Der Kiss-Bassist Gene Simmons entdeckt Leute wie sich und steigt in das Geschäft mit Lebensversicherungen für Top-Verdiener ein
Gene Simmons, der Bassist und Sänger von Kiss, machte in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur jede Menge Geld mit Musik. Alles, was sich als Kiss-Devotionalien verkaufen und vermarkten ließ und überall, wo Kiss oder die wohl berühmteste Zunge der Welt drauf war - vom Babylätzchen bis zu Schmuck oder Wein -, da war auch Kohle für Simmons drin. Auch mit der TV-Reality-Show über sich und seine Familie, die auf den klingenden Namen "Gene Simmons' Family Jewels" hörte, legt der Kiss-Frontman einen anständigen Erfolg hin. Dem Zuseher präsentiert sich der mittlerweile gealterte und geliftete Rockstar darin als tüchtiger Geschäftsmann, der mit und aus allem Geld macht. Nun steigt der "Dämon" in ein neues Geschäftsfeld ein.
Gene Simmons gründete vor kurzem mit Partnern aus der Branche den Lebensversicherer Cool Springs Life Equity Strategy. Dass es sich dabei nicht um ganz normale Versicherungen handelt, mag wenig überraschen. Das Unternehmen wendet sich an Großverdiener mit einem Vermögen von mehr als 20 Millionen Dollar aus der Entertainment- oder Sportwelt, die eine Lebensversicherung von mindestens zehn Millionen Dollar brauchen. "Ich möchte jene ansprechen, die ein bisschen wie ich sind, in der Popkultur, Basketballspieler, Entertainer, Rockstars oder Ähnliches. Wir sind nicht unbedingt die am besten informierten Leute, und dennoch haben wir sehr hart gearbeitet, den amerikanischen Traum gelebt und sind so zu sehr wohlhabenden Menschen geworden", so beschreibt Simmons in einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender Bloomberg sein Zielpublikum.
Simmons' Mitbegründer von Cool Springs sind erfahrene Versicherungsmenschen, unter anderem David Carpenter, der vormals beim großen US-Versicherungshaus Transamerica beschäftigt war. Simmons selbst wird natürlich weniger im operativen Geschäft tätig sein, mit seinem Gesicht und seinem Namen erhoffen sich die Herren aber, zahlungskräftige, reiche Kunden anzuziehen. Schließlich weiß der 60-Jährige, wovon er spricht - hat Simmons doch selbst schon eine Lebensversicherung von Cool Springs auf seinen Namen laufen.
Mehr Geld für Reiche
Das Geschäftsmodell von Cool Springs basiert auf der Annahme, dass in den USA die Erbschaftssteuer wieder eingeführt wird, heißt es in einem Bericht des Wall Street Journal. Sollte dieser Fall eintreten, würden für vermögende US-Bürger Lebensversicherungen attraktiver, da der Sparanteil einer Polizze über die Laufzeit hinweg steuerfrei bliebe. Stirbt der Versicherungsnehmer, würden auf die Auszahlung außerdem weder Nachlass- noch Schenkungs- oder Einkommenssteuer anfallen.
Das besondere an dem Modell ist laut dem Unternehmen, dass potenzielle Kunden für die Zahlung der teils enormen Prämien nicht in die eigene Tasche greifen müssen. Der Versicherer arbeitet mit einer Investmentbank zusammen, die für die Prämienzahlung einen Kredit zur Verfügung stellt - bei älteren Leuten kann der bis zu 300.000 Dollar im Jahr betragen. Der Kredit wird dann entweder während der Laufzeit der Polizze aus dem Sparanteil der Versicherung oder nach dem Tod des Kunden aus der ausgezahlten Versicherungssumme zurückgezahlt.
Kredite für die Bezahlung von Versicherungsprämien sind in den USA kein neues Modell. Die Versicherer sind mit ihren Zahlen nicht besonders freigiebig, aber Marktbeobachter gehen davon aus, dass viele diese Form der Finanzierung nutzen. Ganz ohne Risiko ist die Strategie nicht - die Kreditkosten können höher sein als das angesparte Kapital der Versicherung. Auch höhere Zinsen oder veränderte Steuergesetze können einen Strich durch die Rechnung machen, warnen Finanzplaner und Anwälte.
Gene Simmons und Cool Springs lassen sich jedenfalls nicht von ihrer Idee abbringen. Der Kiss-Mann ist sich seiner Sache sicher. David Carpenter weiß auch, warum: "Als Versicherungsvertreter hat man kein Publikum. Gene hat eines. Und Gene hat den guten Ruf eines genialen Geschäftsmannes." Simmons setzt auf den Faktor "Neugierde" bei der Vermarktung des Produkts. Mit Parties in den USA und ab Mai auch in Europa wollen er und Cool Springs auf Promo-Tour gehen. (rom, derStandard.at, 13.4.2010)