TU-Rektor Skalicky für "hohe Studiengebühren"

13. April 2010 09:35
  • Artikelbild
    Foto: apa/schlager

    Peter Skalicky, Rektor der TU Wien, plädiert für hohe Studiengebühren.

Mindestens 10.000 Euro pro Jahr mit "umfassendem Stipendiensystem" - Mehr Geld für Unis oder weniger Hochschulen

Wien - Der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky, plädiert für "hohe Studiengebühren von mindestens 10.000 Euro pro Jahr, ergänzt um ein umfassendes Stipendiensystem". Für besonders überlaufene Studienrichtungen müsse es außerdem eine kapazitätsabhängige Platzbeschränkung geben, so Skalicky im "Industriemagazin". Gleichzeitig glaubt er, "dass das ein utopischer Wunsch ist. Ich habe mich schon damals gewundert, dass es politisch möglich war, Studiengebühren einzuführen." Generell hält Skalicky "das ganze Theater um die Studiengebühren für lächerlich. Zuerst werden sie eingeführt, dann ein paar Tage vor der Wahl wieder abgeschafft - allerdings ohne sich zu überlegen, welche Folgen das haben wird. Jetzt muss man sich Gedanken darüber machen, wie man mit dem Ansturm an Deutschen fertig wird."

"Entweder zu viele Hochschulen oder zu wenig Geld"

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) geht laut Skalicky beim Thema Uni-Budget "sehr schlau", aber "durchschaubar" vor. Sie rücke den Bologna-Prozess in den Vordergrund und lenke so "von der Unterfinanzierung der Hochschulen ab". Auf die Frage, ob die Geldnot nicht daher rühre, dass sich das kleine Österreich 21 Hochschulen leiste, meinte Skalicky: "Fakt ist, dass die technischen und naturwissenschaftlichen Hochschulen unterfinanziert sind. Wir haben also entweder zu viele Hochschulen oder zu wenig Geld. Und eines von beiden wird man ändern müssen." Dabei müsse man sich Gedanken über den wirklichen Bedarf an Absolventen machen: "Es ist ja nicht so, dass es einen unglaublichen Engpass gibt. Was wir brauchen, sind Techniker."

Für "überflüssig" hält Skalicky die bisherigen Empfehlungen des Rats für Forschung und Technologienentwicklung (RFT) zur Forschungsstrategie. Die universitäre Forschung, in erster Linie Grundlagenforschung, finde "doch nicht im luftleeren Raum statt. Wir müssen uns an der internationalen Konkurrenz ausrichten." Er glaube nicht, "dass eine Kommission der österreichischen Bundesregierung besser weiß als wir selbst, wo die Herausforderungen der Zukunft liegen". (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6
stookie
15.04.2010 16:52

Der Rektor, hach ja. Kann sich wer an den Runden Tisch während der Unibesetzung erinnern, wo er minutenlang geschwafelt hat, dass 1000 Architekten ja so schrecklich sind und sonst eigentlich nichts gesagt hat? Ist das jetzt eine neue Taktik, um die Architekten-Zahlen zu reduzieren oder was?

redram
15.04.2010 09:13
Was wir brauchen, sind Techniker

Eine Tatsache, die in Oesterreich wenig bekannt und wenig populaer ist.
Oesterreichs Wohlstand basiert auf dem Export von Waren und Dienstleistungen.
Damit dieser Wohlstand den kommenden Generationen erhalten bleibt, werden mehr gut ausgebildete Techniker benoetigt.

Das G`schichtl vom Tourismusland ist eben nur ein G`schichtl.

Titus Feuerfuchs
20.04.2010 15:41
Oesterreichs Wohlstand basiert auf dem Export von Waren und Dienstleistungen.

Exporte und Dienstleistungen werden wohl nicht nur von Technikern geleistet, oder?

Lobbyismus ist ja ganz nett, aber bitte nicht übertreiben.

Loxoceles
14.04.2010 18:49

Der Unterschied zu einer amerikanischen Elite-Uni ist:
In Österreich zahlen wir wesentlich höhere Steuern. Die Unis werden sozusagen durch die Gesellschaft finanziert. Dies geschieht auf der Grundlage dessen, dass Universitäten für die Gesellschaft insgesamt wichtig sind, aber sich nicht direkt wirtschaftlich rechnen (nur über Umwegrentabilität).
In den USA zahlt der einzelne einen Bruchteil der österr. Steuern und kann daher auch in Studien, Stipendien etc. investieren.
Das gilt auch für Firmen. In den USA gibt es nicht wenige Professuren und Stipendienstiftungen, die von Firmen oder privaten Stiftungen finanziert sind.
Das ist in Österreich kaum denkbar, weil es derart betuchte Firmen mit einem solchen Investitionsverhalten nicht gibt.

Titus Feuerfuchs
20.04.2010 15:42
In den USA zahlt der einzelne einen Bruchteil der österr. Steuern und kann daher auch in Studien, Stipendien etc. investieren.

Schon mal Beiträge für eine Krankenversicherung in den USA gezahlt? Da freuen Sie sich wieder auf Ö.

RS69
20.04.2010 19:03

Schon mal als Besserverdiener in Österreich Sozialabgaben bezahlt?

Um das Geld bekommen's woanders schon Besseres als hier.

Titus Feuerfuchs
30.04.2010 13:55
Als Besserverdiener vielleicht

aber ehrlich gesagt sollte das Steuersystem nicht nur für die oberen 10% einer Gesellschaft gemacht sein (wie in den USA).

RS69
30.04.2010 20:04

"Für sie gemacht" bedeutet überall "die bezahlen am Meisten".

ÖBB
14.04.2010 18:40

Dieser TU-Rektor hat wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! 10 000Euro Studiengebühren fordert der, und das in einem Sozialstaat. Und dann lobt er mit herabschauenden Blick auf die anderen Studienrichtungen "Techniker". So als wären Techniker das A und O. Oder hat er damit Sound Engieers, Mind Engieers, Design Engineers, und Cooperate Identity Engineers gemeint? Solidarität mit den Studierenden! Solidarität!!!

Grundlage
14.04.2010 18:28

Bevor irgendwelche Studiengebührten etc. eingeführt werden sollen, bitte davor bei den Politikergehältern den Hebel ansetzten. Wenn dei Österreichische "Führungsspitze" mitzieht, dann sind andere Belastungen argumentierbar. Ansonsten ist es so, dass zuerst die Bonzen zugreifen und weil der Kuchen eben danach nur mehr klein ist, muss man hald sparen oder Gebühren einführen.
Ich sage zuerst die Bonzen absageln, und dann über weitere Gebührten reden.

Mr. Bubbles
14.04.2010 14:17

als ob österreich weitere ungebildete menschen noch verkraften würde...

jcMaxwell
14.04.2010 20:41

naja, ich glaub da gibts keine grenzen (sagte ja auch schon einstein :))

The Chaos Path
14.04.2010 12:23
das könnte interessant werden....

... denn welcher htler würde sich noch ein technikstudium antun (und htl sind die mehrzahl an einer tu) bei einem verdienst danach, der nicht viel höher liegt als ohne studium. das gäbe wahrlich grosses einsparungpotential an den unis selbst, wenn es plötzlich 50% wweniger studenten gibt.

und jetzt mal ehlich - an den technischen universitäten ist es i.a. kein grosses problem, aufträge aus der wirtschaft zu bekommen. diese tatsache macht seine forderungen noch viel dümmlicher als ohnehin schon.

Queen of Sheba
 
15.04.2010 18:35
"htl sind die mehrzahl an einer tu" - kompletter Unsinn.

geordie
14.04.2010 12:05

Studiengebühren in dieser Höhe wären nur dann denkbar, wenn man gleichzeitig ein System von zinsfreien Studentenkrediten einführt, wie das etwa in Großbritannien oder skandinavischen Ländern üblich ist. Diese Kredite müssen dann erst während der Berufstätigkeit nach dem Studium zurückgezahlt werden. So sind die Studiengebühren auch für jene Studenten leistbar, deren Eltern nicht genug Knödel haben um die Gebühren zu bezahlen!

mikromalist
 
14.04.2010 10:38
Ich verstehe die Stehsätze

des freien Uni Zugangs als Argument für die Benachteiligung sozial Schwächerer nicht.
Wenn 10.000 / Student in einen Pool kommen und davon werden Stipendien, abhängig v. der Finanzkraft, gezahlt, dann zahlen die Betuchten das Studium der Bedürftigen?
Oder, wenn zB die MWST um 10% erhöht würde und jeder Bürger bekäme zB UR 300/Monat flach zurück, zahlten die Betuchten bei den Waren der Bedürftigen mit?
Sind uns Parolen wichtiger, als der eigene Vorteil?

SiSe
14.04.2010 13:46

sind verschiedene Ebenen:

Die Studiengebühren in der alten Form musssten seitens der StudentInnen vorfinanziert werden (defakto ein zinsfreier Kredit für den Staat) bevor man diese über das Stipendiensystem wieder zurückbekam.
Dies ist gerade für Studierende aus sozial schwächeren Schritten ein großes Problem.

Eine weitere Sache, aber mit viel mehr Problemen, ist der phsychologische Faktor - sprich Menschen aus sozialschwächeren Schichten fangen aufgrund der bloßen Tatsache, dass Studiengebühren da sind (obwohl Sie es eh wieder zurückbekommen bzw. nicht zahlen müssten) mit keinem Studium an.

mikromalist
 
14.04.2010 14:07
Sollen nicht Stipendien

für Bedürftige bedeutend mehr ausmachen, als die Studiengebühren?
Fallen da Zinsen, oder Psychologie wirklich ins Gewicht?
Ist es nicht so, dass uns häufig eingelernte Angstmuster den Blick zu Verbesserungen verstellen?

Nur ganz grob: ca 10.000*200.000 sind ca 2 Mrd / Jahr, da müsste es doch was zu verteilen geben?


Saurer Zivi
14.04.2010 10:25
also das möchte ich mir ansehen, wer dann in Österreich noch Geschichte oder Philosophie, Archäologie oder Numismatik bzw andere orchideen studieren will, wenn pro jahr

10.000Euro Studienbeitrag zu leisten sind.

Dann sollte jedoch die Studienprogrammleitung verpflichtend Pläne vorlegen müssen, wie Absolventen mit GARANTIE (fixe anstellungsverträge) pro Jahr mit der erworbenen Ausbildung mindestens Euro 50.000 verdienen können.

sollte das nicht gelingen, gibt es keine grund, dieser form von ausbildung einen derart hohen wert zu unterstellen.

das wäre schlicht und einfach der einzug des turbo-kapitalismus in purer-amerikanischer form und schließlich der tot der orchideen-fächer, geistes- und kulturwissenschaften wären dadurch komatös gestellt.

bravo Eure Effizienz, Rektor Skalicky!

Die Technik und das Kapital treten die Geisteswissenschaften in den Staub.

redram
15.04.2010 09:06

Um den Berufsweg nach der Ausbildung muss sich schon jeder selber kuemmern.
Die Ausbildung kostet aber in jedem Fall viel Geld.
Deshalb sollte der Einzelne nicht so ohne weiteres aus der finanziellen Pflicht entlassen werden.

Eine Alternative/Ergaenzung zu Stipendien waere das englische Modell mit Studienkrediten.
Wenn ich mich richtig erinnere werden dort niedrig oder gar nicht verzinste Kredite zur Finanzierung des Studiums vergeben, die erst bei erreichen eines gewissen Jahreseinkommens zurueckgezahlt werden muessen.

Saurer Zivi
15.04.2010 11:53
eine antwort sind uns die befürworter noch schuldig geblieben...

an den Unis gibt es Rektoren, Dekane und andere Magnificos / as, die auch nicht nur einen einzigen Cent an Studiengebühren zu entrichten hatten.

Zeigen und beweisen Sie uns bitte, dass die universitäre Ausbildung nun 10.000 mal besser geworden ist. Ist sie das nicht, sind die Gebühren einfach nicht gerechtfertigt, sondern Ausfluss einer Ideologie (was sie ohnehin sind).

In vielen Studien wäre mit modernen Medien , VideoStreaming, Uni-TV wie es auch renommierte Fernunis betreiben ein entsprechender kostensenkender Faktor zu nutzen.

Studiengebühren stärken das Ego der Lehrenden, bluten aber die Studierenden aus.

Ein Stipendiensystem ist enorme bürokratische Last und allein das kostet Geld und Zeit und Nerven.

möglichkeit1
15.04.2010 22:52

- früher war die Finanzierung leichter, da der Staat in diesen Jahren noch Schulden machen konnte und andere Budgetposten wie Pensionen, ÖBB, etc. noch kleinere Stücke vom Gesamtkuchen abgezwackt haben. Dadurch war auch mehr Geld für andere Bereich wir Bildung, etc. vorhanden.

Würde oben genannte Aussage nur annähernd der Wahrheit entsprechen, so würde dies im Gegenzug heißen, dass es sich die "alte" Generation auf Kosten der "jungen" Generation zu gut gehen hat lassen, aber die Kosten leider voll auf die Jungen abwälzt. Schade. Mein auf dem Generationsvertrag basierender Lösungsvorschlag: die Kosten gleich auf Jung und Alt aufteilen und somit auch die Pensionisten zu Ihrem Handkuss bitten!

smea_gol
15.04.2010 09:28

die ausbildung mag vielleicht viel geld kosten (wobei das bei archäologen und numismatikern eher geringe beträge im vergleich zu medizin sind), aber es ist legitim, dass die allgemeinheit diese kosten trägt, denn schließlich erwirbt sie damit ein system hochwertiger qualitäten in verschiedenen disziplinen. Sie können sich aussuchen zu welchem Zahnarzt sie gehen, sie haben rechtsanwälte, architekten und wirtschaftstreuhänder, die alle für sie arbeiten. natürlich werden diese einen lohn von ihnen fordern.

aber was haben sie denn für eine ausbildung gemacht, die wahrscheinlich wenig gekostet hat?

redram
15.04.2010 11:06

Die Ausbildung von Akademikern ist mit Sicherheit ein gesellschaftliches Anliegen.
Nur hohe Qualifikation der Bevoelkerung wird mittel- und langfristig den Wohlstand Oesterreichs erhalten.

Es ist auch gerechtfertigt finanziell schlecht gestellte, begabte junge Leute durch Stipendien zu unterstuetzen.

Ueberlegenswert ist aber auch, wohlhabende Studenten bzw. durch ihr Studium wohlhabend gewordene Akademiker
an den Ausbildungskosten zu beteiligen. Schliesslich erwerben sie durch ihre Ausbildung eine privilegierte
Stellung in der Gesellschaft.

smea_gol
19.04.2010 13:51

achso?
ich hab nicht den Eindruck, dass ich als fertiger Akademiker so eine privilegierte Stellung in der Gesellschaft einnehme.
Denn der Stundensatz eines Automechanikers oder Installateurs ist inzwischen um einiges höher als der der meisten Ärzte, Architekten (bei Rechtsanwälten trau ich mich das (noch) nicht sagen).
Und na sowas: Ich als nachfrager eines Installateurs, oder Pickerl-Service fürs Auto werde auch nicht gefragt, ob ich mit dem Geld nicht die Lehrlingsausbildung sponsere (von längerer Zeit, die ein Lehrling für Installateurarbeiten braucht, die ich natürlich auch bezahle, gar nicht zu reden).
Also das sind so ÖVP-Scheinargumente für mich... die zählen nicht.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.