Massud Barzani, Chef der Demokratischen Partei Kurdistans im Irak

11. April 2003, 19:13
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Washingtons Partner bei den Kurden

Der Feldherr fährt nun seine Siege ein. Nach Kirkuk am Vortag haben Massud Barzanis Kurden auch Mossul, die drittgrößte Stadt des Irak, eingenommen. Immer im Verein mit der US-Armee, versteht sich, die noch vergangene Woche durch ein Fehlbombardement beinahe seinen Bruder Waji umbrachte.

Der Anführer der kurdischen "Spezialkräfte" liegt nun schwer verletzt im amerikanischen Militärspital Landstuhl in Deutschland. "So ist eben der Krieg", sagten Barzanis Gefolgsleute nur grimmig, und den kennt die Familie: Mit Massud Barzanis Vater Mustafa begann der Kampf der irakischen Kurden um Unabhängigkeit - damals noch gegen die Briten, die 1919 das Osmanische Reich aufteilten.

Barzani ist heute ein unentbehrlicher Verbündeter für die Amerikaner. Dass das erste Treffen der Exilopposition im Irak vergangenen März in Salahuddin, einer Hochburg des Barzani-Clans, und in Anwesenheit des US-Emissärs und "Königsmachers" Khalilzad stattfand, mag ein Indiz für eine künftige prominente Rolle des Kurdenchefs im Nachkriegsirak sein. Barzani selbst, so sagen Besucher, die ihn in den vergangenen Wochen trafen, zeige eher wenig Enthusiasmus für eine nationale Führungsrolle. In Bagdad sei er noch nie gewesen, sagt Barzani. Vielleicht komme er ja nun jetzt einmal als "Besucher".

Dabei hatte der heute 57-jährige Barzani Iraks gestürzten Herrscher Saddam Hussein schon einmal einen Besuch abgestattet. Über das Treffen mit dem Todfeind in Saddams Geburtsstadt Tikrit im Dezember 1996 ist nie wirklich etwas bekannt geworden. Doch der Besuch hatte Tragik und Chaos des kurdischen Unabhängigkeitskampfs vor Augen geführt.

Mitte der 90er-Jahre war die notdürftig zusammengehaltene Allianz zwischen Barzanis Demokratischer Partei Kurdistans (KDP) und Jalal Talabanis Patriotischer Union Kurdistans (PUK) wieder einmal auseinander gebrochen. Die beiden Kurdenführer, die bei einer Parlamentswahl nach dem Golfkrieg von 1991 jeweils 44 Prozent der Stimmen erhielten, ließen ihre Truppen gegeneinander kämpfen. Von Beginn an stand der Barzani-Clan besser da - die KDP kontrolliert jene Hälfte des Autonomiegebiets, das an die Türkei grenzt, und kassiert die Zolleinnahmen.

Im nordirakischen Kurdenduo gibt der Jurist Talabani dabei den westlichen Politiker im Dreiteiler, Barzani dagegen tritt in kurdischer Tracht auf und trägt als Kopfbedeckung die rot-weiße Kufiya. Seine KDP, so heißt es immer noch, repräsentiere die konservative Landbevölkerung. Und die Geschichte des kurdischen Widerstands im Irak. Die Leitung der Partei übernahm Massud Barzani nach dem Tod seines Vaters Mustafa 1976. Nun wird er bei der Gestaltung des neuen Irak ein gewichtiges Wort mitreden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.4.2003)

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