Kuba richtet Entführer eines Passagierschiffs hin

11. April 2003, 21:15
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Erste Todesurteile seit mehreren Jahren

Havanna - Drei Kubaner, die in der vorigen Woche eine Passagierfähre entführt hatten, sind am Freitag hingerichtet worden. Das teilte die Regierung in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung mit. Es sind die ersten Hinrichtungen in Kuba seit mehreren Jahren. Die Todesurteile wurden durch Erschießen vollstreckt.

Die drei Männer hatten am 2. April zusammen mit mehren anderen eine der Passagierfähren in ihre Gewalt gebracht, die in der Bucht von Havanna zwischen der Hauptstadt und den östlichen Vororten verkehren. Sie wollten damit in die USA fliehen, blieben aber schon nach 50 Kilometern ohne Treibstoff auf hoher See liegen. Mehrfach drohten sie, Passagiere umzubringen oder ins Meer zu werfen. Sie willigten dann aber ein, dass die Fähre nach Kuba zurück geschleppt wurde. Im Hafen von Mariel, westlich von Havanna, wurden die Entführer am späten Abend des 3. April überwältigt. Niemand wurde dabei verletzt.

Langjährige Haftstrafen für Komplizen

Wie die kubanische Regierung in einer am Freitag im staatlichen Fernsehen verlesenen Erklärung mitteilte, wurden die insgesamt elf Entführer am Dienstag wegen "schwerer Terrorismusverbrechen" verurteilt. Eine Berufung habe der Staatsrat abgelehnt. Gegen die drei "aktivsten und brutalsten" Rädelsführer sei die Todesstrafe verhängt und vollstreckt worden. Vier Komplizen seien zu lebenslänglicher Haft, ein weiterer zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Drei Frauen erhielten Haftstrafen in Höhe von fünf, drei und zwei Jahren.

Kurz vor dieser Entführung waren bereits zwei Verkehrsflugzeuge von ausreisewilligen Kubanern in die USA entführt worden. Die Entführer wurden nicht ausgeliefert. Kuba wirft den USA vor, solche Entführungen zu provozieren. (APA/dpa)

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