Wien-Umfahrung: Tunnel nicht fix

11. April 2003, 20:21
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An der Südostumfahrung Wiens wird mit Hochdruck gearbeitet: Dass Wiener Wünsche erfüllt werden, ist nicht sicher

Wien - Dass unter der Donau tatsächlich ein Tunnel gebuddelt wird, ist für Alois Schedl, Geschäftsführer der Österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen AG (Ösag) alles andere als sicher: "Wir überprüfen erst die technische Machbarkeit", erläuterte er am Freitag, "wir wissen zum Beispiel, dass im Grundwasser eine tiefe Störung und tiefe große Strömungen zu erwarten sind." Es sei daher durchaus möglich, dass zum Beispiel die Donau über eine Brücke gequert wird - und die S1 erst danach in den Untergrund abtaucht.

Strategischen Umweltprüfung

Auch sonst sei keineswegs sicher, dass die Wiener Wünsche tatsächlich umgesetzt werden: Laut dem Ergebnis einer "strategischen Umweltprüfung" sollte aus Wiener Sicht die Nordostumfahrung Wiens das Tanklager Lobau und den Nationalpark an seiner engsten Stelle unterqueren. Dann sollte diese Wiener Variante über Aspern zur Nordautobahn führen.

"Ich fürchte, der Aushub im höchst kontaminierten Tanklager wird der teuerste, den wir je hatten", bleibt hingegen Schedl ausgesprochen vorsichtig. Daher werden bis zum Herbst auch andere Trassenvarianten - etwa jene von Niederösterreich und der Planungsgemeinschaft Ost - weiter untersucht.

Variantenreichtum

Eine Möglichkeit wäre, die ganze Nordostumfahrung weiter östlich umzusetzen. "Das wäre zwar einerseits billiger und würde auch weniger Anrainer belasten - wäre dann aber weit weniger verkehrswirksam", wägt Schedl ab. "Und was haben dann die Leute in Donaustadt davon, wenn sie erst wieder einen Riesenumweg fahren müssen, wenn sie zum Flughafen wollen?"

Vorerst wird ohne Tabus gerechnet: Sogar eine Querung des Nationalparks ohne Tunnel kommt in die Kalkulationen. Schedl: "Das würde natürlich nur sehr schwer ge- hen, und man müsste auch die Naturschutzgesetze ändern. Aber letztlich muss man eben abwägen, um wie viel einem ein Tunnel mehr wert ist."

Die ersten Künetten

Am Südost-Abschnitt der Wienumfahrung S1 (vormals B301) können nach den langen Jahren der Diskussion hingegen bereits die ersten Künetten besichtigt werden - wie etwa bei der Unterführung der Ostautobahn oder bei den ersten schon betonierten Anschlussstellen bei Schwechat. "70 Prozent der Aufträge sind bereits vergeben", bilanziert Schedl bei einem Lokalaugenschein.

Eine erste Erfolgsmeldung: Bei der Vergabe für den Tunnel Rannersdorf entschied man sich nun für eine verbesserte Spundwandmethode, was eine deutliche Auswirkung haben wird: Die Bauzeit wird sich hier vermutlich um sechs bis acht Monate verkürzen - und die Kosten sinken um 30 Millionen auf 70 Millionen Euro. "Außerdem wurde in der Asfinag-Aufsichtsratssitzung vom Donnerstag die Vergabe für den Tunnel Vösendorf entschieden", berichtet Vorstandsdirektor Franz Lückler.

Verordnungen fehlen

Andererseits sind noch einige Behördenwege zu erledigen: Bei den Anschlussstellen gibt es derzeit erst für zwei die nötigen Verordnungen - die restlichen fehlen noch. "Aber da gibt es derzeit keine Probleme", versichert Schedl. Was die Abwicklung der Genehmigungsverfahren deutlich verzögerte: die Übertragung der Bundesstraßen an die Länder im vergangenen Jahr.

Besonders unangenehm hatte es die Ösag bei der Anschlussstelle Laxenburger Straße erwischt. Schedl: "Die hatten wir fix und fertig beim Ministerium eingereicht - und auf einmal waren sowohl Wien als auch Niederösterreich zuständig."

In Summe soll die Südostumfahrung S1 netto 430 Millionen Euro kosten. Die erste Teilfreigabe der Umfahrung Schwechat ist für Anfang 2005 geplant. Der Rest - von der Anschlussstelle Schwechat Süd bis zum Knoten Vösendorf - soll dann voraussichtlich ab dem Frühjahr 2006 befahren werden können. (Roman Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 12/13.4.2003)

An der Südostumfahrung Wiens wird mit Hochdruck gearbeitet: 70 Prozent der Aufträge sind vergeben. Gleichzeitig werden Varianten geprüft, wie die Straße nach Norden verlängert werden soll. Dass Wiener Wünsche erfüllt werden, ist nicht sicher.
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