Deutsche Ärzte willkommen

Die Zugangsbeschränkungen beim Studium dürften nicht dazu führen, dass EU-Ausländer in medizinischen Tätigkeiten quasi Berufsverbot bekommen

Die Freude österreichischer Bildungs- und Universitätspolitiker über das Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs zu Zulassungsquoten bei medizinischen Studien ist verständlich. Und berechtigt. Die Höchstrichter sind gewillt, den meistbetroffenen Staaten mit überlaufenen Med-Unis etwas Luft zu verschaffen; ihnen Zeit zu geben, die Strukturprobleme in den Griff zu bekommen, sich auf eine gänzlich offene europäische Studienlandschaft (und Studiengebühren) einzustellen.

So lange dürfen sie mit höchstrichterlicher Erlaubnis geltendes EU-Recht unterlaufen, ausnahmsweise sozusagen. Das ist auch eine weise Lösung. Niemand hätte etwas davon, wenn zwei kleine EU-Staaten von Studierenden aus riesigen Nachbarländern wie Frankreich und Deutschland "überrannt" werden, nur weil diese ihre Medizinstudien kranksparen bis zum Ärztemangel.

Aber für nationale Euphorie besteht in Wien und Brüssel kein Anlass. Der EuGH hat dieser "Erlaubnis" auch eine andere, vermutlich weniger willkommene Auflage mitgegeben: Die Zugangsbeschränkungen beim Studium dürften nicht dazu führen, dass EU-Ausländer in medizinischen Tätigkeiten quasi Berufsverbot bekommen. Personenfreizügigkeit muss gewährleistet sein. Man kann also schon anfangen, darüber nachzudenken, was zu tun ist, wenn es in Deutschland einmal keinen Ärztemangel mehr gibt, wenn viele Doktoren mit deutschem Pass im Land bleiben.(Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2010)

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