Flugzeugunglück

Kaczynskis Pilot ignorierte alle Warnungen

12. April 2010, 14:53
  • Artikelbild
    foto: apa/epa/pietruszka

    Jaroslaw Kaczynski kniet am Warschauer Flughafen vor dem Sarg seines Bruders

  • Artikelbild
    foto: ap/metzel

    Trauer vor den Trümmern: Ein Mann brachte Blumen an die Unglücksstelle in Smolensk.

Polen trauert um die Opfer von Smolensk - Spekulationen um Absturzursache - mit Video

Warschau - Mit zwei Schweigeminuten gedachten am Sonntag Millionen Polen ihres Präsidenten Lech Kaczynski, der am Vortag zusammen mit weiteren 96 Menschen bei einem Flugzeugabsturz nahe des russischen Smolensk ums Leben gekommen war. Der Tod Kaczynskis und zahlreicher Spitzenvertreter aus Politik und Militär sorgte auch weltweit für Bestürzung und Trauer. Unterdessen wurde immer deutlicher, dass der Absturz durch einen Pilotenfehler verursacht worden war. Demnach soll der Kapitän der Maschine trotz dichten Nebels und mehrfacher Warnungen der russischen Lotsen die Landung in Smolensk versucht haben. Laut polnischen Journalisten hatte Kaczynski schon einmal, 2008 im georgischen Tiflis, einen Piloten zu einem riskanten Landemanöver zwingten wollen. Dieser weigerte sich, landete in einem Nachbarland und wurde daraufhin vom Präsidenten der Befehlsverweigerung bezichtigt. In Polen finden nun spätestens Ende Juni vorzeitige Präsidentschaftswahlen statt.

*****

Der russische Premier Wladimir Putin verabschiedete die Särge Sonntagnachmittag am Flughafen von Smolensk. Wenige Stunden später kamen die sterblichen Überreste des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seiner Frau Maria in Warschau an, wo Tausende nach der Nachricht vom Absturz der Staatsmaschine vor dem Präsidentenpalast ausgeharrt und getrauert hatten. Die Menschen legten Blumen, Kerzen und Billets nieder. Vor allem aber stellten sich alle die Frage nach der Unglücksursache.

Das Untersuchungskomitee der russischen Staatsanwaltschaft hat vorläufig ausgeschlossen, dass ein technisches Gebrechen die Absturzursache war. "Wir werden zwar die Aufzeichnungen in Moskau eingehender studieren, die Aufnahme, die uns zur Verfügung steht, bestätigt aber, dass es keine technischen Probleme mit dem Flugzeug gegeben hat", hieß es.

Die Auswertung der Daten aus der sichergestellten Black Box, an der polnische und russische Experten teilnehmen, dauerte Sonntagabend vorerst noch an. Der Voice-Recorder befand sich laut den Ermittlern in einem "befriedigenden" Zustand.

Luftfahrtexperten zufolge gilt die Tupolew 154 als nicht sehr sicheres Flugzeug. Die polnische Präsidentenmaschine war bereits 20 Jahre alt und stand schon im Dienst von Wojciech Jaruzelski, Lech Walesa und Aleksander Kwasniewski. Das Flugzeug hatte bisher 5004 Flugstunden absolviert, die Lebenszeit einer Tupolew 154 wird von Fachleuten mit 30.000 Stunden angegeben.

2008 hatte die Unglücksmaschine technische Probleme mit einem Steuerseil und stand zwei Tage in Seoul. Im Dezember 2009 wurde das Flugzeug von dem russischen Flugzeugwerk Awiakor in Samara generalüberholt, die Innenausstattung und die drei Motoren des Typs D30-KU wurden erneuert.

Laut den vorläufigen Ermittlungsergebnissen ist die Absturzursache auf die Weigerung des Piloten, auf einen Ersatzflughafen auszuweichen, zurückzuführen. Der Pilot wusste über die schwierigen Wetterverhältnisse in Smolensk Bescheid und hatte trotzdem entschieden, dort zu landen.

Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte dichter Nebel. Laut dem russischen Wetterdienst Fobos betrug die Sicht weniger als 800 Meter, teilweise sogar unter 500 Meter. Dazu kommt, dass der Militärflughafen Smolensk Nord, wo die Präsidentenmaschine landen sollte, laut russischen Luftfahrtexperten nicht mit Landeleitsystemen, wie es sie auf zivilen Flughäfen gibt, ausgestattet ist. Der frühere polnische Militärpilot Michal Fisher sagte dem TV-Sender Russia Today, dass das Landesystem ILS der Tupolew 154 nicht mit dem in Smolensk Nord eingesetzten russischen System PRMG kompatibel sei.

Indes wird darüber spekuliert, was den Piloten dazu gebracht haben könnte, ein derartiges Risiko einzugehen. Die russische Internetzeitung Gazeta.ru berichtete, dass hinter dem Steuer der Präsidentenmaschine die "besten Militärpiloten Polens" saßen. Der Pilot der Präsidentenmaschine habe mehr als 200 Flugstunden in dem Unglücksflugzeug absolviert. "In der zivilen Luftfahrt bekommt ein Flugkapitän ernsthafte Probleme, wenn er in so einer Situation landet - selbst wenn die Aktion gutgeht", zitiert die Zeitung Gazeta Wyborcza anonym einen Piloten der staatlichen Linie Lot.

Die polnischen Journalisten, die am Unglückstag eine Stunde und 45 Minuten vor Kaczynski sicher in Smolensk landeten, spekulieren darüber, dass es der Präsident selbst gewesen sein könnte, der den Piloten anwies, im Nebel zu landen. Die polnische Delegation hatte ein dichtes Programm. Um 11.30 sollten sie bereits am Friedhof in Katyn an der Gedenkfeier teilnehmen. (red/Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 391
1 2 3 4 5 6 7 8 9
juan saragossa
00
15.4.2010, 19:01
Kaczynskis Pilot ignorierte alle Warnungen...

Dies ist die offizielle Darstellung der polnischen Regierung und ist glatt gelogen!

onlooker
00
21.12.2010, 10:20
wenn sie es bezweifeln, geben sie ihre meinung wieder?

ist sicher interessant

Friedrich Ackermann
00
15.4.2010, 13:06
Aktuelle Meldung orf.at: Pilotenfehler (wer's glaubt)

Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine deuten die Ermittlungen russischen Medienberichten zufolge weiter auf einen Pilotenfehler hin. "Eine Analyse der Beweismittel, darunter erste Ergebnisse der Auswertung der Flugschreiber, zeigen, dass ein Pilotenfehler zu dem Unglück führte", meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Die Piloten seien möglicherweise nicht mit den Besonderheiten der Steuerung des Flugzeugtyps Tupolew-154 vertraut gewesen. So verliere die Maschine russischer Bauart nach einem starken Sinkflug auch bei waagerechter Flugbahn zunächst weiter an Höhe.

Jeszcze Polska nie zginela!
01
15.4.2010, 09:53
Die polnische Zeitung "Wyborcza" berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Außenministeriums,

dass der Airport Smolensk aufgrund der schlechten Wetterbedingungen gar nicht hätte arbeiten dürfen. Ein Flughafenangestellter sagte demnach: "Wir sind alle schuld an dieser Tragödie. Der Flughafen hätte geschlossen werden müssen." Angesichts des dichten Nebels sei eine Landung zumindest bis 12 Uhr mittags "kategorisch verboten" gewesen. "Aber wir konnten das nicht tun, weil das als diplomatischer Skandal und Beleidigung des polnischen Präsidenten wahrgenommen worden wäre."

heinz feichtinger
11
13.4.2010, 00:00
Es geht um der Zynismus Die"Präsidentenmaschine " ist doch sicher gelandet - vielmehr "todsicher" :

Dass ein Navigationsfehler vorlag ist klar, denn welcher Pilot nimmt schon Fichtenwipfel als "Bremshilfe" ? Was bei Paragleitern schon mal hilfreich ist - wird bei Flugzeugen durch Landeklappen und Umkehrschub gemacht - vorausgesetzt der Pilot und oder sein Co-Pilot oder die technische Assistenz ( Instrumentenlandung) erkennen die Piste korrekt. Auf diesem Flughafen waren die Voraussetzungen für "Blindlandung" nicht gegeben - und man ist eben "daneben" gelandet im Leben nach dem Tod. Hat es öfter schon gegeben und es sollte alles getan werden, um die gewünschte Destination zu erreichen.
Aber vielleicht waren die Forstarbeiter schuld, die die Fichten nicht rechtzeitig gefällt haben ?
Anflugschneisen schlagen hieß doch deren Auftrag !

carbonara
21
12.4.2010, 17:41
"Das Untersuchungskomitee der russischen Staatsanwaltschaft hat vorläufig ausgeschlossen, dass ein technisches Gebrechen die Absturzursache war"

.......Respekt, die sind aber flott.

Bei anderen Abstürzen dieses Kalibers dauert die Klärung der Unfallursache meist ein bisschen länger (Monate bis Jahre).

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
13.4.2010, 09:50
schon einmal die Bedeutung der Wortes "vorläufig"

geistig in seiner vollen Tragweite erfaßt??

yoghurtinator
 
01
12.4.2010, 22:06
Wenn es ein Absturz ist

Aber der vorliegende Fall dürfte ein CFIT sein.

Matthias Schindler
00
12.4.2010, 17:30
djfunk4o
00
12.4.2010, 17:02

BREAKING NEWS stop mit der discosion ! schauts nach oben. HAB DIE MASCHINE GERADE ÜBER vienntyn GESEHEN ! ! !

DDr.Klugscheisser
00
12.4.2010, 16:22
Kommt Leute...

FS-X oder besser noch FS2004 gestartet, TU154 und dichten Nebel geladen und dann mal schauen, ob wir das Ding nicht heil runter bekommen!
Gibt es schon eine HD Map und Szenerie von Smolensk? Nicht das der entscheidende Hügel fehlt!

taufrisch
00
12.4.2010, 16:17
"Wenige Stunden später kamen die sterblichen Überreste des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seiner Frau Maria in Warschau an"

Leider nicht. Die Leiche der verstorbenen Präsidentengattin ist derzeit noch nicht identifiziert.Lt "Russia Today" wird man alles daran setzen, sie mittels DNA-Tests in den nächsten Tagen zu identifizieren.
Auch bei Katastrophen wäre ordentliche Recherche förderlich !

Tschuri Cazzino
 
02
12.4.2010, 16:00
Wenn es den Tatsachen entsprechen sollte, das der Präsident

den Piloten unter Druck gesetzt haben sollte, so ist der Tod Kacziyskis beinahe eine Bestätigung des Darwinismus, der besagt, dass weniger Fitte die natürliche Selektion nicht überstehen. Der Haken daran ist, dass sich die Kaczynskis bereits vermehrt haben und überdies durch Redundanz (eineige Zwillinge) von der Natur dafür vorgesorgt wurde, dass die Gene ziemlich sicher im Pool erhalten bleiben.

DDr.Klugscheisser
23
12.4.2010, 15:40
Eindeutig Pilotenfehler!

Er hätte tatsächlich den Befehl verweigern müssen.

Erinnern wir uns kurz an die DDR Grenzsoldaten. Laut aktueller Rechtssprechung hätten die ja damals ebenfalls den Befehl verweigern müssen, um ungeschoren vor den Gerichten der neuen Okkupanten davon zu kommen.

Lustig, das hätte ich mir gern angeschaut. Die wären schneller für immer in Bautzen verschwunden, als sie hätten "hupps" sagen können. Wenn sie es denn überlebt hätten.

Erfolg hat der, der seine eigenen kriminellen Machenschaften immer erfolgreich anderen in die Schuhe schieben kann.

Hier hat das offenbar nicht vollständig funktioniert.
Der Dreck wird aber sicher am Piloten hängen bleiben.
Wahrscheinlich kriegt die Familie zur Strafe nicht einmal die geringe Pension.

Tschuri Cazzino
 
00
12.4.2010, 20:28
Die ehemalige DDR ist nicht wie Sie fälschlich behaupten besetzt,

sondern wird von einer frei gewählten Regierung regiert. Falsch ist weiter, dass in Bautzener Gefängnissen systematisch Insassen getötet worden waren, wie Sie es in Ihrem Post suggerieren wollen.
Ich werde mir zu gegebener Zeit erlauben, Sie an Ihre dann widerlegten Prognosen über die Schuldfrage und die Behandlung der Familie des Piloten zu erinnern.

Igor Gassner
00
24.4.2010, 13:05
Die ehemalige DDR ist der BRD beigetreten

nur es gab diesen Beitritt eigentlich nie, eigentlich müsste es heissen die BRD hat das Gebiet der DDR eingesammelt denn völkerrechtlich ist es zweifelhaft ob die DDR jeh aufgehört hat zu bestehen wonach neben Preussen ( kein Land kann ein anderes Auflösen das ist Völkerrechtlich nicht möglich) dem Deutschen Reich, auch die DDR als rechtlicher Zombistaat durch die deutsche Geschichte geistert das wäre nicht so schlimm wäre, würde die BRD völkerrechtlich ein Staat sein, was sie nicht ist, aber die DDR eben in größerem Umfang als die BRD war.

Tschuri Cazzino
 
00
13.4.2010, 17:32
Aber nur wenn man nicht lesen kann.

Unfassbar daneben ist es die BRD als nicht frei zu bezeichnen.

t-bonesteak
00
13.4.2010, 10:21
worte wie "ddr" und "frei" in einem satz

ist schon unfassbar daneben.

pandoras box
00
14.4.2010, 10:31

das hätten sie wohl gerne. sinn-erfassend gesehen sind es die "worte" (von mir aus korrekt: die begriffe) "ehemalige DDR" sowie "frei gewählt[e regierung]", die natürlich in einem satz zusammen passen, weil völlig richtig.

derbrain
00
13.4.2010, 15:15

Man beachte den Unterschied zwischen "wird" und "wurde". "Die ehemalige (!) DDR [...] WIRD von einer frei gewählten Regierung regiert."
Der DDr.Klugscheisser meinte mit Okkupanten die BRD.

DPfand
00
12.4.2010, 17:58
"hupps"

wären sie aus Bautzen von der Bundesrepublik freigekauft worden, wie zehntausendfach geschehen.

Trinkens, "hupps" nicht so viel!!

DDr.Klugscheisser
10
12.4.2010, 18:11
Und darauf hätten Sie spekuliert?

Tut mir leid, aber das nehme ich ihnen sogar unbesehen nicht ab.

Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass ein Teil meines Postings unter Abusus von phychotrophen Substanzen entstanden ist?
Vor allem um diese Tageszeit?

Ich werde das Gefühl nicht los, Sie posten eher auf Basis eines diffusen Bauchgefühls, als auf Basis relevanter Information. Könnte das sein?

1992
06
12.4.2010, 15:36
"die besten militärpiloten"

genau das ist das problem: die militärpiloten werden, anders als die zivilen, nicht auf sicherheit, sondern auf risiko trainiert; und sie ordnen sich widerspruchslos der hierarchie unter - wenn der präsident befiehlt, wird gehandelt. ein zivilpilot wäre längst auf einen sicheren flughafen ausgewichen und hätte auf sein recht gepocht, die entscheidung zu treffen.

Tschuri Cazzino
 
02
12.4.2010, 15:52
Nicht unbedingt. Aber die Wahrscheinlichkeit,

dass der Befehlsempfänger von seinem höchsten Vorgesetzten leichter unter Druck zu setzen ist oder auch nur in vorauseilendem Gehorsam gefallen will, als eine relativ unabhängige Privatperson, ist gegeben.

woidviadla
116
12.4.2010, 14:42
Na klar, diese Ost-Flieger.

Alles Rübenbomber. "Nicht sehr sicher", "schon 20 Jahre" (ist glaub ich unter dem Durchschnitt aller Flieger auf dieser Welt), "5004 von 30000 Flugstunden" (also eigentlich jungfräulich).

Wir lieben dieses herrliche Ost-Bashing, gell?

Hab mich schon gefragt, was mit dem ILS war. Derweil gabs gar keins. Andere Navigationssysteme nicht kompatibel. Also Sichtflug-Landung. Bei dichtem Nebel. Man denke nur ans Autofahren bei dichtem Nebel.

Das ist einfach Wahnsinn, wenns gut geht reines Glück. Egal in welchem Flieger man sitzt. Wurscht, wie "sicher" das Flugzeug ist.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 391
1 2 3 4 5 6 7 8 9

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.