Streit um Beisetzung Kaczynskis in der Königsgruft

14. April 2010, 18:05

Krakauer demonstrieren gegen Staatsbegräbnis auf dem Wawel

Trotz Staatstrauer formiert sich in Polen Widerstand gegen die Beisetzung des verunglücktenPräsidenten Lech Kaczynski in der Krakauer Königsgruft, auch wegen der ungeklärten Absturzursache.

***

"Nicht auf dem Wawel! Krakau sagt Nein!" skandieren knapp 500 Demonstranten vor dem Bischofssitz im südpolnischen Krakau. Sie wollen eine Beisetzung des am Samstag bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Präsidenten Polens in der Königsgruft auf dem Wawel verhindern. In der Wawel-Kathedrale wurden über Jahrhunderte Polens Könige gekrönt und beigesetzt.

"Auf Wunsch der Familie" , erklärte am Dienstagnachmittag Krakaus Kardinal Stanislaw Dziwisz, "wird das Präsidentenpaar Lech und Maria Kaczynski in der Gruft neben Marschall Jozef Pilsudski beigesetzt. Stunden später hatten sich die Demonstranten bereits organisiert. Das allgemeine Unbehagen ist groß. Denn Kaczynski war ein umstrittener Präsident. Er gewann die Wahl 2005 durch eine Wahllüge seiner Partei, der nationalkonservativen "Recht und Gerechtigkeit" (PiS). Angeblich habe sich der Großvater des damaligen Favoriten Donald Tusk im Zweiten Weltkrieg freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und gegen die Polen gekämpft. Kaczyñski spielte später noch mehrmals die antideutsche Karte, entschuldigte sich nie bei Tusk und plante nun eine antirussische Kampagne. Die Gedenkreise nach Katyn, wo der sowjetische Geheimdienst 1940 tausende polnische Offiziere ermordet hatte, sollte den Auftakt zum Präsidentschaftswahlkampf 2010 bilden.

Dass Kaczynski "wie ein nationaler Held" gestorben sei, wie Kardinal Dziwisz erklärte, weil er auf dem Weg nach Katyn gewesen sei und dort eine Gedenkrede halten wollte, kommt für viele Polen reinem Zynismus nahe. Denn die offizielle Gedenkfeier hatte bereits Tage zuvor am selben Ort stattgefunden. Die Premierminister Russlands und Polens Wladimir Putin und Donald Tusk hatten einander in einer Versöhnungsgeste die Hand gereicht.

Zum Begräbnis am Sonntag in Krakau werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet, unter ihnen US-Präsident Barack und auch Bundespräsident Heinz Fischer. Polens Regierung befürchtet, dass es während der Feier zu Protesten und Demonstrationen kommen könnte.

Denn bisher wurde kein einziger Präsident Polens auf dem Wawel in Krakau beerdigt. Zudem ist die Unfallursache in Smolensk noch nicht geklärt. Sollte sich herausstellen, dass Kaczynski den Befehl zur Landung trotz des starken Nebels gegeben oder auf die Piloten Druck ausgeübt hat, müsste er nach der mit großem Pomp inszenierten Beisetzung wieder aus dem Wawel entfernt werden.


(Gabriele Lesser aus Warschau/DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2010)

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
1 2 3 4 5
Raptor Jesus
00
18.4.2010, 02:22
Natürlich hat jeder Staats- und Regierungschef das Recht in einer Gruft der leitenden Polen begraben zu werden

Kaczynski war inkompetent. Aber ihm deswegen seine Ruhestätte zu verwehren, da kann man gleich die halbe Gruft räumen.

Mag Filip
01
18.4.2010, 20:33
Ahja, klar...

ich überlege gerade, wie die Österreicher reagieren würden, tät ma z.B. den Klestil in die Kapuziner-Gruft legen...

;-)

Raptor Jesus
00
20.4.2010, 10:47
Ich hätt kein Problem mit.

Was scheren mich Leichen?

Wenn ein Klestil tot ist, ergeht es ihm genauso schlecht, wie einem Franz-Josef!

Wladimir Burdajewicz
 
01
16.4.2010, 19:58
Lieber Redaktion ich bestehe auf .......

Veröffentlichung meines Postings, wo ich auf USER mchammer von 15.04.2010 13:04 mit der Antwort reagierte. Im Text der USER sind Unwahrheiten verbreitet die schon am Anfang jeden Historiker empören können. Josef Pilsudski war nie ein Präsident der Republik Polen. Mein Text wurde Vorbehalten und unverschämte lügen werden veröffentlicht. Wenn die Redaktion nicht im Stande ist selber auf Echtheit der Inhalte zu prüfen, dann muss eine Korrektur des Fehlers durch Historiker ermöglichte werden.

mfg Burdajewicz

lohengrün
15
15.4.2010, 15:09
typisch Katholik

willi odrnet
10
15.4.2010, 14:26
was soll das kindische gezänk,

die würmer sind doch überall die gleichen?

sapperlott nochmal
00
15.4.2010, 14:04
wie lieb ...

"US-Präsident Barack und auch Bundespräsident Heinz Fischer."

Martin Purtscher
56
15.4.2010, 13:55

In einem Land, das einen besoffen Auto fahrenden Jörg Haider mit einem popösen Staatsbegräbnis sondergleichen beisetzt, sollten wir mit kritischen Bemerkungen a la "Polen halt" etwas zurckhaltend sein.

Warentester
05
15.4.2010, 14:05

Der Jörgl hat wenigstens keinen mitgenommen. Außerdem das war ein ein Kärntner Landesbegräbnis, kein Staatsbegräbnis...

ama2deus
00
18.4.2010, 11:02

dass er keinen "mitgenommen" hat ist allerdings auch eher dem zufall zu verdanken, da es ja eine zeugin gab, die, nachdem sie vom vw phaeton überholt wurde, den crash beobachtet hat.

Spartacus der Sklavenbefreier
 
00
16.4.2010, 20:11
Jörg Haider

war auch Landeshauptmann und nicht Bundespräsident.

Wladimir Burdajewicz
 
30
15.4.2010, 16:34
Haiders Beerdigung gleicht Staatsbegräbnis.

Artikel vom 20 Oktober 2008 Hamburger Abendblatt..... Dort zollte der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer dem streitbaren, aber in Kärnten beliebten Politiker Respekt. Anschließend wurde im Dom die Totenmesse zelebriert. Der Leichnam Haiders wurde eingeäschert und soll auf seinem Anwesen in Bärental beigesetzt werden. Rund 25 000 Menschen säumten nach Polizeiangaben die Straßen, als der Sarg auf einem Fahrzeug der österreichischen Armee durch Klagenfurt geleitet wurde.

eva lindt
 
13
16.4.2010, 04:00
hamburger abendblatt

lächerlich daraus zu zitieren.
und: haider wurde sozusagen auf privatgrund beigesetzt, seine angehörigen hatten nicht die geschmacklosigkeit ihn etwa im klagenfurter dom beisetzen zu wollen....

Wladimir Burdajewicz
 
10
16.4.2010, 14:02
Für Sie ist das lächerlich......

für Hamburger Abendblatt nicht. Und Ich wollte nur auf das "staatliche" hinweisen. Wie die Polen ihre Staatsbürger beerdigen wollen, müssen sie den Polen überlassen. Wunsch der Familie Haider an seinem Privat Anwesen zu begraben war genauso wie Wunsch der Familie Kaczynski eine Private Entscheidung und ist von allen zu respektieren und keine tamtam zu machen.

eva lindt
 
00
22.4.2010, 06:54
wenn man wirklich wissen wollte,

wie "die polen" ihren praesidenten beerdigen wollen, muesste man eine volksabstimmung machen.
nicht jede staatliche zeitung ist gleich ein qualitaetsblatt.
wenn ich es recht verstehe, geht es darum, dass die kaczynskis polen anscheinend als privatbesitz betrachten und deshalb auch ungeruehrt einen historischen ort vereinnahmen.
so, als wuerde sich der aktuelle praesident oesterreichs wuenschen, im ablebensfall in der kapuzinergruft begraben zu werden. absurd.

ama2deus
01
18.4.2010, 11:08

private entscheidung ja, aber es macht, so übertrieben ich die feierlichkeiten für einen besoffenen unfalllenker, der zeit seines lebens eine inakzeptable politik verfolgt hat, einen großen unterschied ob sich die familie für ein protziges privatmausoleum auf privatem grund entscheide, oder ob sie sich für ein protziges denkmal in einem dom entscheidet. noch dazu in einem dom, in dem die gekrönten herrscher eines landes beigesetzt wurden.
man stelle sich vor die familie klestils, der außenpolitisch sehr geachtet wurde, hätte sich für eine beisetzung in der kapuzinergruft entschieden!

Stahl_____666
20
15.4.2010, 13:48
.

Vorschlag: Bauts das Tannenberg-Denkmal wieder auf und begrabt ihn ebendort. Zufällig genau vor 600 Jahren hat dort Wladislaw II. einen fulminanten Sieg über den Deutschen Orden errungen. Das wär doch ruhmreich genug - oder?

Jan Sobieski3
00
15.4.2010, 16:42
Es war nicht Wladislaw II

sondern Jogilia Großherzog von Litauen!

Friedrich Ackermann
00
15.4.2010, 13:30
Aktuelle Meldung orf.at (wer's glaubt)

"Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine deuten die Ermittlungen russischen Medienberichten zufolge weiter auf einen Pilotenfehler hin. "Eine Analyse der Beweismittel, darunter erste Ergebnisse der Auswertung der Flugschreiber, zeigen, dass ein Pilotenfehler zu dem Unglück führte", meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Die Piloten seien möglicherweise nicht mit den Besonderheiten der Steuerung des Flugzeugtyps Tupolew-154 vertraut gewesen. So verliere die Maschine russischer Bauart nach einem starken Sinkflug auch bei waagerechter Flugbahn zunächst weiter an Höhe. ..."

Ruebezahl2
00
15.4.2010, 15:27
So verliere die Maschine russischer Bauart nach einem starken Sinkflug auch bei waagerechter Flugbahn zunächst weiter an Höhe.

Stimmt, laut Handbuch der Tu-154 unter unguenstigen Umstaenden (hoehere Sinkrate, Querlage) an die 60 Meter. Das ist bei der Boeing 727 von aehnlicher Auslegung auch der Fall.
Das zusammen mit einem Captain mit 200 Flugstunden "in type" dem starken Nebel und all den anderen Umstaenden kann schon der Grund gewesen sein. Dass eine polnische Regierungsmaschine (Yak 40) 1,7 Stunden vorher landen konnte (bei besserer Sicht und viel geringerer Landegeschwindigkeit) hat den Druck auf die Piloten weiter erhoeht, dazu brauchte es keine "Anfrage aus der Kabine" mehr, weil man im Cockpit wusste, wie wichtig dem "Boss" die Landung war.

rambler.ru
00
15.4.2010, 14:49
das war ganz sicher so

["nicht mit den Besonderheiten der Steuerung des Flugzeugtyps Tupolew-154 vertraut gewesen"]

denn die piloten sind sicher das allererste mal hinter dem steuerknüppel einer tu-154 gesessen...

Wladimir Burdajewicz
 
30
15.4.2010, 14:21
Ich habe von anfang an....

an eine Version Pilotenfehler auch geglaubt. Zwar die direkte Ursache war nicht ganz klar, aber nach dem das andere Flugzeug mit den Journalisten am Bord eine Stunde vorher gelandet war konnten nur zwei Faktoren entscheidend sein. Plötzliche starke Verschlechterung des Wetters oder eben Piloten Fehler. Es muss aber noch die dritte schwarze Box in Polen durch die Experten beider Länder eröffnet werden und alle Parameter zeitlich abgestimmt werden.

tramezzino
00
15.4.2010, 13:37

ich glaubs.

Friedrich Ackermann
00
15.4.2010, 15:29
nur was ich nicht verstehe ist,

warum lassen die jemanden, der mit diesem flugzeug nicht vertraut ist, einen präsidenten (inkl. sonstiger wichtiger personen) pilotieren. es gäbe doch sicher genügend andere piloten, die dieses flugzeug beherrschen.

oder?

Pinco Pallino
01
15.4.2010, 13:20

Hier sieht man wieder - man sollte "sehr umstrittenen" Politikern nicht mal im Gedanke den plötzlichen Tod wünschen. Das ist der beste Weg zum Heldentum.

Also: Lang lebe berlusconi!

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