Kommentar: Stromschlag aus Brüssel

13. April 2003, 19:38
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Die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter setzen die heimische Stromwirtschaft unter Zugzwang - Von Günther Strobl

Einen schmerzhaften Stromschlag haben die Wettbewerbshüter aus Brüssel dem elektrischen Sextett aus Österreich versetzt. Verbund, EVN, Wien Energie, Linz AG, die burgenländische Bewag und die Energie AG Oberösterreich dürfen sich nur unter der Bedingung zusammentun, dass sie im Gegenzug Macht abgeben. Zusammen kämen die sechs Stromverkäufer auf einen Marktanteil von 80 Prozent - Zustände fast so schlimm wie im alten Albanien.

Schlimm deshalb, weil sich die Partner der intern "Ösl" genannten Stromlösung schon jetzt kaum auf die Füße steigen und dies noch viel weniger tun werden, sollten sie einstens gemeinsam Strom vermarkten dürfen. Das hieße, dass man sich als Strombezieher Preisvergleiche sparen könnte, weil es so oder so nur einen Tarif geben würde. Die ohnehin nur ansatzweise erkennbare Vielfalt im Energie-Supermarkt würde mit einem Schlag verschwinden. Dass der strenge Mario in Brüssel da nicht tatenlos zuschauen wird, war absehbar. Mario Monti, der Wettbewerbskommissar, hat schon ganz andere Kaliber in die Schranken gewiesen.

Für die beteiligten Stromfirmen ist die Botschaft aus Brüssel dennoch ein schwerer Hammer. Ob er schwer genug war, um sie zur Rettung der "Ösl" zu weit reichenden Zugeständnissen zu bewegen - sprich: Beteiligungen zu verkaufen und Märkte aufzugeben -, wird sich bald weisen. Für die Konsumenten jedenfalls kann es nur mehr besser werden, auch wenn mehr Wettbewerb nicht automatisch tiefere Preise bedeutet. Bessere Qualität und mehr Service bringt Konkurrenz allemal. Da der Strom ohnehin zu 80 Prozent aus heimischer Wasserkraft kommt, lässt sich auch schwer gegen ausländische Mitbewerber argumentieren, warum es unbedingt eine Österreichlösung braucht. (DER STANDARD, Printausgabe 14.4.2003)

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