Der Wohlklang gesprochener Töne

13. April 2003, 20:14
posten

Die Philharmoniker beim "OsterKlang"

Wien - Alle Jahre wieder kommt das Osterfest und in Wien noch mit dazu der OsterKlang. Dieses Jahr werden bis 21. April zehn Veranstaltungen mit Schwerpunkt im Bereich des Religiös-Besinnlichen angeboten. Traditionellerweise wird der OsterKlang mit einem Konzert der Wiener Philharmoniker eröffnet, in diesem Jahr wieder einmal mit Johann Sebstian Bachs Messe in h-Moll, und zwar unter der Leitung Semyon Bychkovs, des angesehenen Chefs des WDR Sinfonieorchesters Köln.

Verwundert und amüsiert war der geborene St. Petersburger, als er gefragt wurde, Bachs Opus summum beim OsterKlang Wien aufzuführen, hatte er doch schon vor zwei Jahrzehnten aufgehört, Bach zu dirigieren. Für sein Bach-Comeback übte sich Bychkov in besetzungstechnischer Bescheidenheit (sechs erste und sechs zweite Geigen, vier Bratschen, drei Celli, zwei Kontrabässe), wählte im Ausgleich dazu aber mitunter recht extreme Tempi (zerdehntes Kyrie, eiliges Quoniam tu solus). Die Philharmoniker spielten brav-begeistert Barockorchester, die Streicher seufzten beinahe vibratolos, man versuchte nach Kräften Bachs Musik mehr zu sprechen und weniger zu malen.

Die Crux: Im Vergleich zu führenden Barockensembles mangelte es dann halt doch noch etwas an Homogenität wie auch an der dort üblichen mitreißenden, quasi solistischen Initiativkraft der Orchestermusiker. Ob Semyon Bychkov da mit einer größeren Besetzung nicht wenigstens im Klangmächtigen hätte punkten sollen? Sei's drum.

Ein durchwegs wohlklingendes Solistenquartett (Camilla Tilling, Bernarda Fink, Michael Schade und Dietrich Henschel) tat tapfer seinen Dienst; Fink hatte den Tiefpunkt der Aufführung, ein vonseiten des Philharmonischen Konzertmeisters haarsträubend penetrant geführtes Duett-Duell im Gloria, zu durchleiden, schuf aber gegen Ende, im Agnus, die berührendsten Momente.

Dann sangen die 34 Mannen und Frauen des Eric Ericson Chores im Musikverein ein innig gefühltes Dona nobis pacem, und die Sache war aus mit viel Applaus. (ER STANDARD, Printausgabe vom 14.4.2003)

Von
Stefan Ender
Share if you care.