Kein Spritzentausch mehr für Suchtkranke am Karlsplatz

Rosa Winkler-Hermaden, 16. April 2010, 06:40
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    foto: standard/corn

    Experten glauben nicht daran, dass sich die Suchtkranken vom Karlsplatz wegbewegen werden. Die Zahl der Infizierungen mit HIV oder Hepatitis und auch der Todesfälle werde steigen.

Im Zuge des Karlsplatz-Umbaus in Wien wird Streetwork-Einrichtung umorganisiert - Neuer Standort am Wiedner Gürtel

Ab Juni soll der Karlsplatz umgebaut werden. In einer Aussendung der Stadt Wien am Mittwoch hieß es, dass man künftig ein "modernes, hell und freundlich gestaltetes Ambiente" vorfinden werde. Das hohe Sicherheitsgefühl für alle Benutzer soll im Vordergrund stehen.

Was damit wohl auch gemeint ist: die Suchtkranken, die traditionell am Karlsplatz zugegen sind, sollen nicht länger vor Ort sein. So soll ab Juni kein Spritzentausch für Suchtkranke in der "Streetwork"-Einrichtung in der Westpassage des Karlsplatzes mehr angeboten werden, erfuhr derStandard.at. Und das, obwohl die Einrichtung stark frequentiert wird. Laut eines Factsheets von "Streetwork" vom Jänner 2010 sind die Kontakte zu den Suchtkranken in den vergangenen Monaten gestiegen. Im Dezember vergangenen Jahres waren 797 Kontakte pro Tag der Durchschnitt.

Betroffene "ins System integrieren"

Seitens der Sucht- und Drogenkoordination Wien heißt es, man wolle die Gelegenheit des Umbaus nutzen, um die betroffenen Personen "ins System zu integrieren" und in die Tageszentren umzuleiten. Es sei keine Rede davon, dass die Leute vertrieben werden, sondern man wolle ihnen bessere Betreuungsverhältnisse anbieten, sagt der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel.

Aufrechterhaltung des Betriebs nicht möglich

Außerdem sei die Aufrechterhaltung des Betriebs in der Karlsplatzpassage wegen der umfangreichen Umbauarbeiten nicht mehr möglich. Weiterhin soll es zwar Streetwork mit derselben Anzahl an Mitarbeitern am Karlsplatz geben - jedoch ohne Spritzentausch, und die Arbeit soll wieder verstärkt auf der Straße stattfinden. Zusätzlich sollen die Suchtkranken in der Einrichtung "Ganslwirt" in der Gumpendorferstraße betreut werden. Diese Einrichtung gibt es schon seit rund 20 Jahren. Und es wird ein neues Zentrum mit dem Namen "TaBeNo" am Wiedner Gürtel in der Nähe des neuen Hauptbahnhofs geben, das im Juni seine Pforten öffnet.

An beiden Orten soll der Spritzentausch im selben Ausmaß weitergeführt werden, kündigt Heike Hromatka, Pressesprecherin der Sucht- und Drogenkoordination Wien an. Drogenkoordinator Dressel betont, die Kapazitäten in den Einrichtungen würden erweitert, nicht verringert. Und sollte es nicht gelingen, die Suchtkranken vom Karlsplatz in die Alternativ-Einrichtungen umzuleiten, werde man sich wieder etwas Neues überlegen.

"Dramatische Gesundheitsbedenken"

Experten aus den Wiener Drogenhilfeeinrichtungen zeigen sich im Gespräch mit derStandard.at jedenfalls skeptisch. Sie glauben nicht daran, dass sich die Suchtkranken vom Karlsplatz wegbewegen werden und haben "dramatische Gesundheitsbedenken". Die Zahl der Infizierungen mit HIV und Hepatitis und auch der Todesfälle werde steigen, meinen die Experten. Die benutzten Spritzen würden nicht mehr zurückgebracht und somit in Parks und öffentlichen Toiletten zu finden sein. Die neue Einrichtung am Wiedner Gürtel sei zwar zu begrüßen, aber sie würde nicht so "niederschwellig" zugänglich sein, wie die "Streetwork"-Einrichtung am Karlsplatz.

SPÖ war eigentlich für den Spritzentausch am Karlsplatz

Im März war die Stadt Wien noch recht überzeugt vom Spritzentausch am Karlsplatz. Der von der FPÖ kritisierte Spritzentausch sei mehr als sinnvoll, sagte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) in einer Gemeinderatssitzung. Durch eine Einsparung desselben würde nicht der Drogenkonsum verringert, sondern die Infektionen gesteigert. (rwh, derStandard.at, 16.4.2010)

Kommentar posten
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PatriotInnen sind IdiotInnen
11
22.4.2010, 15:45

so viel menschenverachtenden Müll wie in den Kommentaren hier hab ich echt schon lang nimmer gelesen.
Das wahre Problem sind Leute die beim Anblick drogenabhängiger Menschen als erstes an ihr Steuergeld denken.
Aber ja der Stumpfsinn der konservativen Moralaposteln wird wohl nie zu durchbrechen sein, drum werden wir wohl auch nie irgendeine vernünftige Lösung für die Probleme welche der momentane Mix aus Suchtkrankheit, Schwarzmarkt, Prohibiton, Illegalisierung und gesellschaftlicher Ausschluss hervorbringt finden.

R*****C
12
20.4.2010, 18:29

Lange Zeit ist es eigentlich schon her das der Karlsplatz ein Albtraum war, der jetzige Albtraum findet in jeder Zugganitur der Wiener Linien und der ÖBB statt.
Ich habe die Parteien mit ihrer Vertreibungspolitik satt, beim KArlsplatz kann JEDER Mensch vorbeigehen und ist wieder weg, im Zug schaut das anders aus. Danke SPÖ und besonders ÖVP und FPÖ ihr seid Komplettversager

Immer das selbe...
42
18.4.2010, 23:09
Meiner Meinung nach ist der Karlsplatz ein absoluter Albtraum

Gruppen obdachloser Alkoholiker angepisst und völlig hinüber, Typen aus dem Drogenmilieu mit Kampfhund, in der engen Passage vom Starbucks zur Oper muss man ständig den einem zombiemässig und blaulippig entgegentorkelnden Drogenkonsumenten aus dem Weg gehen, die nicht mehr fähig sind zu gehen oder zu sprechen, und trenzen und kotzen wenn sie zu viel haben. Lautstarke Streitereien, Schlägereien, Dealereien. Und dann kommt man zur Operntoilette wo man zu Walzerklängen schei**en kann... bizarres Bild finde ich.
Spritzentausch ist wichtig aber nicht am Karlsplatz. Ich geh ja auch zum Billa und koch daheim, da werden die Typen es auch schaffen am Karlsplatz das Dope zu kaufen und in einer Beratungsstelle ausserhalb zu spritzen.

Harald Ecke
 
04
22.4.2010, 13:02
Da ist es dann sicher sehr hilfreich, die Streetworker an der Arbeit zu hindern

04
21.4.2010, 15:40

Du glaubst, dass sich die blaulippigen Menschen Dope spritzen? Und zwar in einer Beratungsstelle?

Es bedarf noch viel Aufklärungsarbeit. "Aus den Augen - aus dem Sinn" wird keine Lösung der Drogenproblematik sein. Spritzentausch am Karlsplatz ist wichtig, sonst infizieren sich noch mehr Süchtige mit Hepatitis, HIV, etc. Wem das egal ist, den stören dann vielleicht doch wenigstens die Spritzen, die hoffentlich großteils wenigstens im Mistkübel landen. Aber sicher nicht alle - es werden 4000 Spritzen pro Tag am Karlsplatz getauscht!!!

gubo2.0
01
19.4.2010, 21:38
aus den augen aus dem sinn?

es findet wohl niemand, dass der karlsplatz eine freundliche u-bahnstation ist.
touristenmassen direkt neben wiens/österreichs drogenaussteigern. aber sämtliche maßnahmen (videoüberwachung, streetworker, halbstündige polizeistreifen,...) den ort "attraktiver" zu machen nützen nichts.
so hat man einen guten einblick in die drogenszene bzw erleichtert es die elendsverwaltung.

Krux
04
19.4.2010, 14:52

Da hast du aber schon mal den Vorteil ein "daheim" zu haben. Abgesehen davon gibt es das eben nicht: Einen Raum wo Abhängige konsumieren können. In den Beratungsstellen werden sie beraten, können ihre Spritzen tauschen, aber abdrücken müssen sie - sofern es am "daheim" mangelt - hinter Büschen im Park, auf öffentlichen Toiletten, etc...

13
18.4.2010, 16:47

von den verschiedenen suchterkrankungen hat das an-der-ndael-hängen wohl die wenigsten "anänger" (ca 15000)und trotzdem wird derart viel emotionaler wirbel gemacht. woran liegt das??? weil sich (fast)jeder vorstellen kann zu trinken, medikamente zu nehmen, einzukaufen, ins casino zu gehen usw aber es nur wenige menschen gibt, die spritzen mögen???
und: menschen die insulin brauchen, werden tatsächlich als krank angesehen (obwohl sie ev auch selber "schuld" sind?), aber suchtKRANKE sind willenlos und blöd und selber schuld???
hat sich wer die frage gestellt, was mit den 5000 tägl getauschten spritzen passieren wird wenn sie nicht mehr fachgerecht entsorgt werden können? 1000 pkte für die richtige antwort gibts bei der "drogenkoordination".

Christoph ************
00
20.4.2010, 11:59

Naja, einen körperlicher Defekt wie Diabetis mit einer schweren Suchterkrankung gleichzusetzen ist schon auch ein starkes Stück. Ja beides sind Erkrankungen, das heißt noch lange nicht, dass man sie miteinander gleichsetzen kann.

Heroin ist eine Droge die mit sehr hohen "Erfolgschancen" Existenzen vernichtet, wohl deswegen ist sie auch so im Brennpunkt. Das heißt nicht, dass sie die einzige gefährliche Droge wäre. Alkohol ist auch eine, führt aber weitaus seltener zur Vernichtung der Existenz.

hermann sokrates
 
03
17.4.2010, 14:50

warum glauben eigentlich die verantwortlichen entscheidungsträgerInnen der stadt wien, dass es in wien keinen konsumraum geben muss, gibt es solche doch in den meisten westlichen großstädten; ebenso mit heroinabgabe oder flüssiges morphin - gibt es auch anderswo, aber wien ist anders; es bräuchte einfach suchtambulanzen (medizinische und psychosoziale betreuung an einem ort), aber bei uns putzt sich ganz österreich an wien ab (auslagerung eines problems in die böse hauptstadt) und die substituierenden allgemeinmedizinerInnen verdienen sich ein fettes zubrot mit den suchtpatientInnen, arbeit macht eh die ordinationsgehilfin, um 10€ bestechungsgeld verschreiben einige ärzte was die sucht patientInnen wünschen (morphine und benzos)......

Reder
00

Daß der Alkohol seltener zur Vernichtung führt ist schlichtweg falsch! Alkohol ist die mit Abstand sozial, körperlich und wirtschaftlich (Reha....) am meisten Schäden verursachende Droge und eine derer die ein extrem hohes Suchtpotential besitzt! Als Gesellschaft machen wir es uns da etwas einfach, aber wer schaut schon gern auf die eigenen Schwächen? Wenn wir darauf genauer hinschauen würden könnten wir uns ja die Frage stellen wie das mit unserem Vierterl oder Bierle am Abend ausschaut!

birgit hebein
26
17.4.2010, 13:22
"Zombies weg - auf in die Zwangs-Entzugsklinik"

Hauptsache "weg" ist wohl die erschreckende Devise einiger PosterInnen. Es gibt kein Recht der Mehrheitsgesellschaft, den Anblick anders aussehender Menschen nicht ertragen zu müssen. Es gibt auch kein Recht, alles, was irgend jemanden in der Stadt subjektiv „verunsichert“, aus dem Weg zu räumen; so mit sozialen Gruppen umgehen zu wollen, erinnert an Diktaturen. Drogenkranke sind Teil unserer Gesellschaft und brauchen Unterstützung; auch vor solch Menschenverachtung.

§83SPG
32
18.4.2010, 19:00

So begehen den Grundfehler so vieler "Gutmenschen". Zuerst einmal werden alle Randgruppen zusammengewürfelt, unabhängig davon, was sie zur Randgruppe macht. So kann man für alle die gleichen Rechte fordern und Menschen die differenzieren ins totalitäre Eck stellen.
Sucht ist menschenunwürdig. Sie ist kein Grundrecht sondern eine Krankheit, die man sich durch Unbedarftheit und/oder Leichtsinn zuzieht. Und so sollte sie behandelt werden. Ziel kann nur Heilung sein. Wer nicht bereit ist, an seiner Genesung zu arbeiten, verdient nicht die Zuwendung die Menschen zu Teil wird, die mit Problemen zurande kommen müssen, auf die sie keinen Einfluß haben/hatten.

hört hört
00
30.5.2010, 21:16
keine krankheit kann menschenunwürdig sein

etliche erkrankungen werden duch menschliches verhalten ausgelöst bzw, gefördert. Dazu zählen vor Allem sämtliche Zivilsationserkrankungen. Diese werden, zumindest tw., ebenfalls durch Unbedarftheit und/od. Leichtsinnigkeit ausgelöst und in Folge chronifiziert. Welche Art der Nichtzuwendung verdienen alle diese Personen, die vorsichtig geschätzt 50 % der europäischen Bevölkerung ausmachen, wie sie in ihrem Posting vorschlagen ?

PatriotInnen sind IdiotInnen
02
22.4.2010, 14:13

Du checkst es nicht, es gibt eine Unzahl an Krankheiten welche sich durch "Unbedarftheit und/oder Leichtsinn" verbreiten. Das spezielle an Suchtkrankheiten ist ja eben der das der Stoff der ursprünglich die Krankheit auslöste auch der einzige Stoff ist welcher zunächst einmal die Symptome der Krankheit lindern kann.
Und der soziale Abstieg vieler Opiat-Abhängiger ist primär ein Kinder der Prohibition und Tabuisierung und erst sekundär ein Kinder der Abhängigkeitserkrankung selbst.

Harald Ecke
 
01
22.4.2010, 13:09
Niederschwellige Einrichtungen tragen wesentlich dazu bei, Suchtkranke später doch einer Therapie zuzuführen

Eine solche ist nämlich nur dann sinnvoll, wenn sie vom Patienten auch gewünscht wird. Zahlen aus der Schweiz belegen, dass ein Gutteil von Nutzern der "Kontakt & Anlaufstellen, wie sie dort genannt werden, nach einiger Zeit aus freien Stücken eine auf Entzug abzielende Therapie in Angriff nimmt.
Sollen wir die 300 000 Alkoholiker auch zwangstherapieren? Jeder Arzt wird bestätigen, dass diese Sucht weit schwerere Therapiearbeit für Patienten und Ärzte bedeutet.

affdsewrq
50
17.4.2010, 12:19

wieso werden psychisch kranke Menschen oft gegen ihren Willen in Spitälern zur Heilung quasi "eingesperrt", aber bei Drogenabhängigen, die ja genauso einer Sucht- und psychisch verursachten Krankheit leiden, eben nicht.
Spritzen auszuteilen kann ja nur zusätzliches Programm sein. Das wichtigste wären aber Zwangentzug in Spitälern und vor allem die Behandlung und Begleitung danach.

Jakob der Schwitzer
02
18.4.2010, 19:20
Zwangentzug

wird wohl nie funktionieren...aber bitte...

affdsewrq
40
17.4.2010, 11:43

manchmal kann auch eine Zwangs-Entzugsklinik Wunder wirken. Man darf halt Leute nicht frühzeitig entlassen, auch wenn sie clean sind. Schließlich gilt es dann erst recht Unterstützung (psychologisch, materiell, etc.) zu geben, damit sie auch ihre Alltags-Probleme bewältigen können und auch den Schritt in die Arbeitswelt schaffen.

Jakob der Schwitzer
02
18.4.2010, 19:21
genau

wir sperren alle weg...

das löst sicher alle probleme...

Ignatius von Stein
52
17.4.2010, 10:45
...

Diese Unterführung könnte zu einem prachtvollen Boulevard umgebaut werden .... aber Hauptsache, es passiert mit den Zombies da unten endlich etwas. Ab in eine Therapie, weg von der Gosse und zurück ins Leben ! UNd der Karlsplatz wird wieder das , was er sein soll ... Eine innerstädtische, urbane Wohlfühlgegend !!!

mola mola
04
17.4.2010, 10:14
idiotie

das kommt den stadtpolitikern aber gelegen, das mit dem umbau und die damit verbundene ausrede, den spritzentausch einzustellen. ich erwarte mir davon einen signifikanten anstieg der neu-infektionen v.a. bei hepatitis C, wahrscheinlich auch HIV, unter den suchterkrankten. viele von ihnen werden wohl nicht jedes mal zum tauschen an den wiedener gürtel oder zum ganslwirt fahren. hurra, so sieht gelungene drogenpolitik 2010 aus.

leser 4712
02
17.4.2010, 09:34
die wien-wahlen lassen grüßen

damit die fpö&stenzel-freunde ein argument weniger haben...

aislinn
59
17.4.2010, 08:46
der Kapitalismus grüßt...

...natürlich verschandeln Drogensüchtige die Optik, deshalb alle schön irgendwo anders hinbringen und so geht das weiter. Das ist nämlich der wirkliche Grund für den ganzen Umbau. Ich habe ein Jahr in der Opernpassage im Verkauf gearbeitet und konnte durchaus des öfteren der Exekutive mit den Drogensüchtigen sehen, sowie auch die Help-U Leute hatten einen furchtbaren Umgang. Und natürlich muss als erstes die Streetwork Station weg, wir haben ja zu wenig Hepatitis C und HIV Kranke. Während Starbucks weiter Kaffee ausschenkt und McDonalds seine Burger verkauft. Na die haben ja Finanzkraft. Können sie nachts noch schlafen, mein lieber Michael Dressel, mit dem Wissen Menschenleben auf den Gewissen zu haben?

Fred der Prophet
10
17.4.2010, 16:39

im von ihnen offenbar favorisierten realsozialismus, wären diese menschen bereits auf unbestimmte zeit in einem arbeitslager verschwunden.

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