Aus für Innsbrucker Brauerei

14. April 2003, 20:54
10 Postings

Der Biermarkt schrumpft: Die Brau Union legt das "Bürgerbräu" still - 47 Jobs fallen weg

Wien - "Ich war selbst 18 Jahre in Innsbruck beschäftigt. Sie können also davon ausgehen, dass wir das nicht aus reiner Bosheit machen", sagt Johann Sulzberger, Vorstandsmitglied der Brau Union Österreich, der größten heimischen Biergruppe, zur im August 2003 anstehenden Schließung des Standortes Bürgerbräu Innsbruck. "Der Biermarkt in Österreich entwickelt sich, so wie in ganz Westeuropa, auch heuer weiter rückläufig, wir müssen Überkapazitäten abbauen." Pro Jahr werde die Brau Union drei bis vier Millionen Euro einsparen, so Sulzberger am Montag, als die Entscheidung bekannt gegeben wurde.

"Adamsbräu" bleibt bestehen

In Innsbruck wurden zuletzt 260.000 Hektoliter Bier pro Jahr abgefüllt, das entspricht etwa fünf Prozent des Ausstoßes der gesamten Gruppe. Das Bier der Tiroler Marke "Adamsbräu" werde weiterhin gebraut, nur eben an den Brau-Union-Standorten Wieselburg (Flaschenabfüllung) und Salzburg-Kaltenhausen (Fässer).

Die Wahl sei auf den Tiroler Standort gefallen, weil er "am wenigsten zukunftsträchtig" sei, sprich: Die Lage in der Etzelstraße zwischen Gebietskrankenkasse und Bahnviadukt befinde sich "mitten in der Stadt" und sei "für einen Industriebetrieb nicht entwicklungsfähig", so Sulzberger weiter. Es habe Anrainerbeschwerden gegeben. Das Gelände soll nun anderweitig genutzt werden.

47 Mitarbeiter betroffen

Betroffen sind 47 Mitarbeiter in der Produktion, einige wechseln in den Ruhestand oder an andere Standorte, für 30 sei mit dem Betriebsrat ein Sozialplan erarbeitet worden. 180 Leute aus dem Verkauf wechseln in das Vertriebszentrum in Neu-Rum bei Innsbruck. Der Tiroler ÖGB hat eine Arbeitsstiftung gefordert. Für die Betroffenen wurde eine Hotline (0664/5231616) eingerichtet.

Das Innsbrucker "Bürgerliche Brauhaus" wurde 1825 eröffnet. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte das Brauhaus oft den Besitzer. 1929 wurde es mit der Brau AG zusammen geschlossen. 1994 schließlich wurde die Produktion des "Adam-Bräu" ins Bürgerbräu verlegt, so erhöhte sich der Bierausstoß auf den Spitzenwert von rund 350.000 Hektoliter jährlich.

"Die Marken bleiben bestehen, die Verkaufsmannschaft bleibt dieselbe, für unsere Kunden im Handel und der Gastronomie ändert sich nichts", betont Sulzberger.

Die Brau Union hat ab August noch sieben Standorte: Falkenstein, Göss, Kaltenhausen, Zipf, Wieselburg, Schwechat, Puntigam. Es sei zwar zurzeit nicht geplant, eine weitere Brauerei zu schließen, sagte Sulzberger im STANDARD-Gespräch, "aber es gibt keine ewige Standortgarantie". (Leo Szemeliker, DER STANDARD Print-Ausgabe, 15.4.2003)

Link

Brau-Union

Share if you care.