EuGH-Urteil

Zugangsbeschränkungen für ausländische Studenten sind zulässig

13. April 2010, 10:40

Quote bei belgischen Gesundheits-Studien erlaubt - Ungleichbehandlung bei Gefährdung der öffentlichen Gesundheit zulässig

Der französischsprachige Teil Belgiens, die Wallonie, sieht sich in gewissen Gesundheitsstudien durch Studierende aus Frankreich überrollt. Um den Studierendenstrom zu regeln wurde 2006 eine 30-prozentige Quote für EU-Ausländer eingeführt. Davon sind beispielsweise die Bachelor-Studiengänge für Veterinärmedizin, Heilgymnastik, Logopädie oder der Hebamme-Bachelor betroffen. Französische Studierende haben daraufhin bei Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg wegen Ungleichbehandlung geklagt, heute verkündete der Gerichtshof sein Urteil.

Darin stellt der EuGh fest, dass eine Beschränkung der Studienmöglichkeiten für EU-Ausländer in Belgien dem Unionsrecht widerspricht. Der EuGH fügte jedoch hinzu: Die Regelung ist trotz aller "Ungleichbehandlung zwischen ansässigen und nichtansässigen Studierenden" dann "gerechtfertigt", wenn sie zur "Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen, ausgewogenen und allgemein zugänglichen medizinischen Versorgung" und "Erreichung eines hohen Niveaus des Gesundheitsschutzes" beiträgt. Es sei nun zu "prüfen, ob die streitige Regelung geeignet ist, die Erreichung dieses Ziels zu gewährleisten, und ob sie nicht über das hinausgeht, was zu dessen Erreichung erforderlich ist".

Auswirkungen auch auf Österreich

Auswirkungen hat die Regelung auch für Österreich. Aufgrund des Ansturms deutscher Studierenden wurde im Medizin-Studium eine ähnliche Quotenregelung eingeführt. In Österreich ist die Rechtslage für EU-Ausländer beim Medizinstudium noch nachteiliger als in Belgien: 75 Prozent der Plätze sind für Studenten mit österreichischem Maturazeugnis, nur 20 Prozent für EU-Bürger und fünf Prozent für Nicht-EU-Bürger reserviert. Durch das heutige Urteil dürfte diese Regelung nun auch europarechtlich nicht zur Disposition stehen. Vor allem bei Medizin dürfte die Regelung halten, so der Europarechtler Walter Obwexler, Probleme könnte es hingegen bei anderen Studienrichtungen geben (siehe: Experte: Österreichische Regelung dürfte halten)

Eine frühere österreichische Zugangsregelung wurde 2005 durch den EuGH aufgehoben. Österreich hat bis 2012 ein Moratorium, dass ein Vertragsverletzungsverfahren aussetzt. Ob dieses nun verlängert wird ist unklar. Der Sprecher von Bildungskommissarin Androulla Vassiliou, Dennis Abbot, sagte heute,  es sei zu früh, dazu Stellung zu nehmen.

"Letztlich Sache des nationalen Gerichts"

Im Falle Belgiens liegt nun die Letztentscheidung beim Verfassungsgericht. Der EuGH betont in dem heutigen Urteil, es sei "letztlich Sache des nationalen Gerichts, das allein für die Beurteilung des Sachverhalts des Rechtsstreits sowie für die Auslegung des nationalen Rechts zuständig ist, zu bestimmen, ob und inwieweit eine solche Regelung diesen Anforderungen entspricht". Es könne "nicht von vornherein ausgeschlossen werden, dass eine etwaige Verringerung der Qualität der Ausbildung des künftigen medizinischen Personals letztlich die Qualität der Versorgung in dem betroffenen Gebiet beeinträchtigt", heißt es in dem Urteil. Die zuständigen nationalen Stellen müssen jedoch  mit "zuverlässigen, übereinstimmenden und beweiskräftigen Daten nachzuweisen, dass die öffentliche Gesundheit tatsächlich gefährdet ist".

Das nationale Gericht habe jedoch auch zu prüfen ob dieses Ziel "nicht durch weniger einschränkende Maßnahmen erreicht werden kann", in dem Anreize geschaffen werden, die Studierende dazu bewegen nach dem Abschluss ihres Studiums in Belgien zu bleiben. Der EuGH schließt jedoch nicht aus, dass eine Begrenzung der Gesamtzahl der Studierenden auch einen Rückgang der Absolventenzahl zur Folge hat, was sich wiederum ebenfalls negativ auf den Schutz der öffentlichen Gesundheit auswirken könnte.

(seb, derstandard.at,  13.4.2010)

Link: Das Urteil im Volltext

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 222
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keep cool1
 
10
14.4.2010, 23:38
Mehr Power in Brüssel für Ö Interessen!

EU Politik heißt auch sich mit anderen Ländern ähnlicher Struktur und ähnlichen Problemen/Zielen zu verbünden um sich gemeinsam mehr Gewicht/Aufmerksamkeit innerhalb der Gemeinschaft zu verschaffen!
Leider beherrscht die österreichische Politik das Spiel "gemeinsam sind wir stärker" noch viel zu wenig. Deshalb musste vorerst Belgien die Kastanien für uns aus dem Feuer holen! Hoffentlich lernen unsere oft zu provinziell agierenden Minister daraus!

Dormouse
80
14.4.2010, 06:58

omg. also auf gut deutsch: mit einer "guten" ausrede kann man machen, was man will. wenn die eu nicht mal so weit ist solch "kleine" probleme auf eu-ebene zu lösen, dann kann man sich bei wirklichen problemen eigentlich NICHTS erwarten, im gegenteil. naja, halt auch nur ein gebilde mit ablaufdatum, wies ausschaut.

Alex79
45
14.4.2010, 05:39
Unter die Raeder

fallen am Schluss die (deutschen) Studenten, die studieren wollen, die aber keiner haben will.

Das ist wirtschaftlich unverantwortlich. Wenn es Oesterreich erlaubt waere, ordentliche Gebuehren einzuheben, mit der auch tatsaechlich ein Studienplatz finanziert werden kann, dann koennten hier beliebig viele Deutsche studieren, wir wuerden damit Geld verdienen und alle waeren happy. So funktioniert das in Australien - dort ist Bildung einer der Hauptexporte in den asiatischen Raum.

Aber bei uns geht das nicht - Studiengebuehren darf es ja nicht geben, muss ja alles gratis sein, d.h. also vom Steuerzahler finanziert werden.

ÖVP, die abzocker der nation
00
14.4.2010, 09:10
wir bieten denen gratis

psychotherapie an, den armen deutschen studierwilligen. ok?

mein gott...

. spectator
00
14.4.2010, 08:39
Hinkende Vergleiche

In Australien wird vor allem deswegen so viel Geld mit dem Exportgut verdient, weil die overseas students das dreifache der domestic fees bezahlen, das gibt es auch schon in Europa, in GB wird das gleiche Geschäft gemacht, aber mit EU-Ausländern...
1. Bildung als WirtschaftsGUT ode Exportarikel? Das ist IMHO ein sehr trauriger Zugang zu Bildung
2. Rechtlich dürfen Sie unsere Lieblingnachbarn nicht machen, weil EU...

Alex79
00
14.4.2010, 08:49
Schlecht?

Ja, und das funktioniert hervorragend! Ich weiss, dass uns das die EU-Regeln untersagen, das sollte dringend geaendert werden.

Ich finde Bildung ist ein besseres Gut als andere Artikel und wenn es einen Markt gibt, dann sollte es auch ein Angebot geben. Was schlagen Sie denn den Deutschen vor, die daheim wegen dem Numerus Clausus und bei uns wegen mangelnder Kreativitaet der oesterreichischen Politik- und Unilandschaft nicht studieren koennen?

Dr.Dazz
42
14.4.2010, 08:20

Die jetzigen Studierenden werden später gut verdienen und danach zu einen wichtigen Steuerzahler.

Ihre Feststellung spricht klar für Ignoranz:
sie haben entweder ihren Lehrplatz finanziert bekommen vom Steuerzahler und Arbeitgeber,oder hatten reiche Eltern um studieren zu können,oder sie durften gratis Studieren,oder sie sind arbeitslos und bekommen sowieso Geld vom Steuerzahler.

Bildung ist einer der höchsten Güter für eine Bevölkerung und wenn es gratis angeboten wird,dann haben auch Menschen eine Chance,die nicht aus reichen Haushalt stammen

Alex79
00
14.4.2010, 08:46
Ignoranz

ich wuerde eher sagen Ihr Posting spricht von Ignoranz - Ignoranz gegenueber Meinungen, die nicht der Ihren entsprechen.

Nur weil meiner Meinung nach ein Deutscher Student hier studieren duerfte, wenn er auch soviel bezahlt, dass wir den Studienplatz ganz einfach zusaetzlich schaffen koennten, werfen Sie mir vor dass ich arbeitslos sein muss oder reiche Eltern haben muss?

Zu Ihrer Information: Ich habe auch tw. Studiengebuehren bezahlt, die 700 Euro im Jahr ueber drei Jahre hab ich selbst mit meinem unterbezahlten Uni Job in 3 Monaten herinnen.

leo lander
00
14.4.2010, 08:16
ja,ja Gebühren, d.h. Geld statt Hirn

es gibt ohnehin zuviel Ärzte, und wenn sie nicht für die Krankenkassen arebeiten wollen, dann weil die Marie nicht stimmt. Und mit Gebühren, werden nur die Reichen Ärzte und nicht die Guten. Also, her mit einem ordentlichen fachorientierten Einstiegstest und Leistungsüberprüfung ein Jahr drauf. Mit Ausbildungsplätzen Geld verdienen zu wollen ist doch lächerlich, das einzige was funktioniert sind Titelmühlen als DonauUniv.Krems.

Irgendein Jürgen
01
14.4.2010, 03:01
Interessante Diskussion

Das österreichische System mit Turnus ist einzigartig, in fast allen Ländern beginnt man nach dem Studium sofort mit der Facharztausbildung. Mediziner in Österreich verlieren dadurch 3-4 Jahre, ohne jegliche Vorteile. Deswegen wandern viele österreichische Mediziner nach ihrem Studium nach Deutschland oder in die Schweiz aus, weil sie dort nicht nur mehr verdienen sondern eine weit bessere Ausbildung genießen. Einige, aber nicht alle kommen danach nach Österreich zurück.

Dass zu viele ausländische Studenten das österreichische Bildungssystem belasten ist klar. Dass die medizinische Versorgung dadurch bedroht sein soll finde ich jedoch seltsam. Das System bedroht sich selbst, indem es den Transfer von Fachkräften ins Ausland fördert.

GLOCK talk
01
14.4.2010, 07:42
turnusärzte sind wichtig !

es sind nämlich billige arbeitssklaven der krankenhäuser ! dieses "verbrauchsmaterial" braucht in dieser zeit nichts lernen, es muss nur alles können wenn etwas passiert, arbeiten für einen hungerlohn, nicht zurückreden, und immer und allzeitbereit für das krankenhaus zu verfügung stehen !

und da soll dir der beruf noch spass machen, wenn du siehst wie sich die roten verwaltungszecken und ärztekammer sich an dich bereichern !!?
unser system ist echt zum spei*** !!!!!!!!!

black jack
00
14.4.2010, 10:13

Ist bei den Rechtsanwälten doch genau das gleiche!

5 Jahre Ausbildungszeit bei einem Anwalt (inkl Gerichts"jahr") sind in Europa ein Spitzenwert. In Deutschland zB ist man nach dem Refendariat Anwalt (also nach einem verlängerten Gerichts"jahr" mit Staatsprüfung).


frei raum
04
14.4.2010, 01:33
Wenn man...

nur einen bruchteil der EU-Agrarförderungen für die universitäten in der EU, beispielsweise in form von ausgleichszahlungen für "fremde"studenten verwenden würde, wäre das alles kein problem.. und dann würde man nur quoten für drittstaaten benötigen. aber lieber förderung der produktion von nahrungsmitteln, die durch halb europa gekarrt werden um letztlich im müll zu landen.

globetrottel
00
14.4.2010, 06:38

Ist ja alles schön und gut.

Nur ist die Argumentation "Ich will aus Steuergeld nicht den Brunnen am Hauptplatz, sondern den Baum in der XY-Allee, weil mir der Brunnen nicht gefällt, der Baum aber schon" nicht haltbar.

Es gibt IMMER irgendetwas, von wo man theoretisch Geld abziehen kann, und immer irgendwas, wo man es theoretisch hinkarren kann. Aber : Sie mögen ja den Baum vorziehen, andere aber den Brunnen.

Dormouse
00
14.4.2010, 07:37

wissens schon, das man das nicht nur theoretisch kann?!

globetrottel
00
14.4.2010, 20:04

Ja natürlich, kann man.
Aber noch einmal : Sie mögen ja den Baum vorziehen, andere aber den Brunnen.

Was ich damit sagen will, ist : Nur, weil man A etwas wegnehmen kann und dieses B geben, muss B weder objektiv besser als A sein, noch muss eine Mehrheit B für besser halten. Und letzteres ist halt in einer Demokratie massgeblich.
Ausserdem : Vielleicht braucht man ja A UND B. Nur reicht das Börsel eben nicht.

Po Polos
11
14.4.2010, 01:22

Schön, dass der EUGH in der belgischen Sache positiv geurteilt hat. Hätte Österreich das Gleiche gemacht, wären wieder einmal 1000 Gründe genannt worden, warum wir uns das aus dem Kopf schlagen dürfen.

Gobi Todic
00
13.4.2010, 23:42
Hab eine offtopic Frage

Ist es eigentlich rechtens, wenn manche Fachhochschulen noch Studiengebühren einholen?

Campus02 in Graz zum Beispiel...

globetrottel
00
14.4.2010, 06:39

Diskutieren Sie das mit Alex79 weiter oben ;-)

Gobi Todic
00
14.4.2010, 10:03
hm :)

okay, für ihn wär es okay.

ich weiß aber noch immer nicht ob die gebühren legal eingehoben werden ;)

liebes oesterreich
10
13.4.2010, 22:42
meine liebe meinung

Ein Studium darf niemals gratis sein ! 10.000 Euro pro semester halte ich für sozial ausgewogen !

elektrosmog plastique
00
30.4.2010, 01:10

Wer zur Hölle sollte denn solche Beträge bezahlen können? Das wären ja knapp 80000€ für ein Studium(bei sechse Semestern) -..-

giftwitwe
01
14.4.2010, 12:14

das wäre ziemlich unproduktiv. das ziel des staates ist es ja nicht, mit den unis geld zu verdienen sondern ein maximum an qualifizierten fachkräften auszubilden.

wofür der staat geld verlangen könnte wären eventuell selbstverwirklicher die nicht studieren um später der workforce beizutreten, bzw. schon so alt sind, dass eine ausbildung nicht rentabel wäre. die sollen selber zahlen.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
13.4.2010, 21:21
Zum Thema

Justiz: Wie kann es sein, dass unabhängige(!) Gerichte (ohne Prüfung des Falles) von "Gläubigern" als Erfüllungsgehilfen benutzt werden können??
change.

giftwitwe
11
13.4.2010, 21:12

ich finde es ziemlich beunruhigend, wie viel von ihrer wählerbestimmten autonomie die europäischen staaten bereits an dieses undemokratische ungetüm EU abgegeben haben.

das ärgste war als man die iren einfach solange abstimmen liess bis sie 'richtig' gewählt haben. sowas hat doch mit demokratie nichts mehr zu tun !

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