

Jeder habe das Recht, zu widersprechen

"Bis hierher und nicht weiter. Von nun an wird Kuba seinen Weg gehen und ich den meinen", ergänzte Saramago, der die kubanische Revolution stets verteidigt, sich aber zunehmend von Staatschef Fidel Castro distanziert hatte. Nach den Worten des 80-jährigen Schriftstellers ("Das Zentrum") muss jeder dass Recht haben, zu widersprechen. "Das kann zum Verrat führen, aber dafür muss es unwiderlegbare Beweise geben." Dies sei bei den jüngsten Schnellverfahren auf Kuba aber nicht der Fall gewesen.

Wegen "Terrorismus" verurteilt und hingerichtet

Die drei Entführer waren wegen "Terrorismus" verurteilt und am vergangenen Freitag, eine Woche nach ihrer Festnahme, erschossen worden. Es waren die ersten Hinrichtungen in Kuba seit drei Jahren. Davor waren zudem 75 Regimekritiker zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Die kubanische Regierung wirft den Dissidenten vor, bezahlte Agenten der USA zu sein. Saramago lebt bereits seit Jahren mit seiner spanischen Frau auf der Kanaren-Insel Lanzarote.

Österreichische Autoren protestieren gegen Repressalien

Die sofortige Freilassung aller am 7. April in Kuba wegen "konspirativer Tätigkeiten" Verurteilten fordert die österreichische IG Autorinnen Autoren am Montag in einem Offenen Brief. Mehr als 70 Angeklagte - darunter Publizisten, Journalisten, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten - waren zu Haftstrafen zwischen zwölf und 27 Jahren verurteilt worden. "Tatsache ist, diese 'konspirative Tätigkeit' bestand und besteht in der Wahrnehmung eines selbstverständlichen Grund- und Freiheitsrechtes, dem auf freie Meinungsäußerung", heißt es in dem Schreiben.

"Unterbindung des Rechts auf freien Informationszugang und freie Meinungsäußerung"

Alles weise darauf hin, dass es in den Verfahren "nur um die Unterbindung selbstverständlichster Freiheits-, Grund- und Menschenrechte und die Unterbindung des Rechts auf freien Informationszugang und freie Meinungsäußerung" gegangen wäre. "Kein Land der Welt wird für einen solchen Umgang mit der Meinungs- und Medienfreiheit auf Sympathien hoffen können, kein Land der Welt wird für einen solchen Umgang mit seinen kritischen Intellektuellen auf Verständnis hoffen dürfen." Angesichts dieses "ungeheuren Vorgangs" wird die sofortige Freilassung aller in diesem Verfahren Verurteilten gefordert. Diese hätten "höchstwahrscheinlich mehr zum Wohle Kubas gehandelt als diejenigen, die gemeint haben und meinen, sie zu politischen Gefangenen machen zu müssen."

Die jüngsten Repressalien und Hinrichtungen auf Kuba haben in den vergangenen Tagen weltweite Proteste ausgelöst. (APA/dpa)

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    Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger Jose Saramago - hier mit dem Buch "Che" von Manuel Alegre - ...

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    ...hat sich zunehmend von Staatschef Fidel Castro distanziert.

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