Berufsbegleitende Weiterbildung in 160 Lehrgängen in Krems: "Man muss sich nicht anstellen und die Unterlagen liegen schon auf dem Tisch"
"Einige Beziehungen sind bei meinen Kollegen in die Brüche gegangen", resümiert Gerald Emberger, "auch ich war danach geschieden". Emberger ist einer von rund 10.000, die bis jetzt einen Lehrgang an der Donau-Universität Krems absolviert haben. Die Einrichtung wurde 1994 gegründet und ist die einzige staatliche Universität in Europa, die sich auf universitäre Weiterbildung spezialisiert hat. Aktuell hat die Uni 160 Masterlehrgänge im Angebot, die jeweils vier Semester dauern und mit rund 14.900 Euro zu Buche schlagen, erklärte Zentrumsleiter Josef Herget bei einer Podiumsdiskussion in Wien, die vom Zentrum für Wissens- und Informationsmanagement veranstaltet wurde.
Zehn Module
Aufgebaut sind die zweijährigen Lehrgänge nach einem modularen System. Mit insgesamt zehn Einheiten, die individuell und je nach Interessen ausgewählt werden können. Ein Modul besteht aus drei Phasen, erläutert Herget: Im Rahmen der "Lesephase" erhalten Studierende vorab Zugang zu Infomaterial und bereiten sich damit auf die "Präsenzphase" vor. Diese erstreckt sich über fünf Tage und findet vor Ort in Krems statt, wo der Stoff in Kleingruppen erarbeitet wird. Ein Modul wird mit einer Arbeit abgeschlossen, die sich inhaltlich um eine "konkrete Aufgabenstellung im Beruf" drehen soll. Am Ende steht noch eine Master Thesis.
Für Absolvent Gerald Emberger war Krems "wie im Schlaraffenland". Im Vergleich zur Hauptuni, wo er Internationale BWL studiert hat: "Man muss sich nicht anstellen und die Unterlagen liegen schon auf dem Tisch." Emberger arbeitet bei der Volksbanken AG, in Krems hat er "Strategisches Informationsmanagement" abgeschlossen. "Der Werkzeugkoffer ist voller geworden", meint er zu den erworbenen Kompetenzen. "Auch wenn nicht alle Module gleich spannend sind."
"Weniger Vorurteile"
Neben den fachlichen Qualifikationen habe er ein "besseres Verständnis" für andere Bereiche bekommen, so der Banker: "Man hat weniger Vorurteile und kann von vielen etwas lernen." Die Studenten kämen aus komplett verschiedenen Richtungen: "Vom Bundesheeroffizier bis zum UNO-Mitarbeiter war alles dabei." Natürlich seien die zwei Jahre sehr arbeitsintensiv gewesen, sagt er, "aber die Zeit ist überschaubar und man blickt gerne zurück".
Gleich zwei Masterlehrgänge in Krems, nämlich Qualitäts- und Prozessmanagement, hat Michael Rogner absolviert. Er ist beim Bundesheer als Qualitätsmanager im Fliegerhorst Langenlebarn beschäftigt. "Es ist sehr anstrengend, da darf man sich keine Illusionen machen", so Rogner, der die zwei Studien begleitend zu seinem 12-Stunden-Job gemacht hat, "aber ich würde es noch einmal machen". Er lobt vor allem die "Flexibilität" der Kremser Uni: "Bei guter Planung bringt man das mit dem Job unter einen Hut."
Distanz zur eigenen Arbeit
Neben dem "fundierten Wissen", das vermittelt werde, waren für Rogner vor allem das Netzwerken und die Distanz zur eigenen Arbeit wichtige Punkte: "Im Laufe der Zeit wird man betriebsblind." Impulse von außen hätten zu einer internen Qualitätssteigerung geführt. Die Kosten für die zwei Lehrgänge habe er zur Gänze selbst getragen: "Der Arbeitgeber hat sich nicht beteiligt", so Rogner, "denn das wäre in meinem Fall der Staat gewesen".
Viele Unternehmen würden sehr wohl einen Teil der Kosten übernehmen, referierte Zentrumsleiter Josef Herget. Laut einer Umfrage unter den Studierenden bekämen nur 28 Prozent überhaupt keine Unterstützung vom Arbeitgeber. Eine Unterstützung, die nicht zwingend auf finanzieller Ebene erfolgen müsse. Flexiblere Arbeitszeiten oder Freistellungen, ohne den Urlaub antasten zu müssen, wären schon ein wichtiges Entgegenkommen, so Herget. Schließlich, ist er überzeugt, profitiere auch die Firma vom zusätzlichen Know-How ihrer Mitarbeiter.
Im Schnitt 40 Jahre
"Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 40 Jahre", erzählt Herget. Die meisten würden ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen: "Deswegen haben wir Lernkonzepte entwickelt, die den Zeitaufwand minimieren." Ein Teil des Systems basiere auf E-Learning, die Studenten hätten Zugriff auf umfangreiche Datenbanken mit Arbeitsmaterialien.
Den Zeitaufwand bewältigt hat auch Werner Weihs-Sedivy von Xerox Austria Global Services: "Zum Teil war es aber sehr stressig", räumt er ein. Weihs-Sedivy hat Wissensmanagement studiert: "Dass das Erlernte gleich wieder anwendbar ist", sieht er als wichtigstes Asset des Lehrgangs. Der Praxisbezug stehe im Vordergrund und werde etwa über "Rollenspiele oder praktische Simulationen" transportiert. Die Transformation in den Beruf und die Integration des Vermittelten in die tägliche Arbeit gingen leicht von der Hand.
"Heile, neue Lernwelt?"
Ein Abbruch des Lehrgangs stand für ihn nicht zur Debatte: "15.000 Euro sind ein guter Motivator." Ein Fulltime-Job und nebenbei Weiterbildung, die einige tausend Euro verschlingt: "Ist das die heile, neue Lernwelt?", fragt ein Teilnehmer der Veranstaltung. "Wenn Sie es für einen Karrieresprung brauchen können, machen Sie es", rät Weihs-Sedivy. Alles nur eine Frage der Disziplin - und des nötigen "Kleingeldes". "Berufsbegleitende Weiterbildung wird immer zentraler", betont auch Josef Herget. Fachwissen sei gefragt: "Der Markt hat sich sehr ausdifferenziert."
Wer an der Donau-Universität in Krems studieren will, muss entweder über ein abgeschlossenes Studium (mindestens Bachelor) verfügen - oder über einen Job, der für Uni-Absolventen adäquat ist, so die Aufnahmekriterien. (om, derStandard.at, 20.4.2010)