Deutschland hat heute mit der Versteigerung der freien Funkfrequenzen begonnen - In Österreich soll RTR-Gutachten die nächsten Tage an Faymann und Bures übergeben werden
Sollten nicht mehr benötigte TV-Frequenzen - die sogenannte Digitale Dividende - an die Mobilfunkbranche abgegeben werden, könnte dies zu technischen Störungen im TV-Empfang und zu Mehrkosten für einige TV-Nutzer führen, warnt das Bundesgremium des Elektrohandels in der Wirtschaftskammer. Die Handynetzbetreiber räumen ein, dass es zu Zusatzbelastungen kommen werde, diese würden aber keineswegs im zig-Millionen-Bereich liegen. Außerdem dürften die Probleme nicht dazu führen, dass der Ausbau mit Breitband-Internet am Land dadurch gestoppt werde, so die Interessenvereinigung der Mobilfunker, FMK.
Gewährleistungs- und Garantieansprüche
Laut Wirtschaftskammer müssten mehr als eine Million Haushalte, die TV-Programme digital terrestrisch empfangen, im Regelfall die DVB-T-Box austauschen, da sie sonst einen gestörten oder gar keinen Bildempfang haben. Die Elektrobranche hat nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, das etwaige Schadensersatzansprüche klären soll. "Es stellt sich nämlich das Problem, dass bei Bildstörungen, verursacht durch die möglicherweise Änderung der Empfangssituation, Gewährleistungs- und Garantieansprüche geltend gemacht werden", so Gremialobmann Wolfgang Krejcik.
FMK-Präsident und Orange-Chef Michael Krammer beruhigt hingegen. "Beeinflussungen lassen sich grundsätzlich nicht ausschließen, jedoch sollten diese laut aktuellen Untersuchungen nur in ganz wenigen und speziellen Fällen eintreten und schon bei einer Entfernung von 1 Meter zwischen Handy und TV-Gerät oder Settop-Box nicht mehr gegeben sein. Eine Umrüstung würde sicher keinen zu unterschätzende Betrag ausmachen, aber jedenfalls weit unter den kolportierten Kosten in der Höhe von zig Millionen Euro liegen", hieß es zur APA.
Alternativen
Klaus Steinmaurer von T-Mobile spielt den Ball an die Elektrobranche zurück: "Richtig ist , dass man sich schon über mehrere Jahre darüber im Klaren sein musste, dass mit Freiwerden der Frequenzen aus dem analogen Fernsehen eine Verwendung im Mobilfunkbereich bevorsteht. Dennoch wurden laufend trotz möglicher Alternativen durch den Elektrohandel billige DVB-T Geräte - die überdies auch ohne Digitale Dividende sehr störungsanfällig sind und die Kunden in Scharen zu Satellit und Kabel treiben - vertrieben, die mangels Abschirmung natürlich störungsanfällig gegenüber allen möglichen Frequenzen sind." Auch "3"-Chef Berthold Thoma verweist darauf, dass Probleme nur bei alten, nicht abgeschirmten Settop-Boxen auftreten. "Wir sind davon überzeugt, dass dieses Problem bewältigt werden kann, wie es uns auch das benachbarte Ausland zeigen wird", so Thoma.
Beim Nachbarn Deutschland ist man jedenfalls schon viel weiter. Während in Österreich bis 2014 geklärt werden soll, wer die Frequenzen bekommt - auch der ORF bzw. die Sendetochter ORS und die Kabelnetzbetreiber wollen sie - hat in Deutschland heute die Versteigerung an die Mobilfunkbranche begonnen. Experten rechnen mit Versteigerungserlösen im einstelligen Milliarden-Bereich. Vor zehn Jahren hatte die spektakuläre UMTS-Auktion mehr als 50 Mrd. Euro Erlöse in die deutsche Staatskasse gespült.
Studie
Im Dezember 2009 hat die österreichische Regulierungsbehörde RTR eine Studie in Auftrag gegeben, die Nutzungsmöglichkeiten aus volkswirtschaftlicher Sicht bewerten und Handlungsempfehlungen für die politischen Entscheidungsträger entwickeln soll. Mit der Erstellung der Studie wurde die Arbeitsgemeinschaft "AB Consulting (Arne Börnsen)/Infront Consulting & Management GmbH" ("ARGE ABI)" mit Sitz in Hamburg) beauftragt. In den nächsten Tagen soll die Endfassung vorliegen und dann umgehend Bundeskanzler Werner Faymann (S) und Infrastrukturministerin Doris Bures (S) übergeben werden, so die RTR.
Die Digitale Dividende, die durch die Digitalisierung des Antennenfernsehens frei geworden ist, eignet sich auf Grund ihrer Wellenlänge besonders, um ländliche Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen. Über die Frequenzen soll dann bereits die nächste, 4. Generation des Mobilfunks laufen: LTE oder Long Term Evolution wird die Nachfolgegeneration für UMTS. Auf der weltgrößten Mobilfunkmesse "mobile world congress" in Barcelona wurde heuer ein LTE-Test mit österreichischer Beteiligung demonstriert. Ein Musikvideo wurde dabei während eines Wimpernschlages heruntergeladen. Mit LTE sind Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde möglich. (APA)