Eine gut ausgebildete Frau würde schon ihren Weg machen? Die Realität ist leider anders, meint Johanna Ruzicka
Es sind vor allem die ausgezeichnet vernetzten "Old Boys" in den diversen Gremien, die sich vehement und gerne ein bisschen verächtlich dagegen aussprechen, dass via Quoten mehr Frauen in Toppositionen Einzug halten sollen. Diese Herren verweisen gerne darauf, dass eine solche Quote zum Ausdruck bringe, dass die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht einen Nachteil darstelle, und diese Diskriminierung hätten Frauen, bitte schön, doch nicht notwendig. Eine gut ausgebildete Frau würde schon ihren Weg machen.
Die Realität ist leider anders. Bei mittlerweile mehr Abschlüssen von weiblichen Studenten an österreichischen Universitäten sind Frauen in Geschäftsführerpositionen, Vorständen und Aufsichtsräten noch immer eine rare Spezies. Und die paar, die es geschafft haben, werden dann auch noch als sogenannte Alibifrauen abgekanzelt. Im 21. Jahrhundert wird so getan, als ob die Frau in einer hohen Position eine Art Tschapperl wäre, das den Job aufgrund günstiger gesellschaftlicher Umstände bekommen habe.
Man muss jetzt gar nicht die Finanzkrise anführen, bei der sich das männerdominierte Aufsichtssystem umfassend blamierte, um auf mehr weibliche Mitsprache zu pochen. Da dies ohne Regeln anscheinend erst am Sankt-Nimmerleins-Tag passieren würde, muss die Quotenfrau her. Dies ist vielleicht nicht die eleganteste Lösung, aber die zielführendste. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4. 2010)