XFree86 vor der Spaltung

13. April 2003, 11:30
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Zahlreiche prominente ProgrammiererInnen errichten mit XWin neue Infrastruktur für das grafische Interface - Streit über weitere Ausrichtung vorausgegangen

Eine der bedeutendsten Spaltungen in der Geschichte von Unix/Linux steht bevor: Aufgrund von Auseinandersetzungen über die zukünftige Entwicklung der grundlegenden grafischen Infrastruktur XFree86 wird unter dem - vorläufigen - Namen XWin gerade ein Fork des Systems vorbereitet.

Personelles

Führend beteiligt an der Abspaltung ist mit Keith Packard der Programmierer des XFree86-Projekts, der für so ziemlich alle größeren Neuerungen der letzten Jahre verantwortlich zeichnet. Seine Kritik an den undurchsichtigen Entscheidungsstrukturen, den zu langsamen Veröffentlichungszyklen, der mangelnden Innovation - auch bedingt durch eine kaum vorhandene Einbindung externer ProgrammiererInnen - hatte vor wenigen Wochen zu seinem Ausschluss aus dem XFree86-EnwicklerInnenteam geführt.

Solidarisierung

Die Bekanntmachung dieser Tatsache hat in folge in der Open Source-Community für einige Aufregung und vor allem zu einer breiten Unterstützung für Packard geführt. Zahlreiche Szene-Prominenz, darunter sowohl GNOME als auch KDE-EntwicklerInnen aber auch der Kernel-Hacker Alan Cox, schalteten sich in die Diskussion ein, um zu einer Lösung des Problems zu finden. Da sich das XFree86-Core-Team aber bisher nur recht begrenzt kooperativ zeigte, haben sich Packard und Konsorten zur Vorbereitung des Forks entschlossen.

Pläne

Zu diesem Zweck wird gerade eine Infrastruktur eingerichtet, die bestehend aus Website, Mailing Listen, Wiki und weiteren Projekten, die Kommunikation zu den UserInnen verbessern und künftige Entscheidungen transparenter gestalten soll. Auf technischer Seite ist für XWin vor allem eine Befreiung von Altlasten und eine Modularisierung des Systems angekündigt, zusätzlich soll wesentlich häufiger veröffentlicht werden, neue Treiber auch unabhängig bereit gestellt werden, damit nicht immer auf eine Release des gesamten Projekts gewartet werden muss. Außerdem sollen gerade die MacherInnen der großen Unix-Desktops KDE und GNOME verstärkt in die Entwicklung einbezogen werden. (red)

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