Ministerrat segnet Glücksspielgesetz ab

13. April 2010, 13:23

Automatenspiel soll künftig in Salons statt in Wirtshäusern stattfinden - Pokercasino noch in Diskussion - Sportförderung wird auf jährlich 80 Millionen erhöht

Wien - Die Regierung hat sich am Dienstag im Ministerrat über ein neues Glücksspielgesetz geeinigt, mit dem die künftige Ausschreibung von Konzessionen für Spielbanken geregelt werden wird. Gleichzeitig wird das sogenannte "kleine Glücksspiel" ab 2014 auf neue Beine gestellt. Der Zugang zum Automatenspiel soll strenger geregelt werden, Höchsteinsätze und -gewinne dürfen aber vervielfacht werden - was schon im Vorfeld zu heftiger Kritik an den geplanten Maßnahmen geführt hatte. 

Geregelt werden soll das umstrittene Automatenspiel weiter von den Ländern, es wird künftig aber bundesweite Standards geben. So wird der mögliche Höchsteinsatz von bisher 0,50 auf 10 Euro, der Höchstgewinn von 20 auf 10.000 Euro angehoben (in Automatensalons). Bei Einzelautomaten in Gasthäusern darf der maximale Einsatz pro Runde nur 1 Euro betragen.

"Gezielte Abzocke" verboten

Gleichzeitig sollen neue Vorschriften den Schutz der Spieler sicherstellen: Die auf vielen Apparaten heute präsente Automatiktaste sowie Parallelspiele soll es künftig nicht mehr geben, "alle diese Tricks, man könnte auch sagen: gezielte Abzocke werden verboten", meinte SP-Staatssekretär Andreas Schieder bei der Vorstellung der Novelle vor der Ministerratssitzung.

Bei den Automaten wird künftig ein bestimmter Ausschüttungsgrad garantiert, Zutritt zu Casinos und Salons bekommen nur Volljährige, die sich auch identifizieren. Die derzeit gut 20.000 legalen und illegalen Automaten sollen auf 5.000 bis 8.000 verringert werden. "Eine totale Prohibition ist aber keine Lösung", sagte Schieder, weil das Spiel sonst "nur ins Internet abgedrängt" werde. VP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka ließ keine Zweifel daran, dass man beabsichtige, das Automatenspiel in den Hinterzimmern der Wirtshäuser auszutrocknen bzw. in Spielsalons abzudrängen, in denen es besser kontrolliert werden kann.

Legalisierung in OÖ

Die Bundesländer seien zwar für die Regulierung des Automatenspiels verantwortlich, die Rahmenbedingungen seien aber so gestaltet, "dass Automatensalons auch wirtschaftlich attraktiver sind als Einzelaufstellungen in Gasthäusern", sagte Lopatka. Rechtliche Probleme wegen der Ungleichbehandlung der verschiedenen Anbieter fürchtet die Regierung keine. 

Das "kleine Glücksspiel" ist derzeit in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten erlaubt. Künftig dürfte es auch in Oberösterreich legal werden. In Vorarlberg und Tirol soll das Automatenspiel weiter verboten bleiben. Offen ist laut Lopatka die Situation in Salzburg und dem Burgenland. Durch die Legalisierung in Oberösterreich und eine höhere Besteuerung werden sich die gesamten Einnahmen aus dem Glücksspiel um rund 50 Mio. Euro erhöhen, rechnet man im Finanzministerium.

Pokercasino noch in Diskussion

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) stellten im Pressefoyer nach der Regierungssitzung die Verbesserung des Spielerschutzes bzw. der Suchtprävention in den Vordergrund. Zudem wurde hervorgehoben, dass es klarere Festlegungen des Glücksspiels gibt, wodurch illegales Spiel erschwert wird. Es werde in einem Bereich Ordnung geschaffen, wo es bisher noch nicht genug Ordnung gebe, meinte Faymann. Pröll betonte, dass es zur Suchtprävention bisher noch nicht einmal eine Anlaufstelle gegeben habe, was man nunmehr korrigiert habe.

Vor allem der Kanzler wies darauf hin, dass es in der parlamentarischen Begutachtung noch zu Änderungen kommen könne. Für Faymann stellt sich da die Frage, ob es neben den nunmehr 15 Casino-Lizenzen wirklich noch eine für eine Poker-Casino braucht, wie es derzeit geplant ist.

Sportförderung steigt

Für den Punkt Sportförderung hat die Koalition eine Regelung gefunden: Sie soll in den kommenden beiden Jahren 80 Mio. Euro betragen - und damit etwas mehr als jene Summe, die heuer ausgeschüttet werden wird. Sollten die Einnahmen danach steigen, ist auch eine Erhöhung der Sportförderung prinzipiell möglich. Die Sportförderung hängt derzeit am Umsatz der Lotterien (3 Prozent). (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3
Francesco Petrarca
01
14.4.2010, 10:25
Wenn sie den Spielhöllen freie Bahn geben, dann sollen Sie doch gleich Heroin &Co. freie Bahn geben.

Bringt noch mehr Steuereinahmen (was ja anscheinend das einzige Kriterium für heutige polit. Entscheidungen ist).

Dass das ganze aber unendlich mehr Schaden -und sogar größere finanzielle Folgekosten für den Staat - mit sich bringt, ist egal. Man schaut ja nur auf das Heute, nicht auf das Morgen.

let's make money
00
14.4.2010, 22:56
muss ja nicht gleich heroin sein

http://www.youtube.com/watch?v=BYaObBQTkpk

Servas Strawanza
00
14.4.2010, 02:11

http://www.falter.at/web/print... php?id=592
Falter "Das unheimliche Glück"
http://www.ejournal.at/Essay/glu... sfall.html
"Dem Glueck auf der Spur"

Auf Youtube gibt es die Club 2 Sendungen rund um Novomatic/Glücksspiel leider nicht mehr

Gobi Todic
03
13.4.2010, 23:08
Heroinsucht breitet sich aus

Regierung beschließt Erhöhung der legal mitführbaren Menge Heroin von 0,5 auf 10 Gramm.

Gratuliere!

homer simpson9
 
05
13.4.2010, 19:58

Unsere Regierung verarrscht uns aufs gröbste! hört endlich auf sie zu wählen!

Husten, Schnupfen, Heiserkeit
04
13.4.2010, 19:17

Übrigens wird Novomatic beim Automatenspiel auch nach dieser Novelle tricksen müssen.
Der Höchstgewinn zB bei Book of Ra beträgt zurzeit bei einem Einsatz von 10 Euro 50.000 Euro (5 Forscher im Freispiel).
Es wird wohl kaum goutiert werden, wenn man plötzlich nur mehr 10.000 Euro für diese Kombination bekommt. Dann gibt's also in Zukunft 10.000 Euro + 4000 Action Games dafür statt 20 Euro + 4998 AG.

mindovermoney
11
13.4.2010, 19:28

Ein Experte?

Mein Beileid

My Cool Losing
10
13.4.2010, 19:00
Unglücksspiel

Wann macht eigentlich bwin sein Versprechen wahr und verzupft sich aus Österreich?
Warum wollen die eigentlich noch immer in Österreich basiert sein?

Detto Novomatic?

Wie geht's eigentlich den ganzen Hacklern, Managern, Software Spezialisten etc. die diese Systeme bauen und am laufen halten? Warum geben sich die dafür her?

(ok, ja ich hab vergessen: zuerst das Fressen, dann die Moral)

Zum wohle wessen werden eigentlich in diesem Land Gesetze gemacht?

Warum wird das Unglücksspiel nicht ala Rauchen immer mehr und konsequent erschwert?

Hyperemesis Gravidarum.

mindovermoney
11
13.4.2010, 19:28

bwin's Hauptstandbein sind doch eher online-Sportwetten und online-poker... Was ist daran auszusetzen?

Auch Spielautomaten müssen mMn nicht verboten werden, ich kann nur einfach nicht nachvollziehen wie man auf diese Automaten so derartig reinkippen kann. Das Problem ist die nicht-nachvollziehbarkeit der gewinn-wahrscheinlichkeiten, sowie die unklarheit darüber ob besitzer denn an der "gewinnschraube" drehen können oder nicht...

Ich denke, dass es wohl stärker suchgefährdete Menschen gibt, denen man es einfach nicht zu leicht machen sollte. Aber ein mündiger erwachsener sollte mit seinem Geld mehr oder weniger machen dürfen was er will.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit
00
13.4.2010, 19:07

Offiziell ist bwin in Gibraltar ansässig, was das Online-Geschäft betrifft. Für Gibraltar besitzen sie sogar eine Glücksspiellizenz und bieten damit in aller Herren Länder Roulette etc. an.

My Cool Losing
00
13.4.2010, 19:20

http://kurier.at/wirtschaf... 993632.php
"... Von den 1500 Mitarbeitern ist rund die Hälfte in Österreich tätig...."

Husten, Schnupfen, Heiserkeit
00
15.4.2010, 22:32

Ja eh, sie haben extra die Hälfte in Gibraltar sitzen, um als gibraltesisches Unternehmen zu gelten.
Wichtig für Lizenz, Schadenersatzklagen etc.

Advaita0
50
13.4.2010, 18:58
Rotstrichler aufgepasst

Automaten SIND Glücksspiele. Wenn man das Glück hat zu einem zu kommen, der lange nichts ausgespuckt hat, dann ist die Möglichkeit höher dort Freispiele und gute Kombinationen zu bekommen.
Auch hier gehört Beobachtungsgabe dazu. Denn wenn man zu einem Automaten kommt, der grade "abgesahnt" wurde, dann wird der nach Adam Riese nicht so bald wieder ausschütten.
Sinnvoll ist es ein paar Mal zu drücken und sich nicht zu versteifen. Gibt er nichts, dann gehen!

Adams, 42 Adams
00
19.5.2010, 14:50

hab über 10 Jahre in der Branche gearbeitet aber so einen absoluten Müll hab ich noch nie gehört!

Tante Herbert
03
13.4.2010, 23:34
Also das *Glück* merkt sich wos schon war???

Wissen Sie, was ein Logikfehler ist??

icke
02
13.4.2010, 19:34
selten..

wirklich selten so einen schwachsinn gelesen...dem gerät ist es komplett egal, ob es 3 mal in Folge einen Jackpot ausschüttet, oder einmal in drei jahren. da könnt ich ja auch "Beobachtungsroulette" einführen und das als Geschicklichkeitsspiel bezeichnen (oder als "mind game" wie poker)

peace & love
22
13.4.2010, 21:02
ich fürchte nicht.


das gerät ist nämlich mittlerweile vernetzt und ferngesteuert. so etwas wie 'zufall' ist zu wichtig, um in den händen von gamblern zu bleiben.

Rigglerobber
00
14.4.2010, 07:33

Vom Zufall haben Sie wenig Ahnung, gell? Oder haben Sie schon mal von einer Lottogesellschaft gehört, die Pleite gegangen ist, weil ständig wer gewonnen hat?
Solange die Auszahlungsquote unter 100% liegt, braucht der Betreiber gar nicht betrügen, um Geld zu verdienen... aber das ist höhere Mathematik, glauben's lieber weiterhin daran, dass da wer in einem dunklen Hinterzimmer sitzt und die Gewinne per Knopfdruck verteilt.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit
00
15.4.2010, 22:40

und wenn 3 mal an einem tag wer den superjackpot gewinnt? halten Sie es nicht für möglich, dass der spielveranstalter da sicherheitshalber eine subroutine vorgeschaltet hat, die so etwas verhindert?

oder dass ein wirtshaussbetreiber für seinen automaten eingestellt bekommt, dass nur das gewonnen wird, was vorher reingesteckt wurde? was macht ein wirt, bei dem im monat 5000 euro reingesteckt werden, wenn jemand die 50.000-euro-kombination erwischt? nimmt er einen kredit auf, den er in einem jahr durch die spieleinnahmen zurückzahlt?

icke
00
19.4.2010, 15:38
nur mathematik

ich denke mal, dass ist rein mathematisch zu betrachten: wenn zB die chance auf den superjackpot 1:500.000 ist, bedeutet das ja nur, dass von 500.000 Gewinn-, besser gesagt, Ergebniskombinationen, nur eine einzige den Hauptgewinn darstellt. Die Chance, darauf zu spielen, dass der Jackpot 2 mal hintereinander in Folge fällt, ist somit 500.000*500.000, also sehr gering. Insofern denke ich, dass die Chance des Wirtes, mit dem Automaten Geld zu verdienen, noch immer sehr groß ist. Falls es wirklich passieren sollte, kann er sich sicher sein, dass statistisch die nächsten 250.000.000.000 Spiele, der Jackpot nicht mehr fallen "sollte".

Erwin Brandstetter
00
19.4.2010, 19:03
"Mathematik" wird hier so buchstabiert: "Betrug"

Der letzte Satz ist ein Blödsinn. Wenn der Automat tatsächlich zufällig operiert (was man in Zweifel ziehen kann), haben vorangegangene Ereignisse keinerlei Auswirkung auf nachfolgende.

Das reale "Glücksspiel" ist organisierter Betrug. Mathematische Überlegungen sind nur eine akademische Fingerübung in dem Zusammenhang. Oder eine Rechtfertigungsstrategie für Süchtige - in dem Fall aber praktisch ausnahmslos falsch.

icke
00
20.4.2010, 15:46
bitte genau lesen

Meine "Berechnung" geht davon aus, dass es sich um korrekt programmierte "Zufalls"automaten handelt. Dass vorangegangene Ereignisse keine Auswirkung auf das folgende Ergebnis hat, wurde von mir nie bestritten. Ich schrieb auch: "darauf zu spielen, dass der Jackpot 2 mal hintereinander in Folge fällt". Völlig klar ist, dass mit jedem drücken der "Start"-Taste, die Chance IMMER 1:500.000 ist. Dass durch Erhöhen der Ergebnisskombinationen auf zB 750.000 die Chance auf den Jackpot geringer wird, ist somit auch logisch, jedoch kein Betrug. Von Betrug würde ich erst sprechen, wenn man die Jackpotkombination auf Verlangen abrufen kann. Der Wirt, der den JP tatsächlich 2mal in Folge auszahlen muss, kann sich wohl als Pechvogel des Jahres bezeichnen

Advaita0
10
13.4.2010, 20:01
dann gehe nach einem Spieler, der 4000 bekommen hat und spiel weiter.

Viel Vergnügen :-)

My Cool Losing
07
13.4.2010, 19:09

Ab in die nächste Spielsucht Beratungsstelle.
Flott!

efficient
01
13.4.2010, 18:54

Wer kann mir das letzte Gesetz nennen das im Sinne der Bevölkerung gemacht wurde?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.