Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen - das sollte der Ansatz von Politik und Wirtschaft sein, meint Bettina Pfluger
Ein Text wie dieser kann nicht ohne Präambel begonnen werden. Daher sei vorweg festgehalten: Die Autorin dieser Zeilen hat nichts gegen Emanzipation und schon gar nichts gegen die Stärkung der Frauenrechte - danke an alle Geschlechtsgenossinnen, die dafür hart gekämpft haben. Aber Frauenquoten? Nein, danke.
In eine Spitzenposition gehievt zu werden - nur weil eine Quote erfüllt werden muss? Wer sagt, dass damit der Qualität einer Aufgabe Rechnung getragen wird? Einen Job zu bekommen, nur weil die im Gesetz vorgeschriebene Frauenquote erfüllt werden muss? Klingt nicht besonders reizvoll - weil es nämlich um viel mehr geht. Es geht darum, dass Frauen ob ihrer Leistung oft noch immer nicht anerkannt werden. Deshalb schaffen es nicht nur die wenigsten in die Pole-Position - auch auf der zweiten Ebene sind Abteilungsleiterinnen rar.
An diesem Punkt darf auch an den Equal Pay Day vor drei Tagen erinnert werden. Frauen mussten bis 13. April arbeiten, um auf die Jahresgage 2009 des Durchschnittsmannes zu kommen.
Eine Quote wird diese Probleme nicht lösen, zumal die Diskussion darüber ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Zur "Quotenfrau" abgestempelt zu werden kann kein erstrebenswertes Ziel sein. Zumal die Krux viel tiefer liegt. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen - das sollte der Ansatz von Politik und Wirtschaft sein. Dann würden Karrieren von Frauen vielleicht weniger oft blockiert. (Bettina Pfluger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4. 2010)