Front gegen Denkmalschutz in Hallstatt wird immer breiter

13. April 2010, 09:12

80 Prozent beteiligten sich bisher an Unterschriftenaktion - Unterstützung auch aus Region - Neue Gesprächsrunde zwischen Gemeinde und Denkmalamt für Anfang Mai geplant

Die Front gegen den Denkmalschutz in Hallstatt wird immer breiter. Bereits 80 Prozent der Wahlberechtigten des 900-Seelen-Ortes haben gegen die geplante Unterschutzstellung ganzer Ortsteile unterschrieben, wie Bürgermeister Alexander Scheutz (S) berichtete. Er befürchtet, dass viele junge Hallstätter abwandern, wenn ihnen beim Umbau ihrer Häuser Steine in den Weg gelegt würden.

In Hallstatt stehen bereits 94 Gebäude unter Denkmalschutz. Laut Gemeinde sollen nun in einer ersten Phase 150 und mittelfristig bis zu 280 weitere, darunter viele Privathäuser, folgen. Das Bundesdenkmalamt wollte vorerst keine Zahlen nennen. Die Bewohner befürchten 30 Prozent Wertminderung und dass die Behörde künftig bei jeder Veränderung - sogar beim Innenausbau - zustimmen muss. Sie fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Sogar den UNESCO-Welterbe-Status will man notfalls wieder zurückgeben.

1.300 Leute Unterschriften

Die Bevölkerung hat eine Unterschriftenaktion gestartet, 1.300 Leute haben bereits unterzeichnet. Das sind deutlich mehr als Hallstatt Einwohner hat, denn auch die übrigen Welterbe-Gemeinden - Bad Goisern, Obertraun und Gosau - sehen sich im selben Boot. Auf den Häusern prangen bereits Transparente mit der Aufschrift "Hallstatt wehrt sich gegen den Denkmalschutz", auf teils englischsprachigen Flugzetteln erklären die Bürger den internationalen Touristen, die Hallstatt in Scharen besuchen, den Grund der Aktion. Laut Scheutz ernten sie dafür auch durchwegs Verständnis.

Zu einer Informationsveranstaltung mit den aufgebrachten Bürgern Ende März hat das Denkmalamt keinen Vertreter geschickt. Das ist in Hallstatt nicht gut angekommen. Vergangene Woche demonstrierte eine Abordnung in Wien vor dem Kulturministerium. Scheutz wurmt es besonders, dass ihn seine Parteikollegin Claudia Schmied bisher nicht persönlich empfangen hat. Sie habe lediglich schriftlich mitgeteilt, dass der ursprüngliche Zeitplan vorerst ausgesetzt sei - bis zu einem Termin zwischen dem Bürgermeister und Denkmalamts-Präsidentin Barbara Neubauer Anfang Mai.

Abwanderung befürchtet

Scheutz befürchtet, dass die Unterschutzstellung von ganzen Ortsteilen junge Hallstätter zur Abwanderung bewegen könnte - ein Problem, das in der geschichtsträchtigen Gemeinde ohnehin bereits länger besteht. Die Bauvorschriften seien auch bisher schon sehr streng gewesen, aber die Menschen hätten es akzeptiert, so der Bürgermeister. Noch mehr wolle er ihnen nicht zumuten.

Hallstatt verfügt mit seiner Lage am gleichnamigen See nicht nur über eine weltberühmte Kulisse, sondern auch über eine historische Bedeutung von internationaler Tragweite. Bereits vor 7.000 Jahren wurde dort im ältesten Salzbergwerk der Welt Bergbau betrieben, was der Region damals großen Wohlstand bescherte. Ein prähistorisches Gräberfeld, der 1734 entdeckte "Mann im Salz" sowie zahlreiche Alltagsgegenstände, die im Salz konserviert wurden, legen Zeugnis von der Geschichte ab. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen archäologischen Funde trägt die ältere Eisenzeit Mittel- und Westeuropas heute auch den Namen Hallstattzeit. (APA)

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13 Postings
faux pas

Hallstatt ist irgendwie doch ein einzigartiger Ort. Von der Bahnstation muß man zuerst in ein Schiff, um an Ort zu gelangen. Jawohl, das Häuserensemble ist wie aus einem Märchenbuch. Die Hallstätter haben aus eigenem Antrieb dieses Ortsbild geschaffen und gepfegt (ohne Denkmalschutz). Es wurden aber vor knapp 30 Jahren einige Häuser am Hafenplatz abrasiert um Platz für Autos zu machen. Dieser faux pas fehlt in diesem kitschigen Video:
http://www.youtube.com/watch?v=IGbS9QWUnDA

Der Herr Lipp zittert sicherlich schon. :)

Fakt ist: wenn aus Wien keine gegenteilige Weisung kommt, wird er wohl nicht von seinem Standpunkt betreffend Hallstatt und auch betreffend Brückenkopfbauten in Linz abgehen - warum sollte er auch?

Falsche Info

Herr Lipp zitiert in der Öffentlichkeit und in den Medien sehr gerne falsche Tatsachen. Nicht der Bürgermeister hat die Leute aufgehetzt, sondern die Lügengeschichten des Herrn Lipp !!! Wenn er sich als Nachfahre von Adalbert Stifter bezeichnet und als Superpsychologe das Verhalten der Bewohner von Hallstatt kommentiert, dann sagt das genug über diesen Beanten aus !

Zu einer Informationsveranstaltung mit den aufgebrachten Bürgern Ende März hat das Denkmalamt keinen Vertreter geschickt. Das ist in Hallstatt nicht gut angekommen.

No na.

Welches kommunikationsunfähige Rindvieh und psychologische Nackerbatzl steht dem Amt eigentlich vor?

abgehoben

Die Beamten des Denkmalamtes verstecken sich hinter dem Gestz und haben es net notwendig sich mit den betroffenen zu unterhalten ! da wird halt drübergefahren - weil das Gesetz deckt das !

Museumsdorf ????

Das Erscheinungsbild dieses historisch bedeutenden, unglaublich schönen, gepflegten Ortes hat sich in den letzten Jahrhunderten gewandelt, zu dem entwickelt, wie wir es heute kennen.

Ensembleschutz + Landschaftsschutz und Naturschutz wird von der örtlichen Baubehörde zumindest gegenüber Privatpersonen auch bisher sehr genau genommen.
Moderne, z.T. wenig identische Bauten/Anbauten stehen nicht im Eigentum Privater!

Was beabsichtigt das Bundesdenkmalamt mit dieser Unterdenkmalstellung?

Soll das Museumsdorf "Hallstatt zu Beginn des 3. Jahrtausends" geschaffen werden?

Die Betroffenen werden vom BDA im Unklaren gelassen, dafür medial als stur und unkooperativ bezeichnet

Hallstatt wird sich verändern

Ich kenne keinen Hallstätter der sein Haus absichtlich verschandelt ! Die Bausünden der letzten Jahre wurden alle mit den Beratern des Denkmalamtes geschaffen ! Der Slogan heisst "Das Alte mit dem Neuen verbinden" und so werden bei öffentlichen Gebäuden dementsprechende Anbauten genehmigt ! Offenbar wollen einige Beamte des Denkmalamtes ihr EGO befriedigen und sich hier verewigen ! NEIN zum Denkmalschutz für Hallstatt !

Großer Respekt

Mein voller Respekt gegenüber den Hallstättern.
Die Anrainer und Eigentümer der Wohnhäuser werden wohl besser wissen, was sie mit ihren Eigentum in Zukunft tun, als ein paar Wiener Bürokraten.
In Wirklichkeit ist es eine Frechheit, wo sich heute der Staat überall glaubt einmischen zu müssen.
Bürger sind mündig genug zu entscheiden, ob sie und wie sie ihre Immobilien nützen oder umbauen wollen.

Ah ja die "Wiener Bürokraten" Hast du eine Ahnung wie viele von euch Bauern in Wien herumrennen. Und wahrscheinlich auch im Denkmalamt

der Herr von nebenan mag sich elegant kleiden,

aber wehe er macht den Mund auf...

Das ist doch völlig egal, woher die Leute kommen. Wichtig ist, dass sie keine Ahnung haben, wie sehr sie in das Dorfleben eingreifen. Wenn ein Haus einmal denkmalgeschützt ist, dann können die Eigentümer nie mehr etwas daran umbauen, ohne einen elendiglich langen Behördenweg in Kauf zu nehmen.
Interessant ist ja auch, dass man an denkmalgeschützten Häusern zwar keine Änderungen vornehmen darf, verfallen darf man es aber schon lassen. Und wenn sich einmal keiner mehr um die Häuser in Hallstatt kümmert, dann stehen dort in 100 Jahren nur mehr Ruinen.

Ich bin Wiener

Sie G`scheiterl. Und "Wiener" war nicht als Schimpfwort gemeint. Aber sie verstehen offenbar "Bauer" als eines.
Es ist vollkommen wurscht, ob die Bürokraten in Wien, Brüssel, Mistelbach oder sonst wo sitzen. Fakt ist, dass diese Leute nicht einer Dorfgemeinschaft anordnen zu haben, wie sie ihre eigenen von deren Familien erbauten Häusern zu verwenden haben!!

also bei mir nebenan wohnt auch so ein loser, der andere als bauern bezeichnet.

:)

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