Andritz will mehr Aktionäre

13. April 2003, 19:45
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Grazer Anlagenbauer plant zweiten Börsengang noch im heurigen Jahr

Wien - Wolfgang Leitner, Vorstandschef und Miteigentümer der Andritz AG in Graz, hofft auf ein rasches Ende des Irakkonflikts und auf ein baldiges Anspringen der Finanzmärkte. Obwohl das Unternehmen bei Anlagen für die Papier- und Zellstoffindustrie zur Weltspitze zählt, hat sich die breite Masse internationaler Investoren mit Käufen von Andritz-Aktien bisher zurückgehalten. Durch Ausweitung des Streubesitzes im Zuge eines Secondary Public Offering soll sich dies ändern.

"Wir hoffen, dass das noch heuer klappt"

"Wir hoffen, dass das noch heuer klappt", sagte Leitner im STANDARD-Gespräch. Der Streubesitz soll von derzeit 16 Prozent auf 35 bis 40 Prozent erweitert werden; auch 50 Prozent seien "kein Tabu". Seine gut 25 Prozent, die in zwei Stiftungen geparkt sind, möchte Leitner allerdings nicht hergeben. Von Teilen ihrer Aktien trennen möchten sich dem Vernehmen nach aber einige Finanzinvestoren.

Größter Einzelaktionär ist das Investmenthaus Carlyle mit gut 30 Prozent. Ansehnliche Beteiligungen halten auch UIAG, die Deutsche Beteiligungs AG und GE Capital. Analysten erwarten, dass Venture-Kapitalisten Andritz-Papiere ab einem Kurs von 27 Euro zu Geld machen und aussteigen. Ende der Woche notierte Andritz leicht über dem Ausgabekurs von 21 Euro.

Weitere Zukäufe

Nach der kürzlich erfolgten Akquisition der finnischen Acutest Oy, die eine Technologie zum Aufspüren von Rissen und undichten Stellen in sensiblen Materialien entwickelt hat, plant Leitner heuer weitere Zukäufe im Servicebereich. "Wir haben 200 Millionen Euro liquide Mittel." Von den 1,1 (2001: 1,3) Mrd. Euro, die Andritz im Vorjahr konzernweit umgesetzt hat, entfielen rund 30 Prozent auf das Servicegeschäft. In fünf Jahren soll dieser Anteil 40 Prozent betragen, ohne das Geschäft in den Kernbereichen zurückzuschrauben.

Das Papier- und Zellstoffsegment, in dem Andritz rund 60 Prozent des Umsatzes macht, sieht Leitner vor allem in der südlichen Hemisphäre stark wachsen: "In Brasilien etwa gibt es riesige Eukalyptusplantagen und billige Arbeitskraft; dort wird es die nächste Investitionswelle in der Papier- und Zellstoffindustrie geben."

Im Stahlindustriebereich, der für 16 Prozent der Andritz-Umsätze steht, sei hauptsächlich China interessant. "Auch in den USA sei ein Modernisierungsschub zu erwarten, "sonst ist die Stahlindustrie dort weg vom Fenster", sagte Leitner. Mit den Geschäftsfeldern Umwelttechnologien (elf Prozent vom Umsatz) und Futtermittel (zehn Prozent) sei man genug diversifiziert, um das konjunkturelle Auf und Ab ausgleichen zu können. (Günther Strobl , DER STANDARD, Printausgabe 14.4.2003)

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