BA-CA: Offensive in den Bundesländern

11. April 2003, 20:12
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Bank will Position stärken - Weitere Schwerpunkte: Kapitalaufstockung und Osteuropa - Neo-Chef Karl Samstag im STANDARD-Interview

Wien - Jeder zweite Wiener ist Kunde der BA-CA. In den übrigen Bundesländern beträgt der Kundenanteil der größten Bank des Landes dagegen nur neun Prozent. Dies will der neue Generaldirektor Karl Samstag ändern. Im Gespräch mit dem STANDARD kündigte er eine Marktoffensive in den Bundesländern an, um den Kundenanteil auf 15 Prozent zu steigern.

Auf einen Ausbau des Filialnetzes, das österreichweit derzeit rund 400 Zweigstellen umfasst, soll weitgehend verzichtet werden. Dafür sollen neue Vertriebskanäle in Form von Finance Centers aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um Büros, in denen Finanzberater quasi als Franchisenehmer der BA-CA tätig sind, wobei die konkreten Geschäftsabschlüsse in der nächstgelegenen Filiale stattfinden. Sieben solcher Finance Centers sind bereits eröffnet, weitere fünf sollen bis zur Jahresmitte dazukommen. Insgesamt soll deren Zahl bis auf etwa 50 anwachsen.

Verstärktes Cross-Selling

Als weitere Maßnahme zur Erschließung neuer Kundenschichten soll das so genannte Cross-Selling verstärkt werden. Dabei soll versucht werden, Firmenkunden und deren Belegschaft auch als Privatkunden zu gewinnen.

Im Firmenkundengeschäft sieht Samstag die BA-CA in ganz Österreich gut positioniert. Bei den Top 500 des Landes (Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 40 Mio. Euro) liege der Kundenanteil bei 80 bis 90 Prozent. Derzeit werde der "Mittelbau", Firmen, die zwischen sieben und 40 Mio. Euro pro Jahr umsetzen, also den Klein- und Mittelbetrieben zuzurechnen seien, verstärkt bearbeitet. Hier mache der Kundenanteil der BA-CA 70 Prozent aus.

Kapitalaufstockung

In einem nächsten Schritt werde sich das Institut verstärkt um Kleinbetriebe mit weniger als sieben Mio. Euro Jahresumsatz bemühen, wo der Kundenanteil erst bei knapp 50 Prozent liege.

Für die im Juni geplante Kapitalaufstockung um bis zu 38 Mio. Aktien laufen die Vorbereitungen derzeit auf Hochtouren, sagte Samstag. Als voraussichtlicher Emissionserlös wird ein Betrag bis 1,2 Mrd. Euro genannt, den der BA-CA Chef allerdings nicht kommentieren wollte. Das neue Kapital, das die Kernkapitalquote von zuletzt 6,8 Prozent auf deutlich über sieben Prozent ansteigen lassen wird, soll jedenfalls in erster Linie für die weitere Expansion in Mittel- und Osteuropa eingesetzt werden.

Neue Filialen

Die BA-CA, die in dieser Region über 900 Geschäftsstellen mit über 20.000 Beschäftigten und einer kumulierten Bilanzsumme von 21,6 Mrd. Euro verfügt, will dabei sowohl das organische Wachstum durch Eröffnung neuer Filialen forcieren als auch Zukäufe tätigen. Besonders ins Auge sticht Samstag die ungarische Postabanka, die derzeit allerdings noch nicht zur Privatisierung ansteht.

In Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien, wo der Marktanteil der BA-CA-Töchter um die fünf Prozent liegt, soll das Privatkundengeschäft ausgebaut werden. Ziel ist ein Marktanteil von zehn Prozent, wie derzeit bereits in Polen und Kroatien. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.4.2003)

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    BA-CA-Aufsichtsrats-Chef Gerhard Randa verschwindet nur symbolisch im Schatten von Neo-Generaldirektor Karl Samstag.

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