Umgang mit Social Media wird professioneller
Der Internet-Wahlkampf wird professioneller. Lob von
einem Experten gibt es vor allem für Bundespräsident Heinz Fischer.
Der Amtsinhaber, der sich am 25. April erneut der Wahl stellt, führe
auch im Web 2.0, also in sogenannten Social Networks, eine
professionelle Kampagne, lautet die Analyse von PR-Berater Ed
Wohlfahrt. Fischers Gegenkandidaten, Barbara
Rosenkranz und Rudolf Gehring, hätten zwar Netzwerke wie facebook
bereits für sich entdeckt, seien aber weit abgeschlagen.
Obama hat es vorgezeigt
Insgesamt sei der Umgang mit Web 2.0 professioneller geworden, so
Wohlfahrt. Der nunmehrige US-Präsident Barack Obama habe dies in
seinem Wahlkampf vorgezeigt, die politischen Parteien in Österreich
brauchten allerdings noch einige Zeit, um auf den Zug aufzuspringen.
Die "absolute Professionalisierung", die der Experte nun erkennen
kann, betreffe allerdings nur Fischer, dessen Wahlkampfteam eine
eigene Agentur für derartige Aktivitäten angeheuert hat. Der
"Social-Media-Aspekt" werde bei dessen Gegenkandidaten zwar
mitgedacht, allerdings "auf sehr niedrigem Niveau".
Fischer führt auf Facebook
Mehr als 11.000 Fans kann Fischer derzeit auf facebook vereinen,
1.500 Rosenkranz, eine offizielle Fan-Seite Gehrings gibt es nicht,
er "sammelt" aber auch persönliche Freunde. Positiv findet es
Wohlfahrt, dass alle drei Kandidaten ihre Websites mit facebook,
Fischer auch mit twitter, YouTube und flickr verlinkt haben. Der
amtierende Präsident kann sogar mit zwei Seiten aufwarten, wobei das
Jugendportal heifi2010.at im Gegensatz zum staatstragenderen
www.heinzfischer.at wesentlich tiefer in die Welt des Web 2.0 führt.
Besonders kreativ zeigt sich Fischers Agentur bei einer
facebook-Applikation: Mit "Fischer Yourself" kann man das eigene Bild
mit den Präsidenten-Attributen verschönern - inklusive buschige
Augenbrauen, Brille und Beton-Frisur.
"Grottenschlechte" Gehring-Homepage
Rosenkranz bescheinigt Wohlfahrt zwar "brav gemachte"
Internet-Aktivitäten, die FPÖ kämpfe allerdings auf "ziemlich
verlorenen" Posten. Der facebook-Account sei erst Ende März
eingerichtet worden, auf twitter "zwitschert" die freiheitliche
Kandidatin nur selten: Sieben "Tweets" und vier "Followers" lautet
die Bilanz. "Am grottenschlechtesten von allen" präsentiert sich
Gehring für den PR-Berater. Seine Homepage sei wie ein Wahlfolder,
den man ins Internet gestellt habe. Wohlfahrt vermutet, dass es
Rosenkranz und Gehring zu allererst lediglich darum gegangen sei, den
Platz auf den unterschiedlichen Plattformen zu besetzen.
Überraschungen
Ein Monitoring der Weblog-Einträge über die
Präsidentschaftskandidaten bringt neben Erwartetem auch
Überraschendes zutage: Im vergangenen Monat führte Fischer deutlich
bei den Einträgen. Nach Österreich gibt es allerdings die meisten
Erwähnungen aller drei Bewerber in den USA. Erst dann folgt
Deutschland. Grund dafür könnte die Kandidatur von Rosenkranz sein,
die vor allem im Ausland nach dem Wirbel um die Bildung der
schwarz-blauen Koalition verstärkt beobachtet werde.
Fan- und Hassseiten
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Netz-Wahlkampf sind aber nicht
nur die Fan-Seiten, sondern auch sogenannte "Hate Pages". So haben
sich vor allem gegen Rosenkranz etliche Initiativen entwickelt,
FPÖ-Sympathisanten kontern mit Anti-Fischer-Gruppen. Aber auch
interessante Sympathiebekundungen werden im Web 2.0 offensichtlich.
So befinden sich unter den Freunden Gehrings etwa BZÖ-Chef Josef
Bucher und der geschäftsführende Kärntner Landesparteiobmann, Stefan
Petzner. (APA)