OMV will mit Nabucco im Gashandel aufspielen

11. April 2003, 20:19
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Türkei-Pipeline für mehr Unabhängigkeit von Russland

Wien - Die OMV betont die Harmonie mit den vier Partnerkonzernen, mit denen das milliardenschwere Projekt einer Gasleitung von der Türkei nach Österreich errichtet werden soll. Die 2500 Kilometer lange Pipeline hat den Namen Nabucco. Dieser wurde nach einem Besuch der Chefs der ungarischen Mol, Bulgargaz, der rumänischen Transgaz und Bota¸s (Türkei) in der Wiener Staatsoper kreiert. "Nabucco" ist eine klassische Freiheitsoper Giuseppe Verdis.

Laut OMV stünden alle Unternehmen voll hinter dem Projekt; dagegen hätten Störversuche der griechischen Gasfirma Depa, die eine Alternativleitung (für Russengas) über Exjugoslawien legen will, nichts ausrichten können. Für Bulgarien und Rumänien sei die Leitung ein Baustein bei ihrer forcierten Annäherung an die EU, die Türken hätten dagegen Gasüberschüsse, weil die Nachfrage geringer sei als der vertraglich vereinbarte Bezug. Bei der OMV wird betont, dass die fünf in heiklen Fragen wie Grenzquerungen und dem genauen Verlauf der Erdgaspipeline an einem Strang ziehen würden. Losgehen könnte es mit Nabucco Ende 2004, mit einer Fertigstellung sei 2010 zu rechnen.

Machbarkeitsstudie

Schon in zwei Wochen wird die Machbarkeitsstudie in Brüssel vorgelegt, die OMV hofft, dass die EU die Hälfte der Kosten (1,45 Mio. Euro) übernimmt. Das Gesamtprojekt würde bis zu 2,5 Mrd. Euro kosten, auch hier hofft man auf Zuschüsse aus Brüssel.

Mit Nabucco will die OMV die Abhängigkeit vom heimischen Hauptlieferanten, der russischen Gazprom, senken, was auch der EU-Strategie entspricht, neue Importquellen zu erschließen und die Gasversorgung stärker zu diversifizieren. Primär soll das Gas für das Projekt aus der Region Kaspisches Meer (Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan kommen, der gasreiche Iran habe schon Lieferinteresse signalisiert.

Mehr Flüssiggas

Weil es in wenigen Jahren wegen sinkender Förderung und steigenden Bedarfs zu einem Gasengpass kommen könnte, hat das von der OMV eingemottete Projekt eines Flüssiggasterminals in Krk (Kroatien) wieder mehr Gewicht bekommen. Es hätte im Jahr 1995 760 Mio. Euro gekostet. In Hinkunft könnte das teurere Flüssiggas den Spotmarkt bedienen, während normales Gas weiter über Langfristverträge gehandelt wird.

Technisch wird Flüssiggas in einem teuren, technisch aufwändigen Verfahren erzeugt: Das Gas wird unter Druck und bei einer Temperatur von minus 162 Grad Celsius flüssig, dadurch sinkt das Volumen auf ein Sechshundertstel. Zum Transport sind teure Spezialschiffe nötig. Besonders in Asien ist Flüssiggas eine wichtige Energiequelle. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.4.2003)

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