6000 Soldaten suchen in der Wüste

13. April 2003, 21:56
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Während Spekulationen um eine Entführung der Sahara-Touristen lauter werden, versuchen Offizielle Optimismus zu verbreiten und sprechen von "Hoffnung"

Algier - Hoffnung ist eine Pflanze, die sogar in der Wüste blüht. Sie sei, erklärte Außenministerin Benita Ferrero-Waldner nämlich am Wochenende nach einer zweitägigen Algerienreise, "voller Zuversicht", was die 31 in der algerischen Wüste verschwundenen Touristen angehe: "Es gibt eine leisen Hoffnungsschimmer", so Ferrero-Waldder, die auch mit Staatschef Abdelaziz Bouteflika zusammengetroffen war. Es gebe "eine Nachricht, dass die Vermissten am 8. April noch am Leben waren". Man habe, hieß es vonseiten der eigens eingerichteten Sondermission im Außenministerium später, in der Wüste eine auf dem Weg deponierte Nachricht gefunden. Ferrero-Waldner warnte aber ausdrücklich vor "Euphorie". Auch Deutschlands Innenminister Otto Schily sprach von "leisen Hoffnungen".

Unter den 31 Reisenden, die teils seit über zwei Monaten vermisst werden, befinden sich 15 Deutsche und zehn Österreicher. Zwei von den Letzteren sind erst seit dem Wochenende vermisst. Außerdem sind vier Schweizer, ein Schwede sowie ein Niederländer verschwunden. Ein u.a. von deutschen und österreichischen Polizisten begleiteter bewaffneter Konvoi hat mittlerweile zahlreiche andere Gruppen aus der Wüste eskortiert. Am Samstag erreichte der Konvoi die tunesische Grenze und löste sich auf.

Entführungsgerüchte

Mittlerweile sind nach Angaben der algerischen Presse bis zu 6000 Soldaten in der südalgerischen Sahara im Einsatz. Hubschrauber suchen die Gegend Tag und Nacht mit Infrarotkameras ab, Kamelkarawanen streifen durch unwegsames Gelände. Sowohl Deutschland als auch Österreich haben eigene Polizeibeamte nach Algerien geschickt.

Trotz des großen Aufgebotes ist die Suche bisher ohne Erfolg. Zwar stieß eine Kamelkarawane auf ein Labyrinth aus Tunneln und engen Schluchten, aber es ist nicht klar, ob die Verschwundenen sich dort aufhielten. "Ich glaube nicht, dass sie noch in Algerien sind", zitiert die algerische Tageszeitung L'Expression einen Befehlshaber der Suchmannschaften.

Bei den Suchkommandos und den betroffenen europäischen Ländern gewinnt indes die These einer Entführung durch Islamisten immer mehr an Gewicht: In der Sahararegion agiert die Bande von Mokthar Belmokthar, ein Ableger der Salafistschen Gruppen für Predigt und Kampf (GSPC), die wiederum zu Al-Kaida Kontakt hält. Belmokthar soll neben Algerien auch in den Nachbarstaaten Niger und Mali aktiv sein.

Unterdessen haben die algerischen Behörden am Wochenende erstmals Kritik am Verhalten der 31 vermissten Touristen geübt: Diese hätten sich ohne Führer in die Sahara gewagt und die Behörden nicht über die geplante Route informiert. (rw, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2003)

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