"Malaria der Meere"

13. April 2003, 13:57
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Nicht nur die Klimaerwärmung, sondern auch das Bakterium Vibrio shiloi kann zum Korallensterben führen

Tel Aviv - Israelische Forscher haben ein Indiz dafür gefunden, dass Würmer ähnlich wie Malariaerreger die Korallenstöcke zum Sterben bringen. Die Wissenschaftler haben, so das Magazin New Scientist, an einer tropischen Korallenart ein Bakterium entdeckt, das durch einen korallenfressenden Wurm weiter transportiert wird. Die Forscher wollen nun herausfinden, ob auch andere Korallenarten infiziert werden können. Das könnte in Zukunft auch zur Vorbeugung der Bleiche führen.

Korallen sind von Algen, die in ihrem Inneren leben, abhängig. Diese erzeugen Kohlenhydrate und Sauerstoff durch Photosynthese. Diese Partnerschaft ermöglicht Korallen auch in unfruchtbaren Arealen der Ozeane zu leben und erklären das reichhaltige Leben am Riff. Durch den Anstieg der Temperaturen sterben die Algen ab oder die Korallen geraten so stark unter Stress, dass sie die Algen abstoßen.

Massensterben

Wie eine Epidemie hat sich der Tod der Korallenriffe über die ganze Welt ausgedehnt. Die internationalen Forscher gehen davon aus, dass die Hälfte aller Riffe absterben wird. Nur eine drastische Abkühlung durch eine Verminderung des CO2-Ausstosses könnte die Korallenbleiche eindämmen. Die israelischen Forscher glauben aber, dass die Entdeckung der Bakterien die Bleiche möglicherweise auch verhindern kann.

Bereits in den späten 90-er Jahren hatten Yossi Loya und Eugene Rosenberg von der Tel Aviv University ein Bakterium gefunden, das in unmittelbarem Zusammenhang mit der Korallenbleiche steht. Damals konnten die Forscher auch feststellen, dass dieses Bakterium unter höheren Temperaturen aktiver wurde.

Vibrio shiloi und Hermodice carunculata

"Korallenforscher sind aber keine Mikrobiologen", so Rosenberg. Daher hatten die Forscher zwar eine Korrelation mit den höheren Temperaturen hergestellt, konnten das Bakterium aber nicht zuordnen, erklärt der Experte. Die Mikrobe namens Vibrio shiloi war verantwortlich für das Auftreten der Korallenbleiche an der mediterranen Steinkoralle Oculina patagonica. Die Forscher waren erstaunt, dass das Bakterium nur im Sommer aktiv war.

Auf der Suche nach der Ursache mit Hilfe von floureszierenden Substanzen stießen die Wissenschaftler auf den Feuerwurm Hermodice carunculata, der das Bakterium offensichtlich nach und nach über die Korallen verteilte, wenn er an den Korallenstöcken Nahrung aufnahm.

Weiterer Verdächtiger

Rosenberg geht davon aus, dass auch andere Korallenspezies im Indischen und Pazifischen Ozean durch ähnliche Pathogene zerstört werden. Ein weiteres Bakterium, das für die Korallenbleiche im Roten Meer verantwortlich ist, hat Rosenberg nun entdeckt. Der Experte Ove Höegh-Guldberg vom Centre for Marine Studies an der University of Queensland ist zwar der Ansicht, dass das Massensterben der Korallen zu schnell vor sich geht, als dass es von infektiösen Krankheiten ausgelöst wird. "Es ist allerdings möglich, dass die Mikrobe die Koralle blockiert, etwa so wie Escherichia coli im menschlichen Darm. Wenn die Temperatur steigt, führt das Bakterium zum Ausbleichen", so der Spezialist. (pte)

"New Scientist"

Über die neuesten Erkenntnisse von Rosenberg berichtet auch das Fachmagazin Environmental Microbiology.
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