Drei Explosionen während Feierlichkeiten anläßlich des buddhistische Neujahrsfests - 50 Menschen verletzt
Rangun - Am Rande der Feiern zum buddhistischen
Neujahrsfest ist es am Donnerstag in der burmesischen Metropole Rangun zu drei
Explosionen gekommen, die mindestens neun Menschen das Leben gekostet haben; 75
weitere wurden verletzt. Die Zahl der Opfer werde voraussichtlich noch steigen,
verlautete aus Krankenhauskreisen.
Das Militärregime hat "Terroristen"
für die Sprengstoffanschläge in Rangun vom Donnerstag verantwortlich
gemacht und dabei vermieden, den Verdacht auf eine bestimmte
Rebellengruppe zu lenken. Im staatlichen Fernsehen war lediglich von
"Terroristen" die Rede, es wurde aber keine spezielle ethnische
Gruppe oder Organisation genannt. Die unterdrückte Demokratiebewegung
unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi tritt grundsätzlich
für einen gewaltfreien Kampf ein.
Zuletzt hatten im Dezember Sprengstoffanschläge stattgefunden,
die das herrschende Militärregime separatistischen Kräften des Karen-Volkes
angelastet hatte.
Nach Augenzeugenberichten ereigneten sich die Explosionen am Nachmittag in
der Nähe von 20 Pavillons am Kandawgyi-See, die zum viertägigen Wasserfest in
einem Vergnügungspark errichtet worden waren. Mit dem Fest wird in Burma
traditionell das neue Jahr eingeläutet. Die Polizei habe das Gelände
abgeriegelt, Spürhunde seien im Einsatz. Ausländer befanden sich nach ersten
Krankenhausangaben nicht unter den Opfern. Im Mai 2005 waren bei drei
Bombenanschlägen in Supermärkten elf Menschen ums Leben gekommen.
Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hat seinen für Ende April
geplant gewesenen Burma-Besuch absagen lassen. Dies wurde am Donnerstag vom
Außenministerium in Peking mit dem schweren Erdbeben in der Provinz Qinghai
begründet. China, das intensive Wirtschaftsbeziehungen zu dem rohstoffreichen
südlichen Nachbarn unterhält, gilt als enger Verbündeter der Militärjunta, der
schwerste Menschenrechtsverstöße zur Last gelegt werden, insbesondere
Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung von Angehörigen ethnischer Minderheiten
und Missbrauch von Kindersoldaten. Unter Berufung auf das Prinzip der
Nichteinmischung in innere Angelegenheiten hatte die Vetomacht China in der
Vergangenheit jegliche Verurteilung der burmesischen Militärdiktatur im
UNO-Sicherheitsrat verhindert.
In Burma soll in diesem Jahr noch gewählt werden. Das von der Junta erlassene
Wahlgesetz hat faktisch den Ausschluss der Demokratiebewegung unter
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi erzwungen. Deren Nationale Liga für
Demokratie NLD hatte 1990 die Wahlen zu einer Verfassungsgebenden
Nationalversammlung mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die
Machtübergabe verweigert.
Die NLD hat beschlossen, sich nicht an den Wahlen, den ersten seit 20 Jahren,
im Herbst zu beteiligen. Nach den Bestimmungen des Wahlgesetzes hätte die Partei
ihre unter Hausarrest stehende Vorsitzende Suu Kyi ausschließen müssen, um sich
registrieren lassen zu können. Keine Person mit einer Vorstrafe darf einer
politischen Partei angehören. Die Parteienregistrierung muss innerhalb von
sechzig Tagen nach der am 8. März erfolgten Kundmachung des Wahlgesetzes
durchgeführt werden. Eine Nichtregistrierung hat automatisch die Auflösung der
Partei zur Folge.
Das Militärregime unterdrückt systematisch die nicht-burmesischen Völker
innerhalb der Landesgrenzen, von denen die Karen, Shan, Kachin, Chin und Mon die
größten sind. Es gibt auch eine starke chinesische Minorität. Bis zu 100.000
Chin sind nach Indien geflohen, 450.000 - hauptsächlich Karen, Mon, Kayah und
Shan - nach Thailand. Zehntausende Muslime (Rohingya) flüchteten in den
1990er-Jahren nach Bangladesch. (APA/apn/Reuters)