Vorarbeiten für die nächste Saison: Industrie und Tourismus setzen auf Schulskikurse als Lockmittel für Schneesport
St. Anton - Noch ist das Geschäft mit dem Schnee des heurigen Winters nicht endgültig abgerechnet, schon beginnen die Vorarbeiten für die nächste Saison. Die vor zwei Jahren aus dem Boden gestampfte "Allianz Zukunft Winter" , eine Interessengemeinschaft aus Tourismus-, Freizeit- und Seilbahnwirtschaft sowie Skiindustrie und Skischulverbänden, will jetzt auch die Lehrer in die Gondel holen. Mittels Gratis-Skiern oder zumindest stark verbilligter Ausrüstung sollen diese motiviert werden, mit den Schülern wieder vermehrt auf Schul-skiwochen zu fahren.
"Lehrer und Eltern sind der Schlüssel, um Kinder und Jugendliche wieder für Aktivitäten im Schnee zu begeistern" , sagte der Sprecher der Allianz, Franz Schenner, bei einem Tourismusseminar der Wirtschaftskammer in St. Anton am Arlberg. Da ein zurück zu verpflichtenden Schulskikursen, wie es sie in Österreich bis Mitte der 1990er Jahre gegeben hat, illusorisch sei, sollten zumindest Barrieren für Schulskiwochen wie die 70-Prozent-Zustimmungspflicht in der Klasse abgebaut werden, forderten Allianz-Mitglieder.
300.000 Schulkinder als Ziel
Kamen in Zeiten verpflichtender Wintersportwochen pro Jahr noch 300.000 Schulkinder mit Schnee in Berührung, sind es derzeit nur mehr 140.000. "Eine ganze Generation an Skifahrern ist durch Versäumnisse in der Vergangenheit allein in Österreich verloren gegangen" , sagte Schenner. Ziel sei es, wieder an die Zahl von 300.000 anzuschließen und so einen Beitrag zur Zukunftssicherung der vom Geschäft rund um den Schnee lebende Branchen zu sichern.
Um auch Kindern weniger gut situierter Eltern die Teilnahme an einer 300 bis 350 Euro teuren Schulskiwoche zu ermöglichen, werden Patenschaften überlegt. Die Förderprogramme sollen in weiterer Folge mit den zuständigen Ministerien (Unterricht, Sport, Wirtschaft) besprochen und mit den Fachinspektoren abgestimmt werden.
Österreichs Seilbahnwirtschaft versucht unterdessen, einen zuletzt in Salzburg gestarteten Modellversuch auf ganz Österreich auszudehnen: Alle Lehrerinnen und Lehrer, die Wintersportwochen organisieren oder begleiten, sollen zwei Skigebiete ihrer Wahl mit Gratis-Tageskarten testen können inklusive Besuch von Jugendgästehäusern. Es war unter anderem der teils erbärmliche Zustand mancher Jugendunterkunft, die die Schulskikurse in der Vergangenheit in Verruf gebracht hat. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.04.2010)