Stromrechnung nicht bezahlt: 150 Sites offline

12. April 2003, 13:07
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Nach einer Mahnung keine konkrete Warnung vor Abschaltung durch Wien Energie

Andreas Rathmanner, Geschäftsführer der Wiener Agentur FOX mediadesign, ist sauer: "Aufgrund eines Buchungsfehlers der Wiener Stadtwerke wurde uns diese Woche um 6 Uhr in der Früh ohne Vorwarnung der Strom abgedreht. Angeblich haben wir einen offenen Saldo aus dem März 2003 von 198 Euro." Laut Christian Neubauer von der Öffentlichkeitsarbeitsabteilung von Wien Energie war der ursprüngliche Zahlungsrückstand deutlich höher, zum Zeitpunkt der Abschaltung aber tatsächlich nur 198 Euro. Eine Warnung unmittelbar vor einer Stromabschaltung hält Wien Energie nicht für notwendig. Die Folge der Stromabschaltung: 150 Sites von Kunden der Wiener Agentur waren für zehn Stunden offline.

"Bei Nichtzahlung wird Lieferung eingestellt"

Laut dem Stromlieferanten war FOX mediadesign am 30. Jänner eine einmalige Mahnung über einen deutlich höheren Betrag geschickt worden. "Darin weisen wir auch darauf hin, dass bei Nichtzahlung die Lieferung eingestellt wird", so Neubauer gegenüber pressetext.austria. Im konkreten Fall sei nach etwa zwei Monaten intern ein Abschaltauftrag erteilt worden: "Das (Abschalten) dauert immer einige Tage, bis unsere Mitarbeiter in der Gegend sind. Die Zahlung des Kunden hat sich mit diesem Auftrag überschnitten. Warum nicht der gesamte ausständige Betrag bezahlt wurde, wissen wir nicht." Eine konkrete Warnung vor einer geplanten Abschaltung erfolgt nicht, aus Neubauers Sicht ist dies auch nicht notwendig: "Wir haben eine kostenlose Hotline. Der Kunde hätte jederzeit anrufen können."

Juristisch ausreichend

Daniela Zimmer, Konsumentenrechtsexpertin der Arbeiterkammer Wien, sieht bei derartigen Fällen zwei Seiten: "Nüchtern juristisch betrachtet ist eine einmalige Mahnung mit Androhung der Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Zahlungsfrist ausreichend. Vom Servicestandpunkt her wäre eine zweite Information, die dem Kunden die Dringlichkeit vor Augen führt, sicherlich wünschenswert."

Schaden zwischen 2.500 und 4.000 Euro

Für FOX und dessen Kunden hatte die unerwartete Abschaltung unangenehme Folgen. "Nach dem Zusammenbruch des gesamten Netzwerkes und der Zerstörung unserer Haupt- und Mailserver waren zirka 150 Kundensites für zehn Stunden offline. Nach ersten Schätzungen beträgt der Schaden zwischen 2.500 und 4.000 Euro", berichtet der Geschäftsführer pressetext.austria. Als Reaktion soll der Stromlieferant schnellstmöglich gewechselt und ein Notstromaggregat installiert werden. Der Lieferant will nun das Gespräch mit FOX mediadesign suchen. "Vielleicht können wir noch eine Lösung finden", hofft der Wien-Energie-Sprecher, "Jeder verlorene Kunde ist unangenehm für uns. Aber im Allgemeinen sind unsere Kunden sehr zufrieden.

Seit Beginn der Stromliberalisierung (1. Oktober 2001) haben wir weniger als zwei Prozent unserer Kunden verloren." Im konkreten Fall dürfte es schwer werden, Rathmanner zu überzeugen: "Warum 198 Euro offen sind, ist uns unklar. Wir haben den Original-Erlagschein eingezahlt. Die Stadtwerke haben nur gesagt, wir könnten einen Kontoauszug über Forderungen und Zahlungen beantragen. Dafür verlangen sie aber wieder eine eigene Gebühr."(pte)

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