Deutsches Wachstum heuer bei 0,5 Prozent

15. April 2003, 17:54
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Experten sehen lange Schwächephase

Berlin - Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die deutsche Konjunktur "in einer Phase lang anhaltender Schwäche". In diesem Jahr werde die Wirtschaft voraussichtlich nur um 0,5 Prozent wachsen, 2004 dann um 1,8 Prozent, erklärten die Institute in ihrem am Dienstag in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutachten.

Damit senkten die Wirtschaftsforscher ihre Prognose vom Herbst deutlich ab: Damals hatten sie für das laufende Jahr noch ein Wachstum von 1,4 Prozent veranschlagt. Die Zahl der Arbeitslosen wird nach Einschätzung der Institute in diesem Jahr auf 4,45 Millionen und 2004 sogar auf 4,50 Millionen ansteigen. Auch die Maastricht-Hürde wird Deutschland mit einer Neuverschuldung von 3,4 Prozent demnach in diesem Jahr erneut reißen. "Mit der Eskalation des Irakkonflikts und der damit zunehmenden weltweiten Unsicherheit über die wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung ist die konjunkturelle Erholung erneut ins Stocken geraten", schreiben die Institute zur Lage der Weltwirtschaft.

"Aufwärtstendenz bleibt verhalten"

Ihre Frühjahrsprognose stützen sie auf die Erwartung, "dass sich die Lage in Irak rasch wieder beruhigt". Doch obwohl sich die Konjunktur im weiteren Verlauf des Jahres voraussichtlich festigen werde, "bleibt die Aufwärtstendenz in den Industrieländern relativ verhalten". Komme es zu einer Erholung der Weltwirtschaft, würden davon für die deutsche Konjunktur "spürbare Anregungen" sowohl für die Exportwirtschaft als auch für das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher ausgehen. Die deutsche Finanzpolitik stehe weiterhin unter "erheblichem Konsolidierungsdruck". In diesem Jahr werde das Haushaltsdefizit nur wenig zurückgehen und erst im kommenden Jahr mit voraussichtlich 2,9 Prozent wieder knapp unter die europäische Stabilitätsgrenze von drei Prozent sinken.

US-Wirtschaft voran

Das Wirtschaftswachstum in den USA, der weltweit größten Volkswirtschaft, wird im laufenden Jahr nach Einschätzung der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute geringer ausfallen als bisher angenommen. Die Institute haben ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2003 von 2,7 auf 2,4 Prozent gesenkt.

2004 soll die US-Wirtschaft demnach um 3,5 Prozent wachsen. Für den Euro-Raum reduzierten die deutschen Forscher ihre Prognose für dieses Jahr von 1,8 auf 0,9 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft der Eurozone um 2,3 Prozent wachsen. Für Japan gehen die Institute von einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent aus. (AFP, dpa, DER STANDARD, Printausgabe 16.4.2003)

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