US-Truppen verhören ranghohe Mitglieder des irakischen Regimes

14. April 2003, 07:04
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Bisher keine Massenvernichtungswaffen gefunden

Washington - Die amerikanischen Truppen verhören mehrere ranghohe Mitglieder des zusammengebrochenen Regimes von Saddam Hussein. Ziel der Verhöre sei es, Informationen über mögliche Waffenprogramme im Irak sowie über den Aufenthaltsort von Regimeangehörigen zu bekommen, erklärten Vertreter der US-Regierung am Sonntag in Washington. Der amerikanische General Tommy Franks sagte, die USA hielten mehrere ranghohe irakische Häftlinge fest.

Bisher seien keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden, verlautete aus amerikanischen Militärkreisen. Franks erklärte, es liege eine Liste von 2.000 bis 3.000 Orten vor, die überprüft werden müssten. Außerdem hätten Iraker Hinweise auf andere mögliche Verstecke geliefert. Weitere Hinweise könnte der ehemalige irakische Präsidentenberater Amir el Saadi geben, der sich am Samstag den US-Truppen gestellt hatte. Gewährsleute im Pentagon erklärten, es sei bisher noch nicht klar, ob Saadi bei seiner Aussage bleibe, der Irak verfüge nicht länger über Massenvernichtungswaffen.

Unter den Festgenommenen befindet sich auch der Halbbruder des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Watban Ibrahim Hassan Tikriti. US-Informationen zufolge zählt er aber nicht zu Saddams engsten Vertrauten, weil dieser Watbans Loyalität angezweifelt habe. "Er (Watban) und Saddam hatten sich entfremdet", hieß es aus den US-Regierungskreisen. Sie hätten keine enge Beziehung zueinander gehabt. "Saddam war sehr misstrauisch ihm (Watban) gegenüber, dachte, er sei unloyal und hielt ihn an einer sehr kurzen Leine", verlautete aus den Kreisen weiter. Die USA erhofften sich von Watban Informationen über die Familie Saddams, ihre Wohnungen und ihre Zufluchtsorte. Wer Watban gefasst habe, wurde aus den US-Kreisen nicht bekannt. Allerdings seien es keine US-Kräfte gewesen.

Watban war von 1991 bis 1995 Innenminister und ein Berater Saddams. Er stammt aus der zweiten Ehe von Saddams Mutter und ist einer von drei Halbbrüdern des entmachteten Präsidenten. Nach seiner Entlassung 1995 wurde Watban bei einer Schießerei außerhalb Bagdads verletzt. Es gab Gerüchte, dass es sich um einen Familienstreit gehandelt habe. Saddams einflussreicher Sohn Udai habe hinter der Tat gesteckt und Watban ins Bein geschossen, hieß es. (APA/AP/Reuters)

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