OECD-Bericht: Kein Staat kürzt Entwicklungshilfe so stark wie Österreich

14. April 2010, 17:55

Die Ausgaben der Regierung für Entwicklungshilfe stürzen weiter ab, Österreich verzeichnet den stärksten Rückgang unter allen Industrienationen. 2010 wird das Außenministerium die Ausgaben dennoch weiter kürzen

Wien - Es ist ein vollkommenes Déjà-vu: Zum zweiten Mal in Folge rangiert Österreich bei den Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit im Schlussfeld der westlichen Industrienationen. Nach den am Mittwoch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorgestellten Zahlen brachen die Leistungen Österreichs für die internationale Armutsbekämpfung im vergangenen Jahr um 31,2 Prozent oder rund 600 Millionen Dollar ein. Kein anderer Staat verzeichnete einen solchen Absturz.

Der weltweite Trend geht allerdings wie bereits im Vorjahr in eine andere Richtung: Trotz Wirtschaftskrise haben die westlichen Industrienationen ihre Hilfsausgaben leicht (0,7 Prozent) erhöht. In einigen Ländern wie den USA, die weiter die größten Geber bleiben, fallen die Zuwächse sogar kräftig aus (siehe Grafik).

Dementsprechend scharf fällt die Kritik der OECD an Wien aus. "Ich sehe das so wie die Nichtzahlung eines Solidarbeitrages in der westlichen Gemeinschaft" , sagte Eckhard Deutscher, Vorsitzender des OECD-Entwicklungshilfeausschusses dem Standard. Die Krise könne keine Ausrede sein: "Sogar Spanien mit einer 20-prozentigen Arbeitslosigkeit hat nur einen leichten Rückgang von minus 1,2 Prozent bei seiner Entwicklungshilfe. Aber die wollen ihre europäischen Verpflichtungen einhalten" , sagt Deutscher.

Wie die anderen EU-Länder hat sich auch Österreich verpflichtet, ab 2010 0,51 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe auszugeben. Während Spanien an diese Marke herankommt, schafft Österreich nur 0,30 Prozent. Zurückzuführen ist der massive Rückgang bei den Ausgaben auf den Wegfall von Entschuldungen. 2008 wurde noch die letzte Phase der Entschuldung des Irak abgeschlossen, Bagdad wurden 642 Millionen Dollar erlassen. 2009 gab es keine nennenswerten Entschuldungen mehr, neues Geld wurde nicht ausgegeben. Hinzu kommt, dass heuer weitere Kürzungen anstehen. Treffen wird es diesmal das Außenministerium. Das Ministerium unter Michael Spindelegger ist nur für rund zehn Prozent der österreichischen Entwicklungshilfe von zuletzt rund 1,1 Mrd. Dollar verantwortlich.

"Erwarten Kürzungen"

Dabei handelt es sich um Projekt und Programmhilfe, also den Kernteil der Entwicklungszusammenarbeit. Für das Ministerium wickelt eine eigene GmbH, die Austrian Development Agency, alle Projekte ab. Die ADA könnte dem Vernehmen nach von den geplanten Streichungen überproportional getroffen werden. Das Außenamt muss ab 2011 sparen, bis 2013 steigt der Konsolidierungsbedarf sogar auf rund 30 Millionen im Jahr.

Die Furcht geht um, weil viele Ministeriumsausgaben, etwa für Botschaften, als unverrückbare Fixkosten gelten. Die Entwicklungshilfe dagegen ist eine "Ermessensausgabe" .

"Wir erwarten Kürzungen, wissen aber noch nicht wie hoch" , sagt ADA-Chefin Brigitte Öppinger-Walchshofer. Eine Arbeitsgruppe will Spindelegger im Juni die ersten Sparvorschläge unterbreiten. Dabei kann es keine Tabus geben, heißt es im Außenministerium.   (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2010)

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Franziska Eibl
00
20.4.2010, 14:13
Korrektur

Entschuldigung: Es heisst natürlich "Tabus" nicht "Tubus".

Franziska Eibl
00
20.4.2010, 14:09

OECD-Bericht "Kein Staat kürzt Entwicklungshilfe so stark wie Österreich"!: Hier MÜSSEN politische Konsequenzen folgen!!! Eine dermaßen menschenverachtende Politik und flapsige Aussagen wie: Bei den Kürzungen "... kann es keine Tubus geben" (BMeiA) müssen endlich sanktioniert werden. Hier handelt es sich um eine inter...nationale Schmach und Schande, die alle kümmerlichen und gekünstelten Bemühungen österreichischer Landesvertreter um die internationale Reputation Österreichs, grotesk und lachhaft erscheinen lässt!

jos
00
19.4.2010, 14:19

Die Direktoren Entwicklungshilfeindustrien müssen sich eben um andere Geschäftszweige umschauen. Beim Klimawandel, dem Waldsterben und der Schweinegrippe wären noch ein paar Sparten zu besetzen.

Genowo
00
15.4.2010, 13:41

Die Entwicklungspolitik Österreichs ist eine internationale Schande!

A. E. Neumann
11
15.4.2010, 13:18
Weg mit der Entwicklungshilfe

Ich sehe nicht ein, weshalb Österreich Geld an ehemalige Kolonien diverser europäischer Länder zahlen soll, die diese Misere vor Ort erst verursacht haben und oft auch heute noch davon profitieren.

Anstatt große Summen in Infrastrukturprojekte zu stecken, wo am Ende keiner weiß mit welchem Geld diese Infrastruktur betrieben werden soll, wäre es wohl deutlich schlauer, weit weniger Geld nicht den oberen 10.000 zum verprassen im Westen, sondern den Normalbürgern als Microcredit zur Verfügung zu stellen.

Aber da ja die Agenda bei "Entwicklungshilfe" fast nie der Mensch vor Ort, sondern nur die Wahrung wirtschaftlicher Interessen ist, kann man das getrost abschaffen.

Franz Klug
02
15.4.2010, 12:49
Der Entwicklungshilfediskurs ist ein verlogener Diskurs und die Medien machen mit!

Warum braucht eines der ölreichsten Länder der Welt Entwicklungshilfegelder?
Irak. Vor ca. einem Jahr gab es, ich glaube auch im Standard, die Meldung, dass der Irak ca. 1 Millarde Dollar Ölgeld in der USA am Konto hat und nicht weiß wie er die ausgeben soll! Daher war es völlig unnötig dem Irak einen Schuldenerlass zu geben. Stundung ohne Zinsen hätte völlig genügt. Hier wurde mit unseren Geldern der unnötige Krieg der USA and friends unterstützt! Absurd!

Generell zeigt die Forschung, dass mehr Entwicklungshilfegelder überhaupt nicht zur Verbesserung der Situation in den armen Ländern führte. Daher weniger Geld: dafür mehr kritische Diskussion mit den herrschenden Eliten, die für die Armut in ihren Ländern auch verantwortlich sind!

aberpram
23
15.4.2010, 12:42
Gefällt mir!

Sparen bei den Ärmsten, die sich nicht wehren können.

Das hat Stil. Und Methode.

der Xote
00
15.4.2010, 21:44

Wir tragen den Entwicklungsländern eh schon unsere Arbeit hin, da ist es völlig unnötig auch noch Steuergeld dort auszugeben.

la shishi
11
15.4.2010, 12:38

Die Kurzsichtigkeit der österr. Politik ist einfach unverständlich, aber ehrlich gesagt überrascht es kaum noch!
Trotzdem, die Graphik ist etwas eigentümlich nach der Höhe des Wachstums (2008-2009) gerankt, fände ein Ranking nach den Anteileilen der Entwicklungshilfeausgaben am BIP eigentlich aussagekräftiger. Da ist Österreich auch noch immer sehr weit hinten, aber das Schlusslicht bildet relativ gesehen das "größte Geberland", die USA.

hardy ess
 
11
15.4.2010, 12:37
mich würde interessieren ...

... wieviel ADA-Chefin Brigitte Öppinger-Walchshofer verdient ...

grüße

Bitte nicht hinterm Gartenhaus.
01
15.4.2010, 12:21

Auch wenn ich jetzt vielleicht wieder als neoliberal beschimpft werde: Entwicklungshilfe funktioniert nicht, ganz im Gegenteil. Umso länger die 3. Welt am Almosentropf hängt, desto schlimmer wird die Lage. Der beste Beweis: Die Abermilliarden, die in den letzten Jahrzehnten in diese Länder gepumpt wurden. Spurlos verschwunden, weg, keine Wirkung.

Das Einzige, was hilft, ist es, eigene Ideen zu fördern statt milder Gaben. Aus dem Dreck kann man sich nur selbst befreien. Ich würde lieber sehen, wenn der Westen dabei hilft, korrupte Regime und irre Despoten 'loszuwerden' als endlos Geld in diese Leute zu stecken.

ivoryhunters
32
15.4.2010, 12:17
so ist es halt

man kann nicht einem ministerium den löwenanteil an den kosten zuschanzen und dann sein budget einfach massiv kürzen. da verspricht einer was, was ein anderer nicht erfüllen kann.

soviel dazu.

zur generellen sinnhaftigkeit von entwicklungshilfe einmal abgesehen. warum macht sich keiner darüber gedanken. in den letzten 10 jahren sind 100 mrd. USD entwicklungshilfe nach afrika geflossen. wo ist das geld? was ist damit passiert? wie gibts das, dass das geld wirkungslos verpufft ist??

und die antwort liefere ich gleich hinterher:

Es fehlt nicht an Geld, es fehlt nicht an Know How. für eine entwicklung braucht man nur eines -INITIATIVE.
und die ist nicht vorhanden. um die müssen sich die afrikaner aber selbst kümmern.

hellfast
01
15.4.2010, 12:50

witzig, sowas mit diesem nick zu posten... -.-

die konzepte der entwicklungshilfe gehören überdacht. aber alleine mit kleinstkrediten könnte man in vielen ländern den leuten unter die arme greifen.

irgendwo ist halt leider die entwicklungshilfe auch scheinheilig, wenn man gleichzeitig mit subventionierter EU_agrarwirtschaft afrikanische märkte zerstört. von dem fischereiunwesen der EU will ich garnicht reden...

t ttttt
21
15.4.2010, 12:37
100000000000....

...sind bestenfalls 10000 arbeitsplätze!!! dass das auf 1000000000 menschen ein tropfen auf den heißen stein ist sollte jedem kleinkind klar sein!!!

Wolfgang I.
11
15.4.2010, 12:00
Woher nehmen...?

Nachdem unser allseits beliebter Hr. Finanzankündigungs Minister Österreich mit dem Griechenlandszenario droht, frage ich mich von wo soll die Kohle für Entwicklungshilfe herkommen?
Event. könnte noch eine Mineraölentwicklungshilfeabgabe oder Mehrwertsteuererhöhung dafür eingeführt werden, bis Österreich selbst Entwicklungshilfe benötigt.

Genowo
00
15.4.2010, 13:50
Woher?

Na von dort, wo sich die Leute eine goldene Nase verdienen: Von den Stiftungen, von der Abschaffung der wahnwitzigen Gruppenbesteuerung, die Großkonzernen eine legale Steuervermeidung gewährt und von den Millionen-Bonizahlungen der Banken und Versicherungen

olibarbar
 
01
15.4.2010, 12:18

von den banken und großkonzernen
die dürften genug haben

Sophist1
73
15.4.2010, 11:40
..und entsprechend fällt unser Ansehen und unsere .....

... Einflußmöglichkeiten auf dieser Welt.

Jens Kampe
11
15.4.2010, 12:13
Gemessen...

...an der weltweiten Bekanntheit Österreichs und dessen Möglichkeit Einflussnahme auszuüben, dürften sich die Verluste in messbaren Grenzen halten. ;-)

Rose Bud
10
15.4.2010, 12:06
Unser Ansehen fällt nicht...

Sophist1
00
16.4.2010, 09:24
Korrekt. Weil tiefer gehts nicht mehr.

maj jong
17
15.4.2010, 11:16
Wir haben nichts zu verschenken,


die ÖVP und ihr Finanzminister verludert es ohne große Gaben an die Entwicklungshilfe für uns!

Wir spenden an die Wirtschaftsbonzen und ihre Manager, die Bauern und Beamten und der kleine Arbeitnehmer wird bald selbst kein Licht im Dunkeln haben, aber

außer in Kärnten, die sind noch immer großzügig, für einen Bazen Geld für den Jörgl Fußballverein könnte auch ein bißchen für die Entwicklungshilfe abfallen,

unter der Hand sozusagen....

Umwegrentabilität......

dieter van teese
71
15.4.2010, 11:43

wir wissen jetzt dass du die övp nicht leiden kannst.

so what?

Genowo
00
15.4.2010, 13:52

Hast du's von mir auch schon gewusst, dass ich die schwarzen Rüben nicht leiden kann?

der allschmächtige
38
15.4.2010, 11:11
bitte an die redaktion

da hier offensichtlich die mehrheit der poster der meinung ist, die entwicklungshilfegelder würden nicht richtig eingesetzt, wäre es sinnvoll, die leser mit einem eigenen redaktionellen artikel über die tatsächlichen wege dieser zu informieren.

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