Wiener FPÖ attackiert Kunsthallen-Ausstellung

14. April 2003, 20:14
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Video von Teresa Margolles mit totem Baby zeige "krankes und pietätloses Schauspiel" - Ausstellungs- Verantwortliche orten Zensur

Wien - Heftige Kritik an einem Teil der derzeit im project space der Kunsthalle Wien laufenden Ausstellung der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles äußerten die freiheitlichen Wiener Landtagsabgeordneten Heidemarie Unterreiner und Heinz-Christian Strache heute, Montag, Vormittag in einem Pressegespräch. Dabei geht es um ein Video, in dem die Künstlerin beim Hantieren mit einem tot geborenen Kind einer Freundin zu sehen ist, sowie um den betreffenden Begleittext dazu. Die FPÖ sieht moralische Grundwerte verletzt, lässt rechtliche Schritte prüfen und ruft nach einem Einschreiten der Politik.

"Für mich ist das ein Skandal, bei dem man vorgehen muss", meinte Strache, der Bürgermeister wäre gefordert, diesem "grausamen, menschenverachtenden, kranken und pietätlosen Schauspiel, das sich derzeit in der Kunsthalle abspielt, ein Ende zu setzen". "Bei uns wäre ein Handlungsakt wie der am Video gezeigte klar verboten", sagte Strache, der in den gezeigten und beschriebenen Vorgangsweisen (die laut Kunsthalle die "Transformierung des toten Kindes in eine Skulptur" zeigen) eine Störung der Totenruhe und die Misshandlung eines Leichnams sieht. Die FPÖ lässt nun von einem Anwalt prüfen, wie weit gegen die Ausstellung selbst - etwa wegen Verletzung des Öffentlichen Anstands - rechtlich vorgegangen werden kann.

Keinen Zweifel lassen die beiden FP-Politiker daran, dass sie jenseits von juristischen Aspekten auch eine politische Verantwortung einmahnen und von Häupl die Erlassung eines "Ausstellungsstopps" für die bis 4. Mai angesetzte Schau verlangen. Strache: "Hier ist der Bürgermeister gefordert, ein Machtwort zu sprechen."

"Verabscheuungswürdig und Ekel erregend" fand die Kultursprecherin der Wiener Freiheitlichen, Heidemarie Unterreiner, das auf dem Video Gezeigte, "Hier setzt sich eine Frau über Dinge hinweg, die Grundkonsens sind". "Man kann über alles diskutieren, man soll aber nicht alles zur Schau stellen", meinte Strache: "Ich denke, in der Kunst ist Provokation selbstverständlich zulässig, aber auch das hat Grenzen. Und die sind hier bei weitem überschritten worden." Hier handle es sich, so Strache, um den Missbrauch eines Leichnams für die Kunst": "Das kann nicht unter dem Deckmantel der Kunst dargestellt werden. Das hat sich die Kunst und das haben sich die Steuerzahler nicht verdient."

In diesem Zusammenhang kritisieren die Wiener Freiheitlichen die Ausstattung der Kunsthalle mit einem Dreijahres-Vertrag und urgieren "Mechanismen, dass man vorinformiert wird." Strache: "Es kann ja keinen Subventionsfreibrief für alle möglichen Abartigkeiten geben."

Stellungnahme der Kunsthalle

"Teresa Margolles arbeitet bewusst und seit vielen Jahren mit Toten und den Spuren, die sie hinterlassen, um etwas von ihrer Existenz im kollektiven Bewusstsein zu bewahren", heißt es in einer Stellungnahme der Kunsthalle zu dem gezeigten Video. "Die Künstlerin zeigt mit dieser Arbeit das Schicksal eines Babies vor der Folie des globalen Raubkapitalismus, der Menschenwürde mit Füßen tritt, entreißt ihm so dem Vergessen und setzt ihm - stellvertretend für tausende andere - ein Mahnmal."

"Die Kunsthalle Wien macht es sich zur Aufgabe, neben der Vermittlung von Kunst aus der westlichen Welt auch kontroversielle Kunst aus wahrnehmungslogistisch unterbelichteten Zonen der Welt zu zeigen", heißt es in der Aussendung weiter, "Die Forderung der FPÖ nach Reglementierung und Kontrolle von Kulturinstitutionen durch die Subventionsgeber scheint der kaum maskierte Ruf nach Zensur zu sein." Eine "direkte Einmischung von Politikern in die Inhalte" erinnere "eher an doktrinäre Regime als an einen Staat, der sich als weltoffen und dialogbereit versteht". (APA)

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