Rockstar als Vertreter

Sex, Drugs & Versicherung

13. April 2010 14:11

Der Kiss-Bassist Gene Simmons entdeckt Leute wie sich und steigt in das Geschäft mit Lebensver­sicherungen für Top-Verdiener ein

Gene Simmons, der Bassist und Sänger von Kiss, machte in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur jede Menge Geld mit Musik. Alles, was sich als Kiss-Devotionalien verkaufen und vermarkten ließ und überall, wo Kiss oder die wohl berühmteste Zunge der Welt drauf war - vom Babylätzchen bis zu Schmuck oder Wein -, da war auch Kohle für Simmons drin. Auch mit der TV-Reality-Show über sich und seine Familie, die auf den klingenden Namen "Gene Simmons' Family Jewels" hörte, legt der Kiss-Frontman einen anständigen Erfolg hin. Dem Zuseher präsentiert sich der mittlerweile gealterte und geliftete Rockstar darin als tüchtiger Geschäftsmann, der mit und aus allem Geld macht. Nun steigt der "Dämon" in ein neues Geschäftsfeld ein.

Gene Simmons gründete vor kurzem mit Partnern aus der Branche den Lebensversicherer Cool Springs Life Equity Strategy. Dass es sich dabei nicht um ganz normale Versicherungen handelt, mag wenig überraschen. Das Unternehmen wendet sich an Großverdiener mit einem Vermögen von mehr als 20 Millionen Dollar aus der Entertainment- oder Sportwelt, die eine Lebensversicherung von mindestens zehn Millionen Dollar brauchen. "Ich möchte jene ansprechen, die ein bisschen wie ich sind, in der Popkultur, Basketballspieler, Entertainer, Rockstars oder Ähnliches. Wir sind nicht unbedingt die am besten informierten Leute, und dennoch haben wir sehr hart gearbeitet, den amerikanischen Traum gelebt und sind so zu sehr wohlhabenden Menschen geworden", so beschreibt Simmons in einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender Bloomberg sein Zielpublikum.

Simmons' Mitbegründer von Cool Springs sind erfahrene Versicherungsmenschen, unter anderem David Carpenter, der vormals beim großen US-Versicherungshaus Transamerica beschäftigt war. Simmons selbst wird natürlich weniger im operativen Geschäft tätig sein, mit seinem Gesicht und seinem Namen erhoffen sich die Herren aber, zahlungskräftige, reiche Kunden anzuziehen. Schließlich weiß der 60-Jährige, wovon er spricht - hat Simmons doch selbst schon eine Lebensversicherung von Cool Springs auf seinen Namen laufen.

Mehr Geld für Reiche

Das Geschäftsmodell von Cool Springs basiert auf der Annahme, dass in den USA die Erbschaftssteuer wieder eingeführt wird, heißt es in einem Bericht des Wall Street Journal. Sollte dieser Fall eintreten, würden für vermögende US-Bürger Lebensversicherungen attraktiver, da der Sparanteil einer Polizze über die Laufzeit hinweg steuerfrei bliebe. Stirbt der Versicherungsnehmer, würden auf die Auszahlung außerdem weder Nachlass- noch Schenkungs- oder Einkommenssteuer anfallen.

Das besondere an dem Modell ist laut dem Unternehmen, dass potenzielle Kunden für die Zahlung der teils enormen Prämien nicht in die eigene Tasche greifen müssen. Der Versicherer arbeitet mit einer Investmentbank zusammen, die für die Prämienzahlung einen Kredit zur Verfügung stellt - bei älteren Leuten kann der bis zu 300.000 Dollar im Jahr betragen. Der Kredit wird dann entweder während der Laufzeit der Polizze aus dem Sparanteil der Versicherung oder nach dem Tod des Kunden aus der ausgezahlten Versicherungssumme zurückgezahlt.

Kredite für die Bezahlung von Versicherungsprämien sind in den USA kein neues Modell. Die Versicherer sind mit ihren Zahlen nicht besonders freigiebig, aber Marktbeobachter gehen davon aus, dass viele diese Form der Finanzierung nutzen. Ganz ohne Risiko ist die Strategie nicht - die Kreditkosten können höher sein als das angesparte Kapital der Versicherung. Auch höhere Zinsen oder veränderte Steuergesetze können einen Strich durch die Rechnung machen, warnen Finanzplaner und Anwälte.

Gene Simmons und Cool Springs lassen sich jedenfalls nicht von ihrer Idee abbringen. Der Kiss-Mann ist sich seiner Sache sicher. David Carpenter weiß auch, warum: "Als Versicherungsvertreter hat man kein Publikum. Gene hat eines. Und Gene hat den guten Ruf eines genialen Geschäftsmannes." Simmons setzt auf den Faktor "Neugierde" bei der Vermarktung des Produkts. Mit Parties in den USA und ab Mai auch in Europa wollen er und Cool Springs auf Promo-Tour gehen. (rom, derStandard.at, 13.4.2010)

Kommentar posten
12 Postings
Gibril
 
14.04.2010 10:12

Hat ne fette Werbung am Times Square.
Erst durch den Artikel weiß ich jetzt, wofür die wirbt...

Yudhistira
13.04.2010 18:37
Womit die Krise auch bei den Musikern angekommen ist....

pater hirni
13.04.2010 17:22
der scheuch ist doch auch nebenbei autohändler.

Der sich den Wolf tanzt
13.04.2010 19:18
höhöhö!


das posting bin ich ihnen neidig ;-)

Michael Aires
13.04.2010 16:37
Hat immer schon mehr mit Business am Hut gehabt

als mit Musik, von der Kiss Army, Puppen bis zu jeder erdenklicher Merchandising Geschichte.
Und natürlich die obligate nervige seichte Reality Soap.

Mathias
 
14.04.2010 08:53
Business...

... Sie vergessen die WCW Aktion mit "Demon"...

... oder das Computerspiel "Kiss Psycho Circus" ..

Jedoch muß ich gestehen, daß die Band auch jüngere Fans begeistern kann.

Es gehört schon viel dazu, wenn man all die Jahre mit Konzerten und neuen Alben auf sich hören macht.

Gerade das neue Album "Sonic Boom" ist in Zeiten, wo nur gejammert wird, daß es nichts "neues und gutes" mehr auf dem Musikmarkt gibt, eine schöne Bereicherung.

Ich finde es gut, wenn uralte Gruppen noch heute aktiv sind, und teilweise " gehypte Newcomer" blass aussehen lassen :-)

Der Lord
 
13.04.2010 22:59
Moooment

auch wenn Paul Stanley viele Songs geschrieben hat, Gene war Teil der Kraft die die Brüder ausgestrahlt haben. Seine Zunge war legendär, auch wenn sie mich so persönlich nicht antörnt ...

i was made 4 lovin´ you baby ... herrlich waren das Zeiten!

Peace

liebenfels
13.04.2010 16:20
Da findet

Chaim Witz endlich zu seinen beruflichen Wurzeln.

Dante Alighieri
14.04.2010 03:44

Was war denn sein "Beruf"? Jude? Das ist es doch was Sie meinen, Sie Vollkoffer.

elento
 
13.04.2010 15:37
Dei Berühmteste Zunge der Welt...

...gehört entweder Einstein oder den Stones, aber - bei aller Berühmtheit - nicht Simmons.

log_out
13.04.2010 15:52

alle falsch, die gehört jenna jameson *lol*

pater hirni
14.04.2010 10:27
dieser disput wird wohl nur durch eine befragung

des einzig wirklichen experten klären lassen:

götz von berlichingen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.