"15.000 Euro sind ein guter Motivator"

20. April 2010, 09:21
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    foto: derstandard.at/mark

    v.l.n.r.: Werner Weihs-Sedivy, Sales Specialist & Consulting (Xerox Austria Global Services), Marietta Türk (Moderatorin; Redakteurin derStandard.at/Karriere), Gerald Emberger
    Leitung Planung, Prozess & Qualitätsmanagement Financial Markets (Volksbanken AG), Michael Rogner, Qualitätsmanager Fliegerwerft Langenlebarn (Öst. Bundesheer)

Berufsbegleitende Weiterbildung in 160 Lehrgängen in Krems: "Man muss sich nicht anstellen und die Unterlagen liegen schon auf dem Tisch"

"Einige Beziehungen sind bei meinen Kollegen in die Brüche gegangen", resümiert Gerald Emberger, "auch ich war danach geschieden". Emberger ist einer von rund 10.000, die bis jetzt einen Lehrgang an der Donau-Universität Krems absolviert haben. Die Einrichtung wurde 1994 gegründet und ist die einzige staatliche Universität in Europa, die sich auf universitäre Weiterbildung spezialisiert hat. Aktuell hat die Uni 160 Masterlehrgänge im Angebot, die jeweils vier Semester dauern und mit rund 14.900 Euro zu Buche schlagen, erklärte Zentrumsleiter Josef Herget bei einer Podiumsdiskussion in Wien, die vom Zentrum für Wissens- und Informationsmanagement veranstaltet wurde.

Zehn Module

Aufgebaut sind die zweijährigen Lehrgänge nach einem modularen System. Mit insgesamt zehn Einheiten, die individuell und je nach Interessen ausgewählt werden können. Ein Modul besteht aus drei Phasen, erläutert Herget: Im Rahmen der "Lesephase" erhalten Studierende vorab Zugang zu Infomaterial und bereiten sich damit auf die "Präsenzphase" vor. Diese erstreckt sich über fünf Tage und findet vor Ort in Krems statt, wo der Stoff in Kleingruppen erarbeitet wird. Ein Modul wird mit einer Arbeit abgeschlossen, die sich inhaltlich um eine "konkrete Aufgabenstellung im Beruf" drehen soll. Am Ende steht noch eine Master Thesis.

Für Absolvent Gerald Emberger war Krems "wie im Schlaraffenland". Im Vergleich zur Hauptuni, wo er Internationale BWL studiert hat: "Man muss sich nicht anstellen und die Unterlagen liegen schon auf dem Tisch." Emberger arbeitet bei der Volksbanken AG, in Krems hat er "Strategisches Informationsmanagement" abgeschlossen. "Der Werkzeugkoffer ist voller geworden", meint er zu den erworbenen Kompetenzen. "Auch wenn nicht alle Module gleich spannend sind."

"Weniger Vorurteile"

Neben den fachlichen Qualifikationen habe er ein "besseres Verständnis" für andere Bereiche bekommen, so der Banker: "Man hat weniger Vorurteile und kann von vielen etwas lernen." Die Studenten kämen aus komplett verschiedenen Richtungen: "Vom Bundesheeroffizier bis zum UNO-Mitarbeiter war alles dabei." Natürlich seien die zwei Jahre sehr arbeitsintensiv gewesen, sagt er, "aber die Zeit ist überschaubar und man blickt gerne zurück".

Gleich zwei Masterlehrgänge in Krems, nämlich Qualitäts- und Prozessmanagement, hat Michael Rogner absolviert. Er ist beim Bundesheer als Qualitätsmanager im Fliegerhorst Langenlebarn beschäftigt. "Es ist sehr anstrengend, da darf man sich keine Illusionen machen", so Rogner, der die zwei Studien begleitend zu seinem 12-Stunden-Job gemacht hat, "aber ich würde es noch einmal machen". Er lobt vor allem die "Flexibilität" der Kremser Uni: "Bei guter Planung bringt man das mit dem Job unter einen Hut."

Distanz zur eigenen Arbeit

Neben dem "fundierten Wissen", das vermittelt werde, waren für Rogner vor allem das Netzwerken und die Distanz zur eigenen Arbeit wichtige Punkte: "Im Laufe der Zeit wird man betriebsblind." Impulse von außen hätten zu einer internen Qualitätssteigerung geführt. Die Kosten für die zwei Lehrgänge habe er zur Gänze selbst getragen: "Der Arbeitgeber hat sich nicht beteiligt", so Rogner, "denn das wäre in meinem Fall der Staat gewesen".

Viele Unternehmen würden sehr wohl einen Teil der Kosten übernehmen, referierte Zentrumsleiter Josef Herget. Laut einer Umfrage unter den Studierenden bekämen nur 28 Prozent überhaupt keine Unterstützung vom Arbeitgeber. Eine Unterstützung, die nicht zwingend auf finanzieller Ebene erfolgen müsse. Flexiblere Arbeitszeiten oder Freistellungen, ohne den Urlaub antasten zu müssen, wären schon ein wichtiges Entgegenkommen, so Herget. Schließlich, ist er überzeugt, profitiere auch die Firma vom zusätzlichen Know-How ihrer Mitarbeiter.

Im Schnitt 40 Jahre

"Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 40 Jahre", erzählt Herget. Die meisten würden ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen: "Deswegen haben wir Lernkonzepte entwickelt, die den Zeitaufwand minimieren." Ein Teil des Systems basiere auf E-Learning, die Studenten hätten Zugriff auf umfangreiche Datenbanken mit Arbeitsmaterialien.

Den Zeitaufwand bewältigt hat auch Werner Weihs-Sedivy von Xerox Austria Global Services: "Zum Teil war es aber sehr stressig", räumt er ein. Weihs-Sedivy hat Wissensmanagement studiert: "Dass das Erlernte gleich wieder anwendbar ist", sieht er als wichtigstes Asset des Lehrgangs. Der Praxisbezug stehe im Vordergrund und werde etwa über "Rollenspiele oder praktische Simulationen" transportiert. Die Transformation in den Beruf und die Integration des Vermittelten in die tägliche Arbeit gingen leicht von der Hand. 

"Heile, neue Lernwelt?"

Ein Abbruch des Lehrgangs stand für ihn nicht zur Debatte: "15.000 Euro sind ein guter Motivator." Ein Fulltime-Job und nebenbei Weiterbildung, die einige tausend Euro verschlingt: "Ist das die heile, neue Lernwelt?", fragt ein Teilnehmer der Veranstaltung. "Wenn Sie es für einen Karrieresprung brauchen können, machen Sie es", rät Weihs-Sedivy. Alles nur eine Frage der Disziplin - und des nötigen "Kleingeldes". "Berufsbegleitende Weiterbildung wird immer zentraler", betont auch Josef Herget. Fachwissen sei gefragt: "Der Markt hat sich sehr ausdifferenziert."

Wer an der Donau-Universität in Krems studieren will, muss entweder über ein abgeschlossenes Studium (mindestens Bachelor) verfügen - oder über einen Job, der für Uni-Absolventen adäquat ist, so die Aufnahmekriterien. (om, derStandard.at, 20.4.2010)

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1 2
mistvieh666
 
13
21.4.2010, 22:42

wirtschaftsuni kostet 30 euro pro jahr.
beliebig viele wahlfaecher, zb sprachen (auf jedem niveau) sind weltklasse.
vorlesungen kann man sich anhoeren so oft man will, kritische vorlesungen finden 5 - 15 mal pro semester statt.
ich komm jetzt grad von einer wirklich guten vorlesung, da waren 25 leute in einem 200platz hoersaal, ich habs mir jetzt deswegen noch mal angehoert, weil ich am montag ein paar sachen nicht verstanden habe.
wu ist leistungsorientiert und leistung heisst:
- zu wissen wie man eine pruefung macht.
- zu lernen wie man erfolgreich ist.
es macht mehr spass sich mit 20jaehrigen zu matchen als mit 40+ jaehrigen.
es gibt sachen, die nicht perfekt sind, aber das, was uni-demonstranten so von sich geben gehoert nicht dazu.

fadelini
01
28.4.2010, 19:40

ABER NICHT BERUFSBEGLEITEND!!!!

Achtung Zensur
02
21.4.2010, 18:53
ein neues Konzept.....

man kann positiv oder negativ über die Donau Universität denken aber grundsätzlich hat die DUK ein Nische gefunden, welche viele Menschen anspricht. Wenn jemand Erfolg mit seinen Geschäftsmodel hat, gibt es natürlich auch Neider. Es ist ebenso wahr, dass nicht alles gut ist was dort produziert wird, genauso wenig ist jemand berechtigt zu sagen, dass sie mit ihren Aus- und Weiterbildungsmodel keinen Platz im europäischen universitären Markt haben.

Grantscherben
00
21.4.2010, 17:45
Euch hol ich locker ein mit dem Werkmeister! *fg*

Achtung Zensur
00
21.4.2010, 18:57
Meister versus Master

ich kenne Personen, welche sich ihren handwerklichen Meister in einen Master übersetzen haben lassen.

Those who believe in telekinetics, raise my hand
10
21.4.2010, 12:31
Mein Kopfschmerz mit der Donau Uni ist:

MBA hat keine erkennbaren Zertifizierungen (Meine Erwartungshaltung wäre AMBA, AACSB und CEL).

Ziemlich abgefahrene Studienrichtungen die wahrscheinlich auf Bitte von Unternehmen/wem auch immer designt wurden, wie zB MBA Entrepreneurship Central Europe.

Ist bei mir ausgeschieden.

RS69
 
00
20.4.2012, 22:42

"MBA hat keine erkennbaren Zertifizierungen "

hängt davon ab, welchen's machen. Natürlich gitb's dort akkreditierte.

maluca
 
01
22.4.2010, 16:39

es gibt eine ganze latte von akkreditierten MBA-lehrgängen: http://tinyurl.com/2ejtxxw

bin sauer
30
21.4.2010, 09:32
Gratis Werbung der Donau Uni

es überrascht mich immer wieder, dass es die Donau Uni immer noch gibt, ein teurer Pröll-Luxus, damit es in NÖ auch eine schwarze Uni gibt. Befreit von Qualitätssandards werden gar nicht innvoative Master zu unglaublichen Preisen angeboten - mittlerweile gibt es Master ja schon an jeder Hausecke. Und an erfahrenen Unis sicher besser als in NÖ. Aber wir ham´s ja...

Erwin Wolfram
02
20.4.2010, 13:26

... und fuer den Standard Poster ist wieder keine Fortbildung vorgesehen?

Reaction Path
11
20.4.2010, 11:41

Nichts für Ungut aber Bundesheer und 12-Stunden-Job klingen in Kombination etwas quer....?

dahofawors
00
20.4.2010, 20:38
beim heer ist alles möglich

auch 12 std im hörsaal sitzen, sozusagen teil der grundausbildung

maboco
00
20.4.2010, 20:37

Warum?

Mann40
00
20.4.2010, 10:57

bitte um eine realistische! Auswertung unter Absolventen, ob sich diese Masterstudien tatsächlich einerseits gehaltsverbessernd, andererseits karrierefördernd ausgewirkt haben...

RS69
 
00
20.4.2012, 22:45

MBA, dann Job neu ausgerichtet, wesentlicher Aspekt ist die Kombination Technik-Wirtschaft, basis war der MBA).

Einkommen sehr nett entwickelt. ;-)

Olivia Moore
01
20.4.2010, 13:50
@Mann40

Bin selber Absolventin und habe in einer Aussendung gesehen, dass gerade eine Absolventenbefragung von ca. 1000 Absolventen fertig gestellt wurde, die belegt, dass man sich's beruflich und auch allgemein verbessert (alles andere wäre ohnehin ein Wunder, aber bittesehr ;-). Wenn Sie das interessiert, ist das bestimmt bei der Marketingabteilung zu kriegen.
Bei mir jedenfalls war's so: Abschluß, 3 Monate später Beförderung. Paßt in etwa ;-)

Mann40
01
20.4.2010, 14:04

@Olivia Moore

Danke für Ihre interessante Antwort, ja, ich glaube das ist exakt das was ich suche.
Gratulation zu Ihrem Karriereschritt :)

Olivia Moore
01
20.4.2010, 14:11
@Mann40

na das freu mich. Spaziergang ist es aber keiner, das ist schon gut anstrengend neben einem Vollzeit-Job. Ist aber zu überleben (ich lebe jedenfalls noch ;-).

Mann40
00
20.4.2010, 14:41

@Olivia Moore

das glaube ich Ihnen aufs Wort :)

es freut mich, dass Sie es gut überstanden haben, noch dazu mit beruflichen Aufstieg im Anschluss daran.

beos
11
20.4.2010, 12:10

Wie soll das gehen? Wird wohl kaum jemand so blöd sein und auch wenns nichts gebracht hat, dass zuzugeben...

Persönlich bin ich der Ansicht,wenn man es sich leisten kann und will, dann warum nicht... Scheinen ja interessante Sachen dabei zu sein und zum Netzwerken sicher auch praktisch.

Nur das mit dem Aufwand glaub ich nicht so recht... Scheint ja alles geblockt und anscheinend Benotung meist über eine "Seminararbeit" bzw. Essays, dazu vermutlich Präsentationen. Sollte das ganze noch auf deutsch sein, wird es wohl kaum ein Problem darstellen einfach die Zeit abzusitzen... Dazu die Gebühren. Die werden es sich 3 mal überlegen eine schlechtere Note als Gut zu vergeben...

Wäre interessant wenn jemand Erfahrungen posten würde...

RS69
 
00
20.4.2012, 22:49

Ergänzend zum Thema Kosten:

Wenn's durch rechnen, was Sie die investierte zeit kostet - dann sind die Kosten des Kurses selbst plötzlich nicht mehr so der bedeutende Brocken.

RS69
 
00
20.4.2012, 22:48

* Einfach Absitzen spielt's nicht - bei uns waren immer wieder Blöcke mit schnell sofort was ausarbeiten, oder auch bis zum nächsten Tag.

* Zzumindest bei uns war definitiv nicht alles auf Deutsch.

* Die Hausarbeiten etc waren intensivste Arbeit.

* Vorteil ist die Zeitplanung, und die Internationalität.

* Die Kosten amortisieren sich.

EddieKox
00
21.4.2010, 11:22
geschenkt ist es nicht

@boes:
Ich mache selber einen Lehrgang in Krems und arbeite derzeit an der Master These. Ich denke, ich kann da mitreden.
In meinem Lehrgang sind schon einige bei Prüfungen und Seminararbeiten durchgefallen oder mit einem 4er rausgegangen. So nach dem Motto: "Ich hab bezahlt, also her mit guten Noten" das spielt es sicher nicht.
Wenn man im Arbeitsleben steht ist es aber eine sehr gute Möglichkeit eine Weiterbildung zu absolvieren, da der Zeitaufwand für die Präsenzveranstaltungen besser planbar ist, als an einer Regeluni. Ich könnte in meinem Job nicht jeden Montag von 10 -13, Dienstag von... auf der Uni sitzen. 1 oder 2 Wochen und das 2-3 mal im Semester ist zwar auch hart, aber leichter zu vereinbaren.
Ich würd es wieder tun!

wenae
00
21.4.2010, 06:16
@beos und z.t. Mann40

Habe selbst ein berufsbegleitendes DUK Master Studium gemacht (2004-2007). Es gab zu dieser Zeit ziemlich grausliche halb- und ganztägige Prüfungen (Basis Curriculum, Abschluss-Prüfung). Und rund um die Blöcke immer wieder die zitierten Arbeiten. Das mit der Benotung ist so eine Sache: wir hatten (Stand 2010) einige drop-outs. Habe davor ein TU Studium gemacht (ET/NT) - ist konzeptionell ein komplett anderer Ansatz.

Olivia Moore
01
21.4.2010, 09:46
kein anstellen

... klar ist es anders als zB auf der Hauptuni, der WU, ...: du musst Dich nicht um einen Seminarplatz anstellen oder Semester verlieren, weil Du ins Seminar nicht reingekommen bist, du sitzt nicht mit 400 anderen in einer Einführungsvorlesung, sondern vielleicht mit 15 Leuten ... halt nur einer der Unterschiede zwischen einem Gratisstudium und einem, das etwas kostet. Eh okay... Ich glaube auch nicht, dass Berufstätige vielleicht aus dem Management es spannend finden, mit 19-jährigen ohne viel Berufserfahrung in einem überfüllten Hörsaal zu studieren ...? Jedem das seine halt, paßt schon.

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