"Die Hassreden müssen verboten werden"

11. April 2010 18:26
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    Zur Person:
    Die Südafrikanerin Navanethem Pillay (68) ist seit September 2008 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Die Juristin und frühere Anti-Apartheid-Kämpferin war zuvor Richterin am Internationalen Strafgerichtshof.

Südafrika ist laut der Uno-Menschenrechtskommissarin Navanethem Pillay weit von neuen Rassenkonflikten entfernt - STANDARD-Interview

Den umstrittenen Goldstone-Bericht zum Gaza-Krieg verteidigte sie im Gespräch mit Julia Raabe.

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STANDARD: Kurz vor der Fußball-WM geht in Ihrem Heimatland Südafrika die Angst vor Rassenunruhen um. Was ist schiefgelaufen?

Pillay: Wir haben es mit extremistischen Rändern zu tun. Es hat nichts mit einem Konflikt im ganzen Land zu tun. Es gibt keine Rassenprobleme. Wichtig ist, dass der Rechtsprozess im Gange ist. Die Polizei hat den Mord an (dem weißen Rechtsextremisten) Terreblanche untersucht, zwei Personen wurden angeklagt. Von der Jugend des ANC (Regierungspartei, Anm.) kommen rassistische Bemerkungen. Südafrikas Regierung muss sich darum kümmern.

STANDARD: Das heißt konkret?

Pillay: Hassreden müssen verboten und strafrechtlich verfolgt werden. Das hat es in Südafrika schon gegeben. Es gab etwa dieses überaus abfällige Wort Kaffer (rassistische Bezeichnung für Schwarze, Anm.). Dieses Wort ist verboten, keiner verwendet es mehr.

STANDARD: Reicht der Aufruf des ANC an Jugendführer Julius Malema, seine Reden zu unterlassen?

Pillay: Wenn er nicht aufhört, muss es weitere Maßnahmen geben. Es muss klar sein, dass man es ernst meint. Das ist wichtig, damit die Opfergruppe so etwas wie Gerechtigkeit empfindet. Sonst gibt es Vergeltungsmaßnahmen. Südafrika war Gastgeber der Weltkonferenz gegen Rassismus vor acht Jahren und der Nachfolge-Konferenz 2009. Es sollte bei der Umsetzung der Verpflichtungen die Führung übernehmen.

STANDARD: Am Goldstone-Bericht zum Gaza-Krieg hat es starke Kritik gegeben. Hätte man etwas anders machen müssen?

Pillay: Der Bericht ist eine genaue Untersuchung. Zu den Empfehlungen gehört, dass der Sicherheitsrat die Sache an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) überweisen soll, falls es keine echten nationalen Untersuchungen gibt. Das hat es nie zuvor gegeben. Der Menschenrechtsrat hat mich aufgefordert, mit einem Expertenpanel zu prüfen, ob die Ermittlungen glaubwürdig sind. Wenn die richtig durchgeführt werden, ist das das Ende der Geschichte.

STANDARD: Ob es dafür den Willen gibt, ist aber äußerst zweifelhaft.

Pillay: Es ist immer eine Herausforderung, Regierungen dazu zu bringen, den Verpflichtungen unter internationalem Recht nachzukommen. Aber wir haben viel erreicht. Israel führt schon Ermittlungen durch. Wenigstens sind diese ersten Schritte gemacht. Die Hamas ist ebenfalls bereit, Untersuchungen durchzuführen.

STANDARD: Glauben Sie wirklich, dass da etwas herauskommt?

Pillay: Es ist immer schwierig. In Ex-Jugoslawien hat es eine lange Zeit gedauert, bis (Ex-Präsident) Milošević verhaftet wurde und nun (der bosnische Serbenführer) Karadžić. Das sind langsame Schritte, aber sie sind wichtig.

STANDARD: Iran bewirbt sich für einen Sitz im Menschenrechtsrat. Finden Sie das richtig?

Pillay: Der Menschenrechtsrat sollte kein Klub von Staaten mit guter Menschenrechtsbilanz sein, die über sich selbst sprechen. Es ist wichtig, dass alle teilnehmen. Opfer aus Ländern, wo Menschenrechte verletzt werden, brauchen dieses Forum, um ihre Anliegen zur Sprache zu bringen. Die Bewerber machen Vorgaben, wie sie ihre Bilanz verbessern wollen. Im Anschluss müssen wir fragen: Was haben sie umgesetzt?

STANDARD: Diese Zusagen sind allerdings freiwillig.

Pillay: Ein Staat wird nicht automatisch Mitglied, sondern er wird gewählt. Die anderen Staaten sehen, welche Vorhaben das Land hat, und werden daran festhalten.

STANDARD: Österreich will sich auch um einen Sitz bewerben.

Pillay: Ich hoffe, dass es Mitglied wird, denn der Menschenrechtsfokus hat in Wien bei einer Konferenz 1993 begonnen. Ich bin damals aus dem Südafrika der Apartheid angereist, als eine NGO-Vertreterin. Aus der Konferenz ist die Resolution hervorgegangen, die den Hochkommissar für Menschenrechte geschaffen hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2010)

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Shadow
03.05.2010 20:27
es gibt keinen rassismus weil es keine rassismus gibt.

ja, klar...

und was war als die zuwanderer aus zimbabwe durch die strassen gejagt wurden?

manch einer der verantwortlichen politiker kämpft ganz unverholen für ein rassisch reines südafrika.

postistda
12.04.2010 18:25

http://info.kopp-verlag.de/news/fuss... mmler.html

ich weiß, ist übertrieben. Aber an Gerüchten ist meistens was wahres dran.

der klient
 
12.04.2010 14:28
Terre Blanche war kein Heiliger..........

........aber es kann selbstverständlich NICHT angehen, daß ANC- Jugendliche im Jahr 2010 ganz offen "Kill the Boer, kill the farmer" singen dürfen. Dieses Lied ist ein Relikt aus der Zeit des Befreiungskampfes und hat im heutigen Südafrika nichts mehr zu suchen. Es war schwer genug, die Buren als einzigen weissen Stamm Schwarzafrikas ins gemeinsame Boot zu bekommen- dies darf nicht durch kurzsichtige Aktionen det ANC- Jugend gefährdet werden. Die Buren sind nach wie vor genug, um Südafrika in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen...und das muss wirklich nicht sein !

eagle13
 
12.04.2010 13:40
Was ist eine "Hassrede" mit Verboten drückt man Vorgänge nur in den Untergrund, auf das sie dann um so stärker an das Tageslicht treten. Es wäre zu empfehlen lieber über den Gesinnungszwang und die Doppelzüngigkeit in der Welt zureden.

2010sdafrika
12.04.2010 12:07
Weiß-Schwarze Konfliktlinie

Der Mord an den AWB-Führer Terre´Blanche hat die Konfliktlinie zwischen Schwarz und Weiß erneut angefacht. Man darf nicht vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil der weißen Südafrikaner mit viel Skepsis und Unbehagen auf die vom ANC dominierte Politik im Lande reagiert. Für mehr Hintergrundinfos siehe das Südafrika-Portal unter:
http://2010sdafrika.wordpress.com/

salami
12.04.2010 11:58

"Dieses Wort ist verboten, keiner verwendet es mehr."
Drogen sind verboten, keiner verwendet sie mehr.
Mord ist verboten, keiner tut es.
Diebstahl ist verboten, keiner stiehlt.
...

norman m.
12.04.2010 11:42
Da habt ihr die Zigarette wegretouchiert, oder?

Timagoras
 
12.04.2010 20:47
wohl nicht, denn das müsste ja eher ein banane gewesen sein ....

WAKU
12.04.2010 12:46
Kein wichtigerer Kommentar...?

... das Raucherproblem der Österreicher scheint langsam zur Phobie zu werden...
Die Radikalisierung im Tenor ist ein Zeichen von Ohmacht wie Intoleranz. Je mehr man zuläßt desto mehr nehmen Beide zu.

mika33
12.04.2010 10:08
Ok,aber wer bestimmt, was eine "Hassrede" ist??

Das ist nämlich das Problem ...

hobbes, freund von calvin
12.04.2010 12:33

Die Bestimmung dessen, was eine "Hassrede" (im österreichischen Strafrecht "Verhetzung" http://www.jusline.at/283_Verhe... StGB.html) ist, gestaltet sich m.E. nicht schwieriger, als die Bestimmung dessen, was eine "Beleidigung" (http://www.jusline.at/115_Belei... StGB.html) darstellt, und ich traue Gerichten in demokratischen Rechtsstaaten durchaus zu, diese Interpretation sachgerecht vorzunehmen.

Freigeist
12.04.2010 08:46
ein verbot von wörtern oder ausdrucksweisen

ändert nicht die innere haltung und meinung von menschen. sie finden dann eben neue wörter und neue orte für ihre reden.

der konflikt selbst wird damit nicht gelöst.

hobbes, freund von calvin
12.04.2010 12:17

Ich glaube auch, dass Konflikte nicht alleine durch Sprachregelungen gelöst werden. Allerdings stellt Sprache einen wesentlichen Aspekt des gesellschaftlichen Zusammenlebens dar und ist damit - wie andere Lebensbereiche auch - ständigen Veränderungen und staatlicher Kontrolle unterworfen. Genauso wie unsere Meinungen und Gedanken die Sprache beeinflussen, die wir verwenden, prägt die Sprache, die rund um uns verwendet wird, unsere Wahrnehmung und Vorstellung der Welt. Das Verbot bestimmter Wörter ist letztlich nur ein strafrechtlicher Teilaspekt von "Sprachpolitik", der allerdings nur dann Sinn macht und legitim sein kann, wenn er geeignet ist, ein bestimmtes gesellschafts-/rechtspolitisches Ziel (zB Schutz der Menschenwürde, persönliche S

Freigeist
12.04.2010 12:47
gut ausgedrückt

stimme dem inhalt grundsätzlich voll zu.

doch trotz mittlerweile jahrelanger political correctness hat sich jedoch an tatsächlichen situationen (frauen, ausländer, rassismus, ...) nichts geändert.

es werden probleme im wahrsten sinn des wortes schön geredet um einen handlungsbedarf zu minimieren.

ein gegenseitig respektvoller umgang würde mehr probleme lösen als ge- oder verbote. respekt wurde in unserer gesellschaft von macht abgelöst. verbote sind eine facette der machtausübung.

zugegeben: in unserer gesellschaft sind überlegungen zu respektvollem umgang miteinander sinnlos. es löst auch nicht alle probleme.

aber wenn jeder in seinem umfeld auf einen respektvolleren umgang miteinander achtet, wären wir einen grossen schritt weiter.

forever52
12.04.2010 03:50
Na, die Frau ist vielleicht beieinander...

sagt: "Es gibt keine Rassenprobleme" und dann: "Hassreden müssen verboten werden"!
Na, wo denkt sie denn, was Inhalte von "Hassreden" sind ? Und vorallem in Südafrika ?

wider Indifferenz
11.04.2010 23:49

"Es gibt keine Rassenprobleme."
"Dieses Wort ist verboten, keiner verwendet es mehr."
"Wenn er nicht aufhört, muss es weitere Maßnahmen geben."

merkt man nur das die WM ins land kommt, oder kann man tatsächlich soviel von der Uno-Menschenrechtskommissarin lernen?

17+4
11.04.2010 19:38
das war aber nicht immer so, dass

"dieses überaus abfällige Wort Kaffer " das ein abfälliges Wort war, man sollte vielleicht einmal überlegen, warum es zu einem abfälligen Wort geworden ist.
Andere Frage, warum will man rechtsextreme verbieten, den islam aber nicht, denn dort gibt es mindestens genausoviele hassprediger, die Sklaverei ist dort noch Sharia-Bestandteil uswusw.

Dormouse
12.04.2010 10:29

Andere Frage, warum will man rechtsextreme verbieten, den islam aber nicht, denn dort gibt es mindestens genausoviele hassprediger, die Sklaverei ist dort noch Sharia-Bestandteil uswusw.

weils nicht alle in einen topf werfen können, und weils rechtsextreme auch nur bei eben gewissen tatbeständen zur verantwortung ziehen können...will heissen: wer die sharia fordert ist höchstwahrscheinlich muslim, aber nicht jeder muslim fordert die sharia. ausserdem unterscheidet unser gesetz auch noch unter fordern und ausführen

mfg

17+4
12.04.2010 15:10
sie haben da wesentliches NICHT verstanden, denn

die Rechtsextremen greifen auf Schriften und historische taten zurück, die man heute nicht will, zurecht, und deshalb verbietet man sie und jeden, der verdächtig ist, dies auch zu wollen;
und nun zum Islam, alle wesentlichen Schriften des Islam, sowohl der Koran als auch und besonders die Sharia als von Gott gegebenes Gesetz beinhaltet genau da, was man bei den Neonazis zu Recht ablehnt, die Unkenntnis der Meisten, und offensichtlich auch bei ihnen, über diese Gesetze entschuldigt aber nicht, dieser Strömung, die diesen Gesetzen unterliegt, anzugehören, und damit ist sowohl der neonazi als auch der Muslim per se schon ein gefährlicher Mensch und die Schriften, denen er folgen würde, würde er sie kennen, unabhängig davon ...
denken sie we

wider Indifferenz
11.04.2010 23:44
jup.

schön aber das die wörter, die von der herrschenden obrigkeit als beleidigend verboten werden, von der vermeindlich erlösten minderheit für sich zurüchreklamiert werden. (yo nigga!)
in diesem zusammenhang auch schön: "roma" und "sinti". nicht nur das diese bevölkerungsgruppen das wort "zigeuner" zuvor nicht als beleidigend angesehen hat, nein, es werden jetzt in der hälfte der nennungen die beiden gruppen verwechselt und gänzlich ignoriert, dass es viele zigeuner gibt, die sich keiner der beiden gruppen zuordnen.

das alles ist nur scheinheilige symptombekämpfung, die die negative konotation mit dem wort verwechselt. so kann man dann alle 10 jahre ein weiters wort verbieten.

17+4
12.04.2010 15:12

ja, so war das unter anderem gemeint

Abu Simbel
 
12.04.2010 13:33

"Speziell im Deutschen wurde Zigeuner volksetymologisch und fälschlich als „Zieh-Gäuner“, also „(umher-)ziehende Gauner“ umgedeutet, was ein weiterer Grund dafür ist, weshalb die Bezeichnung heute vielfach als negativ belastet abgelehnt wird."
(ausm wiki)

wider Indifferenz
12.04.2010 15:51
sagen sie "stuhl" zu ihrem "sessel"?

widerlich..

wider Indifferenz
12.04.2010 19:01

das ist wenn überhaupt, dann nur unter der deutschen bevölkerung so. wie gesagt, unter die zigeunern war das nie so. und die sollte man doch eigentlich schützen, oder nicht? wozu also, wenn die gar nicht diesen schutz wollen, sondern im gegenteil, auch ihnen ein wort um sich (mit stolz) zu bezeichnen, genommen wird, weil es irgendwelche rassisten verunglimpft hätten.

oder anders rum: hilft es wohl wenn unsere hassprediger fürderhin das wort "afro-austrianer" in ihren tiraden verwenden? "alle afro-austrianer sind drogendealer". sehr "korrekte" aussage.

sprache mag zwar realität erzeugen, aber das passiert immer im individuum, und es wird immer von konnotation und kontext abhängen, ob eine bezeichnung abwertend ist, oder nicht.

Abu Simbel
 
11.04.2010 23:43

"Andere Frage, warum will man rechtsextreme verbieten, den islam aber nicht"

weil es millionen friedliche weltoffene muslime gibt und die rechtsextremen es nicht schaffen sich von totalitäten regimen abzugrenzen und schon einmal in der geschichte industriell menschen vernichtet haben...

islam vs rechtsradikalismus ist ein komplett schwachsinniger vergleich, wär ja so als würd ich sagen verbieten wir das christentum weil kinderschänderei ja auch verboten ist....

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