Deutscher Ex-Kanzler Kohl hatte Beratervertrag mit Kirch

13. April 2003, 19:49
posten

Mit sechsstelliger D-Mark-Summe dotiert - Laut "Spiegel" standen auch weitere Unionspolitiker unter Vertrag

Frt deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl hatte angeblich einen Beratervertrag mit dem Medienimperium von Leo Kirch. Laut einem am Samstag veröffentlichten Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" lief der Vertrag von 1999 bis zum Frühjahr 2002 und war mit einer sechsstelligen D-Mark-Summe dotiert. Kohl war in dieser Zeit einfacher CDU-Bundestagsabgeordneter. Kohl selbst bestätigte demnach die Existenz der Vereinbarung mit der mittlerweile insolventen KirchMedia. Die Firma bildete das Kernunternehmen des zusammengebrochenen Kirch-Imperiums.

"Ordnungsgemäß versteuert"

Das Berliner Büro Kohls habe versichert, dass es keinen Vertrag während Kohls Amtszeit als Bundeskanzler gegeben habe, und dass die erzielten Einkünfte ordnungsgemäß versteuert worden seien, heißt es in dem Bericht. Unter Berufung auf interne Kirch-Unterlagen berichtet das Magazin weiter, dass im selben Zeitraum auch Kohls ehemaliger Finanzminister Theo Waigel (CSU) sowie Ex-Postminister Wolfgang Bötsch (CSU) entsprechende Vereinbarungen mit Kirch unterhielten. Kohls Ex-Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) sei ebenfalls mehrere Jahre beratend für den Medienunternehmer tätig gewesen. Alle seien zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses Mitglieder des Bundestages gewesen. Die Verträge seien ähnlich hoch wie der von Kohl dotiert gewesen.

Sohn als Geschäftsführer eingetragen

Kohls Vertrag lief laut "Spiegel" auf die Firma P&S GmbH in Ludwigshafen, die unter Kohls Privatadresse firmiert und bei der er mit einer Einlage von 30.677,51 Euro Alleingesellschafter ist. Als Geschäftsführer sei im Handelsregister Kohls Sohn Walter eingetragen, den Vertrag mit Kirch habe Kohl aber selbst unterzeichnet, berichtete das Magazin. Kohl selbst ließ demnach ausrichten, dass die Firma kurz vor Vertragsschluss gegründet wurde. (APA/AP)

Share if you care.