Konfrontation schiitischer Gruppen in Najaf offenbar beendet

14. April 2003, 11:19
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In der heiligen Stadt der Schiiten im südlichen Irak hatten sich bewaffnete Anhänger verschiedener schiitischer Geistlicher gegenseitig bedroht

Kuwait-Stadt - Eine Konfrontation rivalisierender schiitischer Gruppen in der irakischen Stadt Najaf ist offenbar friedlich zu Ende gegangen. Eine Gruppe bewaffneter Männer, die am Sonntag das Haus des führenden Geistlichen Ali Sistani belagert haben soll, sei abgezogen, sagte ein Berater Sistanis der Nachrichtenagentur Reuters am Montag in Kuwait-Stadt. Zudem hätten Clan-Führer die Kontrolle über die von den US-Truppen eingenommene Stadt übernommen, um Sistani zu schützen. "Die Belagerung ist zu Ende." Nach Angaben seines Sprechers im Iran ist Sistani untergetaucht.

Einige Tage vor der jüngsten Konfrontation war der führende Kleriker Abdul Madschid el Choei in Najaf ermordet worden. Vertraute Choeis und des Großajatollahs Sistani machen die Dschimaat-e-Sadr-Thani-Gruppe für den Mord und die Belagerung verantwortlich. Sie werfen dem 22-jährigen Anführer der Gruppe vor, die Macht in der den Schiiten heiligen Stadt Najaf an sich reißen zu wollen. Er habe aber jede Beteiligung an den Gewaltakten bestritten.

Kontakte zu den USA

Die irakische Oppositionsgruppe Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) mit Sitz im Iran bezeichnete die Gewalttaten als eine "Gefahr für die Einheit des irakischen Volkes". Sistani werde angefeindet, weil er iranischer Abstammung sei, sagten seine Vertrauten. Die radikalen Gruppen wollten einen Iraker als geistiges Oberhaupt des Landes. Choei war vor seiner Tötung aus dem Londoner Exil zurückgekehrt. Er stand wegen seiner Kontakte zu den USA in der Kritik.

Die Gewalttaten in Najaf hatten Befürchtungen genährt, nach dem Sturz der irakischen Regierung durch die US-geführten Truppen könnte die nationale Einheit des Landes in Gefahr sein. Ein Vertrauter Sistanis sagte, die außerhalb der Stadt stationierten Soldaten hätten es vermieden einzugreifen. Choei hatte das US-Militär nach der Einnahme Najaf gebeten, die Stadt wegen der Bedeutung der heiligen Stätten wieder zu verlassen.(Reuters)

Najaf ist eine zentrale Pilgerstätte der Schiiten, neben den Sunniten die zweite große Strömung des Islam. Dort steht das Grab von Imam Ali, einem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Die Stadt könnte nach Ansicht von Experten nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein zu dem Zentrum der schiitischen Welt werden. Saddam hatte die schiitische Mehrheit des Irak unterdrückt.
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