Herzinfarkt ist keine Männersache

15. April 2010 13:31

Die Mehrheit aller tödlichen Herzinfarkte in Deutschland trifft Frauen - Klassische Infarktbeschwerden treten bei vielen Frauen nicht auf

Regensburg (obx-medizindirekt) - Es ist Zeit, Alarm zu schlagen. Obwohl der Herzinfarkt immer als typische Erkrankung der Männer, insbesondere der forschen Managertypen galt, sind inzwischen mehr als 130.000 Frauen jährlich vom Herzinfarkt betroffen. Und was noch schlimmer ist: Laut einer Aussendung des deutschen Reportagedienstes obx-medizindirekt überleben mehr als die Hälfte von ihnen (56 %) den ersten Infarkt nicht. Damit ist die Überlebenschance von Frauen deutlich geringer als die von Männern.

Der wichtigste Grund hierfür ist: Frauen erfahren zu wenig über Risikofaktoren und Symptome, über Herzschutz im Alltag und herzgerechte Ernährung. Das soll sich jetzt ändern. Denn die Veränderung des Lebensstils kann mehr Leben retten als alle Herz- und Kreislaufmedikamente zusammen.

Frauen brauchen andere Informationen als Männer

Den Herren der Schöpfung wird seit 30 Jahren erfolgreich ins Gewissen geredet, ihre Risikofaktoren für Herzinfarkt zu verringern. Mit gutem Ergebnis: Seit 1985 ist die Zahl der Infarkte bei Männern um 25 % zurückgegangen. Bei Frauen ist sie dagegen fast gleich geblieben. Aber die Zunahme der Herzinfarkt- und Sterberate bei Frauen ist nicht nur auf die fehlende Information dieser Zielgruppe zurückzuführen. Es gibt auch verschiedene Risikofaktoren, die bei Frauen erheblich schwerer wiegen als bei Männern.

- Frauen, die rauchen und gleichzeitig die Anti-Baby-Pille nehmen, haben ein 20 Mal höheres Infarktrisiko als Nichtraucherinnen.

- Berufstätige Frauen sind durch ihre Doppelrolle in Beruf und Familie einer viel höheren Stressbelastung als Männer ausgesetzt.

- Bei Frauen erhöht sich das Risiko bei erhöhten Triglyzeriden etwa doppelt so stark wie bei Männern. Auch niedrige Werte des „guten Cholesterins HDL" wirken sich bei ihnen negativer aus.

- Diabetikerinnen sind sechsmal stärker als gesunde Frauen durch Herzinfarkt bedroht - und damit doppelt so sehr wie Männer.

- Frauen werden nach erlittenem Herzinfarkt durchschnittlich 30 Minuten später in ein Krankenhaus gebracht als Männer. Daher sterben auch mehr Frauen als Männer mit Herzinfarkt vor dem Erreichen des Krankenhauses.

- Inzwischen bezeichnen Ärzte das Zusammentreffen der Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung bei Frauen als „tödliches Quartett".

Allerdings lassen sich die meisten der gravierenden Risikofaktoren bei Frauen durch Umstellung der Lebensweise entscheidend beeinflussen. „95 Prozent aller Herzinfarkte, die Frauen in Westeuropa betreffen, wären durch einen herzgesunden Lebensstil vermeidbar", erklärt der Herzspezialist Prof. Alois Sellmayer von der Universitätsklinik München. Eine fettärmere, an Gemüse, Salat, Obst und Vollkornprodukten reichere Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung, Abbau von Übergewicht und der Abschied vom Zigarettenrauchen sind die Hauptpunkte bei dieser Präventionsmaßnahme.

Frauen leiden anders

Wenn Frauen mit Herzinfarkt durchschnittlich erst nach 150 Minuten und damit 30 Minuten später als die Männer in die Klinik kommen, liegt das auch daran, dass der Infarkt bei Frauen andere Beschwerden als bei Männern verursacht. „Bei nahezu jeder zweiten Frau treten die klassischen Infarktbeschwerden wie Engegefühl in der Brust und ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm überhaupt nicht auf", erklärt die Kardiologin Verena Stangl von der Charité in Berlin. Zusätzlich zu den allgemeinen Symptomen wie Angstzustände und Schmerzen, die in die Zähne oder die Kiefer ausstrahlen, gibt es Anzeichen, die überwiegend nur bei Frauen auftreten: Als typisch weiblichen Komplex von Symptomen nennt Stangl Kurzatmigkeit (in 42 % der Fälle), ungewöhnliche Müdigkeit (70 %), Schlafstörungen (48 %), Übelkeit und Erbrechen (40 %) sowie Schmerzen in Nacken und Hals (16 %). Wenn Frauen über diese Anzeichen besser Bescheid wüssten, vermuteten sie im Notfall auch eher einen Herzinfarkt und rufen den Rettungsarzt. Denn jede Minute kann dann über Leben und Tod entscheiden. Leider erkennen auch viele Ärzte diese Symptome nicht als Anzeichen eines Infarkts - Fortbildung ist daher dringend notwendig. (red)

anders and
 
15.04.2010 21:32
das ist dumpfe ideologische Manipulation,

da nicht gesagt wird, dass die weiblichen Betroffenen im Durchschnitt deutlich älter sind - kein Wunder, dass die Sterblichkeit da höher ist.

Wissenschaftlich wäre es nur Männer und Frauen derselben Altersgruppen miteinander zu vergleichen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16... t=Abstract

Gebhard Neufelder
15.04.2010 20:09
http://www.youtube.com/watch?v=Z57uBCcOdvI


Damit sollte man/frau sich mal auseinandersetzen, finde ich.

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