Platini will Champions League abschaffen

15. April 2003, 13:17
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Das Mitglied der UEFA-Exekutive plädiert für einen einzigen Europacup-Bewerb im K.o.-System

München - Der frühere französische Star-Fußballer Michel Platini sprach sich in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" für eine radikale Reform der europäischen Klubbewerbe aus. Das 47-jährige Mitglied der FIFA- und UEFA-Exekutive plädiert für eine Abschaffung der Champions League und nur noch einen Europacup mit 256 Teilnehmern, der von Beginn weg im K.o.-System ausgetragen wird.

Nichts mit der Völker verbindenden Idee zu tun

"Heute ist der Europacup doch nur noch ein geschlossener Zirkus. Je mehr Spiele du hast, desto sicherer ist es, dass die Großen gewinnen. Aber Bayern München muss auch Mal wieder auf Malta oder in Georgien spielen", erklärte Platini, dem Ambitionen auf die UEFA-Präsidentschaft nachgesagt werden. Die Champions League habe mit "der Völker verbindenden Idee des Fußballs nichts mehr zu tun".

Strikte Lizenzierung bei allen

Zudem sprach sich der Franzose für eine strikte Anwendung des Lizenzierungsverfahrens aus, das die UEFA ab 2004 einführen will. "Wenn Real Madrid in drei Jahren die Konten nicht ausgeglichen hat, muss man sie aus der Champions League rausschmeißen. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn die UEFA diesen Mut nicht hätte", so Platini.

"Er will gebeten werden"

Der einstige Spielmacher glaubt nicht, dass Franz Beckenbauer in drei Jahren ein möglicher Nachfolger von Joseph Blatter als FIFA-Präsident sein wird. "Als Spieler waren Franz und ich Weltstars. Alle Anfragen wurden an uns herangetragen und wir mussten nur Ja oder Nein sagen. Wir haben nie gelernt, um etwas zu bitten. Ich habe es im Rahmen von Frankreichs Bewerbung für die WM 1998 gelernt, und Franz hat es lernen müssen, als er für Deutschland die WM 2006 holte. Ich glaube nicht, dass ihm diese Rolle gefallen hat. Deshalb sehe ich Franz nicht als FIFA-Chef. Ich glaube, er ist nicht mehr bereit, um Stimmen zu kämpfen. Er will gebeten werden, aber so funktioniert das nicht bei 204 Mitgliedsverbänden." (APA/SIZ)

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    Michel Platini, der neue UEFA-Präsident?

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