Der Traum vom guten Job

Es grünt so "green" am Arbeitsmarkt

Regina Bruckner, 14. April 2010, 16:13
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    foto: apa/hochmuth

    Nach einem OECD/Eurostat-Konzept werden Beschäftigungsdaten in den so genannten "Eco Industries" erfasst: Das sind Jobs (110.000 in Österreich), die unmittelbar der Umweltverbesserung zugerechnet werden. Die dort erfassten Arbeitsplätze haben wirklich mit Umweltschutz zu tun. Aber: Viele Arbeitsplätze, die einen anderen Hauptzweck haben - etwa Energieerzeugung (auch wenn sie einen positiven Umwelteffekt wie weniger CO2-Ausstoß haben) - sind nicht erfasst.

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    Schaut grün aus - ist auch grün? Die Intensivlandwirtschaft mit hohem Düngemittel- und Pestizideinsatz beim Raps-Anbau für Rapsdiesel oder Leichtbaukomponenten im Auto? Ein neues Eurostat-Konzept umfasst auch "umweltorientierte Produktion und Dienstleistung". Danach arbeiten 162.986 Menschen im Umweltsektor. Bahn, Straßenbahn und öffentlicher Verkehr schaffen übrigens keinen grünen Arbeitsplätze. Dafür werden Umgehungsstraßen von Umweltschutz-Bauarbeitern gebaut.

Die Umweltbranche gilt als Jobmotor, green Job klingt gut. Die nackte Realität sieht für die meisten Green Jobber anders aus

Wien - 185.000 Beschäftigte arbeiten laut Statistik Austria österreichweit im Bereich Klima- und Umweltschutz. Auf diesen so genannten "Green Jobs" ruht derzeit angesichts des darbenden Arbeitsmarktes alle Hoffnung. Geht es nach Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) sollen bis 2020 weitere 90.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich entstehen. Allein heuer würden rund 760 Millionen Euro für Maßnahmen zur Schaffung von umweltrelevanten Jobs zur Verfügung gestellt, so der Minister Anfang April. Solche Jobs seien sichere Jobs, schlug Berlakovich große Töne an.

Der Untermauerung dienen folgende Zahlen: In der Umweltbranche konnten in den vergangenen Jahren Umsatzzuwächse von zwölf Prozent erzielt werden. Außerdem würden pro Unternehmen bis zu zehn Mitarbeiter gesucht. Die Branche setze 29,8 Milliarden Euro um, was 10,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukt entspreche. Unterstützung kam auch von Wifo-Chef Karl Aiginger, der sich überproportionale Exporterfolge verspricht und sich zudem die Abfederung zukünftiger Arbeitslosigkeit erwartet: Die zusätzlichen 90.000 Jobs entsprächen in etwa "dem Anstieg der Arbeitslosigkeit, den wir in den nächsten drei Jahren erwarten."

Bauarbeiter als Green Jobber

Entzaubert werden die grünen Arbeitsplatz-Träume von AK-Umweltexperten Thomas Ritt. "Fast alles kann ein Green Job sein", weist Ritt im Gespräch mit derStandard.at auf eine fehlende Definition hin. Würde das Donaukraftwerk in Hainburg heute gebaut, wären die dort werkenden Bauarbeiter allesamt Green Jobber und keine Umweltvernichter, nennt Ritt ein drastisches Beispiel. "Auch die Automobilwirtschaft und die Intensivlandwirtschaft reklamieren Umweltjobs für sich, und ein Beschäftigter im Kernkraftwerk kann da genauso mitgerechnet werden", gibt Ritt zu bedenken. Weil fast alles ein "Green Job" sein kann, variieren die Schätzungen dieser Arbeitsplätze in Europa laut EU-Kommission zwischen 2,4 Millionen und 36,4 Millionen. Was dem Bürger und der Bürgerin da in der Regel vorschwebt, ist der gut bezahlte und abgesicherte Umwelttechniker in erfüllender Tätigkeit. Die nackte Realität sieht aber bei weitem anders aus.

Dreck wegräumen

Umweltschutz heiße heute vor allem Dreck wegräumen. Schwerpunkte der Umweltbeschäftigung seien vor allem Dienst- und Bauleistungen für die Abfallentsorgung, moniert der AK-Mann. Nicht überraschend sei so gesehen der hohe Ausländeranteil bei den Umweltbeschäftigten; und dort, wo es wirklich dreckig und ungesund wird, nämlich bei der Müllsortierung, der hohe Frauenanteil von rund 20 Prozent. Die Gleichung "Green Jobs sind Good Jobs" geht nach Ritts Erhebungen kaum auf. Etwa jeder dritte der klassischen Umweltarbeitsplätze ist nach seinen Schätzungen oft einerseits sehr schlecht bezahlt und andererseits auch noch mit hoher körperlicher Belastung und Gefährdung verbunden. Ein geringer Teil - vor allem bei NGOs wie Greenpeace - sei schlecht bezahlt, ohne Aufstiegschancen, aber immerhin erfüllend. Umwelttechniker, Solarfachleute, Energieberaterinnen und Umweltökonominnen spielen eine absolute Nebenrolle.

Nicht nur mehr, sondern auch gute Arbeit

Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit solle es nicht nur um mehr Arbeit, sondern auch um gute Arbeit, wünscht man sich bei der AK: "Daher muss dort investiert werden, wo hohe positive Beschäftigungs- und Umwelteffekte mit einer zumindest zufriedenstellenden oder gar guten Arbeitsqualität zusammentreffen: in den Ausbau der Fernwärme, die Förderung der Wärmedämmung und in Maßnahmen für mehr Energieeinsparung und Energieeffizienz sowie in den öffentlichen Personennahverkehr", so Ritt. Bis zum Herbst soll nun laut Umweltminister Berlakovich ein Masterplan für die Schaffung von Umwelt-Jobs vorliegen, der die Strategien für die kommenden fünf Jahre vorgibt. Grüner Anstrich alleine, wird da vermutlich nicht genügen.

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Zophopas
00
17.4.2010, 16:27
Warum werden bei Umweltjobs immer nur technische Jobs genannt?

Klimatechniker? Solartechniker? Zu den sogenannten "Greenjobs" gehören viele Biologenjobs, die von immenser Bedeutung sind. Diese Jobs, die laut dem Artikel so erfüllend aber unterbezahlt sind, sind nur solange erfüllend, solange sie auch vom Umfeld wertgeschätzt werden. Meistens ist das leider nicht der Fall. Gut ausgebildete Energietechniker sind in der heutigen Zeit sicher sehr wichtig, aber auch andere Jobs können maßgelblich zu einer Nachhaltigen Entwicklung beitragen, das sollte auch mal bedacht werden.

Keyser
10
16.4.2010, 20:22
Zauberwort " bitte hier " einsetzen

Grennjob bedeutet genau genommen garnichts. Ebensowenig wie Corporate Identity, Cash Flow, Dot Com usw. Es sind Worthülsen, sie bedeuten alles, sie bedeuten nichts. Jeder kann darunter verstehen, was er will.

Warum den Begriff nicht soweit fassen, um auch den LKW-Fahrer darin unterzubringen? Schließlich wächst neben den Straßen genug Gras. Nicht wahr? ;)

Um das Problem zu lösen, erfinden wir nichts neu, sondern kleben über das Vorhandene ein neues grünes Pickerl, und schon ist das Jobwunder geboren. Und dieses "Jobwunder" wird uns solange heimsuchen, bis sich ein neues Wort gefunden hat, in eine leere Hülse gepresst, um ein noch größeres Wunder anzupreisen, hinter dem genausowenig steckt, wie hinter "Green Job".

RS69
 
01
16.4.2010, 21:09

"Cash Flow" bedeutet nichts?

Da spricht wohl nicht gerade der Experte.

Wenn Sie so wollen, bedeutet auch "Dr." nichts - sie wissen dann immer noch nicht, ob's ein Mediziner, ein Chemiker oder ein Jurist ist.

ElGuancho
01
16.4.2010, 06:25
die Menschheit

hat irgendeine Midlifecrisis in der sie bestreiten will das sie die Natur ausbeutet, im Endeffekt null Entwicklung dagegensetzt(Elektroautos, Wasserstoffautos sind pure Augenauswischerei da nur Energiespeicher... und irgendwo kommt die Energie ja her)

Und das ganze Green Job Geschwafel und Öko und Umweltsteuer is nix anderes als der mittelalterliche Ablasshandel.

Betrug!

Es gibt nur genau eine Möglichkeit:
Wir erfinden solarbetriebene Roboter die die Wüste bewässern und den Ertrag ernten und in eine Speiseölpresse stecken.

Zweimal denken, einmal sprechen
01
16.4.2010, 01:59

" ... und dort, wo es wirklich dreckig und ungesund wird, nämlich bei der Müllsortierung, der hohe Frauenanteil von rund 20 Prozent ..."

Aha, plötzlich ist uns der Frauenanteil zu hoch.

Da war doch was ... ah, ja: " Die SPÖ-Politikerinnen sind mit ihrer Geduld am Ende: Die 40-Prozent-Frauenquote ist noch immer nicht erfüllt, nun wollen sie Konsequenzen ...." (http://diestandard.at/126944978... r-Quoten).

liebes oesterreich
10
15.4.2010, 22:50
umweltschutz NEIN DANKE

umweltschutz ist bescheuert. In Wien dürfen neue Fenster nur mehr aus Holz eingebaut werden. Tolle Verordnung. Ich will billige und ruhige Plastikfenster und nicht so einen klapprigen Dreck. Es zieht ausserdem.

langstetteranton
14
15.4.2010, 20:50
green jobs

als einer der tatsächlich einen sog. green job hat (umwelttechnik) kann ich sagen, der branche gehts bescheiden.
sehr sehr bescheiden.
es fehlen einfach die anreize zu infestieren in umweltschutz
in wirtschaftlich mageren zeiten wird bei nicht produktiven bereichen halt zuerst gespart

bestättigen kann ich, dass es jobs mit zukunft sind
weil gegenwart hams keine

giftwitwe
00
25.4.2010, 18:41

vielleicht fehlt in österreich ja auch einfach die kohle weil man die in atomenergie aus dem ausland investieren muss. hier in frankreich gibt es mehrere grosse energiekonzerne die entweder selbst energie herstellen (edf) oder die anlagen dazu bauen (areva, alstom).

hier in frankreich werden über 70% des strombedarfs aus (CO2 neutraler) atomenergie gewonnen, freie kapazitäten werden ins ausland verkauft. dieser gewinnträchtige marktermöglicht es zB areva, auch in sg grüne technologien zu investieren. nicht so wie in österreich wo man nach der zwentendorfpleite lieber ein kohlekraftwerk gebaut hat. sehr visionär ;)

bacchus1at
00
15.4.2010, 20:31

sorry, meinte natürlich "dessen"...

bacchus1at
00
15.4.2010, 20:31

ich glaube, ein umweltjob sollte eher im vermeiden von dreck liegen, als deren beseitigung.....

ÖVP su:cks
02
15.4.2010, 19:25
entlich schreibt der standard mal

nicht nach dem maul der werbefuzzis und werbekunden...
es ist nicht alles so rosig, wie die politiker/manager glauben machen wollen

In Cod We Trust
21
15.4.2010, 16:39
natürlich ist das grüne kind eine dame

umwelttechniker= nur männlich weil mieser job
umweltökonominnen=weiblich weil guter job

green jobs sind im bereich erneuerbarer energien zu finden und sonst nirgendwo.

RS69
 
00
25.4.2010, 19:22

Umwelttechniker ist ein guter Job, damit können's recht gut verdienen.

ie meinen wohl Hilfsarbeiter im Umweltbetrieb? Dem geht's nicht bsser als dem Hilfsarbeiter in anderen Betrieben. Das hat aber widerum nichts mit der Umwelt zu tun.

Fetznschädel
21
15.4.2010, 16:37

Ein guter Film passend dazu der gerade in die Kinos gekommen ist:

Die 4. Revolution - Energy Autonomy

Pflichtfilm!

sixela
11
15.4.2010, 16:19
Ich würde mir wünschen

...dass die AK- Mitarbeiter ähnlich (in ihren Augen "schlecht") bezahlt würden wie jene von NGOs. Immerhin leben sie auch nur von Spenden, wenn auch erzwungenen, von allen Arbeitnehmern. Selbst wie die Made im Speck hausen (und das tun AKler definitiv, ich weiss, wovon ich rede), aber anderen vorschreiben wollen, wie "gute" Umweltjobs auszusehen haben, ist eigentlich eine Frechheit.

Ja, Dreck wegräumen ist auch ein Umweltjob und sogar ein wichtiger. Wieso muss da gerade die AK die Nase rümpfen?

darkblue2
00
15.4.2010, 20:19

weil die politik nicht das dreck weg räumen meint, sondern hochqulifizierte jobs, die es aber nicht in der anzahl gibt wie es die politik uns einreden will; darum gehts im artikel eigentlich!!

L. v. Mises
53
15.4.2010, 15:04
sound economic principles on www.mises.org

niemand, ich wiederhole niemand kauft freiwillig gruene energie und gruene produkte. der staat muss die menschen unter vogehaltenem revolver zum konsum dieser gueter zwingen.

dementsprechend nachhaltig ist der arbeitsmarkt. jeder halbbegabtre muss zu diesem schluss kommen.

mfg

RS69
 
00
15.4.2010, 20:55

Sprechen Sie für sich selbst.

Ich kenn genug Leute, die sowohl fair trade als auch ökologische Produkte kaufen, wenn'd grundsätzlich passt und nur etwas teurer ist.

Dass nur Halbbegabte zu solchen Schlüssen kommen, kann ich Ihnen nur glauben, scheint mir aber nach Ihrem Posting nachvollziehbar.

giftwitwe
00
25.4.2010, 18:50

ich kauf auch fair trade produkte, nämlich am markt das überschussgemüse und -obst aus spanien um 1€ für 2 kilo auberginen zb ... wie gesagt, ein fairer preis ... für mich ... muahaha

Frei_Denker
03
15.4.2010, 14:44

....Also ab morgen bietet das AMS Strassenkehrerschulungen & Hochschulzugang: "Green Environmental Management"

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
01
15.4.2010, 14:38

der schwarze niki macht einen fünfjahresplan.

o tempora, o mores :D

FFluXXuSS
10
15.4.2010, 14:30
Der Artikel passt exakt!

Sollte je ein Politiker eine Statistik über "blaue" Jobs präsentieren wollen ginge das so:
Exit poll bei allen Schnapsbuden, Heurigen etc. und schon hätten wir eine hohe Zahl zu präsentieren.

Politiker glauben, dass Österreicher so ticken wie sie selbst. Das ist aber blöd.

wumms
115
15.4.2010, 14:23
ganze frauen machen halbe-halbe

...und nicht nur 20 prozent der ungesunden und belastenden arbeit...

DARÜBER sollte heinisch-hosek mal nachdenken, DANN kann sie mit den leuten kompetent weiterverhandeln bzgl. lohnangleichung...

RogerRabbit
02
15.4.2010, 14:05
mach gerade ein green-belt projekt...

... ist aber kein green job. Würde gerne wechseln, aber die Möglichkeiten sind sagen wir mal bescheiden. Vielleicht mach ich in ein paar Monaten mein black-belt und kann wenigstens meine Daueraufträge an Greenpeace und dem WWF erhöhen.

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