Die ÖVP und die Hofburg: Nichts außer Taktik

11. April 2010, 18:11

Die ÖVP-Granden werden weder Fischer noch die FPÖ-Kandidatin wählen - Und geben damit ein schlechtes Vorbild ab

Österreich hatte ja schon öfter sozialdemokratische Bundespräsidenten. Am reinsten Franz Jonas, als Wiener Bürgermeister das Gegenteil seines Nachfolgers Michael Häupl. Als er dem Journalisten Hubert Feichtlbauer und der Fotografin Nora Schuster "Kaffee oder Tee" anbot, sagte Jonas' Frau: "Wir haben nur Tee." Und auf den Zusatz "Etwas dazu?", beschied ihnen die First Lady: "Wir haben nur Birnen."

So asketisch knapp ist Heinz Fischer nicht. Und seine sozialdemokratische Einstellung merkt man auch nicht bei jedem Schritt. Doch es fehlt ihm (nicht nur wegen seiner Statur) jene pseudoimperiale Gestik, die dem Tennisspieler Thomas Klestil zu eigen war.

Der Vorgänger Fischers war Diplomat, Fischer selbst stammt aus einer Beamtenfamilie, die mit der Diplomatie vertraut war. Aber die beiden vertreten verschiedene Strömungen der österreichischen Tradition. Der eine ein Barockmensch mit Neigung zum forcierten Genießen, ungeduldig konservativ. Der andere ein josephinischer Beamter, ein Bürgerpräsident, dessen Volksnähe Einstellungssache ist, nicht aber Naturell.

Fischer wandert anders als beispielsweise Raiffeisen-Imperator Christian Konrad auf seinen Mariazell-Prozessionen. Im Raxgebiet geht es naturfreundlich zu. Insofern entspricht Fischers Präsidentschaft dem Normalfall von Renner über Körner und Schärf bis Jonas und Kirchschläger. Klestil war ein Ausreißer nach dem umstrittenen Kurt Waldheim.

Der SPÖ-Kandidat deckt ein breites Spektrum ab. Links, gepaart mit rechtem Bürgersinn. Bescheidenheit, kombiniert mit seinen in der Hofburg versteckten Prinzipien.

Die Gegenkandidaten schauen aus wie die Vertreter kleiner Flügel - wie Henne und Hahn, die nicht weit und hoch genug fliegen können. Tatsächlich repräsentieren sie eine breitere Gedankenwelt.

Barbara Rosenkranz ist als Mutter das, wovon ÖVP und Kirche immer sprechen: Chefin einer Vielkinderfamilie. Und sie ist eine Heimatfigur, die - könnte sie singen - im Musikantenstadl Furore machte. Das Anschwellen der Zustimmung hat sie sich selbst vermasselt.

Rudolf Gehring, der Kandidat der Christen, steht für jene Katholiken, die Kurt Krenn um sich versammelt hatte. Er ist gegen die Abtreibung, aber auch gegen Minarette und für viele, viele Kreuze in der Hofburg. Damit die Türken wissen, woran sie sind.

Die ÖVP-Granden (mit wenigen Ausnahmen wie Erhard Busek und dem immer mutigeren Othmar Karas) werden weder Fischer noch die FPÖ-Kandidatin wählen. Sagen sie offiziell. Sie geben einen leeren Zettel ab. Und geben ein schlechtes Vorbild ab. Denn hingehen und ungültig wählen, das ersparen sich die Leute. Der Effekt: möglicherweise eine Senkung der Wahlbeteiligung auf unter 60 Prozent.

In einem Klima, das mehr Demokratie erschwert und weniger Mitsprache forciert, ist das ein politischer Sündenfall. Da sollen die ÖVP-Politiker gleich Herrn Gehring wählen. Aus taktischen Gründen haben sie auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, aber sonst rein gar nichts überlegt. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2010)

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Luxerl
00
13.4.2010, 14:54
Gehring hat eine Chance

Nachdem alle trommeln, dass die Wahl eh egal ist, stehen die Chancen für Spaßkandidat Gehring nicht schlecht - siehe Alf Poier beim Songcontest oder "Reez" als Prölls Superpraktikantin.

http://luxxx.wordpress.com/2010/04/1... president/

keep cool1
 
11
13.4.2010, 00:33
Lieber Fegefeuer als Hölle!

Ob die ÖVP-"Granden" weder Fischer noch Rosenkranz oder vielleicht weiß wählen - ist für die Mehrheit der österreichischen Wähler nicht relevant! Tatsache ist - dass das Demokratieverständnis des Wahlvolks oft unterschätzt wird! Die Mehrheit einschließlich der traditionellen ÖVP-Wähler hat schon längst erkannt, dass es neben Fischer keine ernst zu nehmende Alternative gibt!

Annemarie Veit
11
13.4.2010, 05:20

sie irren!

die kandidatin ist für echte övp-wählerInnen die einzig mögliche alternative - denn ein sozi ist für sie prinzipiell unwählbar!

x aeins
00
13.4.2010, 09:35

Annamirl deine Argumente für die Wahl der Vorgestrigen sind heut wieder unschlagbar

scala2
01
12.4.2010, 20:00
Für die ÖVP-Granden ist Fischer sehr wohl wählbar aber für sehr viele ihrer Wähler nicht!

Die jetzigen ÖVP-Granden fahren mit Fischer nämlich sehr gut. Schon lange konnte man nicht mehr so gut und ungestört Klientel-Politik betreiben - auch unter Schwarz-Blau nicht, da hat sich immer die SPÖ aufgeregt.

Fragen sie einmal Neugebauer warum der unter Schüssel einer - zwar sehr kleinen aber auch - Beamten-Pensionsreform zugestimmt hat, sich jetzt aber null bewegt.

Und Leitl gibt es sogar unumwoben zu, dass es mit Fischer am Besten ist.

Die anderen Granden haben halt ihre Wahlen noch vor sich, und können nicht einfach so vor ihren Wählern einen SPÖler, der als Linker zu allem was mehr Steuern kostet ja und Amen sagt und auch sonst nicht so genau hinschaut, als das beste - seit der Erfindung der verdeckten Parteispenden - anpreisen.

Annemarie Veit
11
12.4.2010, 20:46
auch in der övp

gibt es

a) verräter und
b) ideologische flachwurzler!

merke: ein echter vp-wählerIn kann niemals eionen roten, schon gar nicht den amtsinhaber wählen.

für wahre vp-wählerInnen gibts nur die alternativin!

witherabbitt
 
00
12.4.2010, 19:40


Wer HF ähnlich weit links sieht, wie BR rechts steht, braucht dringend einen Grundkurs in Demokratie und Geschichte! Offenbar gibt es zu wenig Bürgerliche mit Format, die für die ÖVP übrig geblieben sind.

qqqq
00
12.4.2010, 19:17
wer ist dumm genug am eigenen ast zu sägen?

övp-politiker, die zum "weiß wählen" aufrufen.

wär ja witzig, wenn die aktive mitarbeit an der erosion des demokratiebewußtseins der bevölkerung nicht ein spiel mit dem feuer wär.

Pauli Feuerstein
22
12.4.2010, 18:40
Die ÖVP macht das sehr klug,

sie lässt sich nicht auf das Spiel der beiden restlichen Parteien in diesem Lande ein. Am Ende wird sie lachender Dritter sein, und das ist wahrscheinlich gut so, denn die Probleme dieses Staates kann die SPÖ mit ihrem Schattenboxen gegen einen seit ca. 65 Jahren Toten, nicht lösen, dazu ist sie durch Spiegelgrund und Co zu unglaubwürdig. Der SPÖ geht es nur mehr ums Überleben und um den Machterhalt, nicht um den Staat!

Annemarie Veit
11
12.4.2010, 19:16

brillant pauli!!!!

in der Tat
01
12.4.2010, 19:07
grün für diese darbietung schwarzen humors

hat mich einen lacher gekostet.

Pauli Feuerstein
00
12.4.2010, 19:24
Schön,

mir "vergehts" aber schön langsam ;-)!

Pharoah
15
12.4.2010, 19:03
Der ÖVP waren ihre eigenen Pfründe immer wichtiger

als das Gesamtwohl des Staates.
Das haben sie 2000 durch die Koalition mit Rechtsaußen bewiesen.
Das beweisen sie durch das Festhalten an einer volkswirtschaftlich schädlichen und ungerechten Verteilungs- und Steuerpolitik.
Das beweisen sie durch ihre Klientel-Politik.
Und das beweisen sie - sicher nicht zum letzten Mal -durch ihre larvierende, scheinheilige Haltung in der BP-Wahl.

Annemarie Veit
31
12.4.2010, 19:19

nachdem sich die spö verweigert und geweigert hat, die notwendigen reformschritte mitzutragen, hat die övp eben versucht, das notwendige mit einer anderen im parlament vertretenen partei umzusetzen.

was ja dann auch in etlichen bereichen gelang!
bitte akzeptieren sie endlich, dass es auch regierungsmehrheiten ohne spö gab/gibt!

witherabbitt
 
11
12.4.2010, 19:45


Wo überall die ÖVP bremst und Ausgehandeltes zurückzieht, und später dann doch dafür ist, konnte man bereits verfolgen. Also nicht nur ein kontextfreies, sondern auch ein gegestandsloses Posting. Diese Zurückhaltung angesichts der Alternative grenzt an Verharmlosung!

Annemarie Veit
11
12.4.2010, 19:59

ich bitte sie, auch wenns schwer fällt, die realität zu akzeptieren: 2000 war es die övp, die reformen einforderte, konkrete vorschläge auf den tisch legte und mit den genossen handelseins war.

im sp-vorstand haben dann die verhandler, incl. dem smarten vickerl, gegen ihr eigenes verhandlungspaket gestimmt!

wer bremst denn heute bei sinnvollen ökosteuern und budgetsanierung??? die övp ists nicht!

wer denkt nur an die pensionistInnen und verliert die junge unfd fleißige generation aus den augen? sehen sie!

witherabbitt
 
00
12.4.2010, 23:04


Bei der Budgetsanierung wird gebremst, weil auch international die allermeisten Fachleute warnen, die zarte Erholung nicht zu Tode zu sparen. Bei der Ökosteuer überlegt man das Problem, daß die Verteilung der Lasten nicht dem Verursacherprinzip zu sehr widerspricht. Immerhin wird eine geradezu krankhafte Mobilität von einfachen Arbeitnehmern verlangt, die die Ökosteuer (an sich ein Schritt in die richtige Richtung) voll trifft! Das ist verantwortliches handeln! — Die ÖVP handelt hingegen verantwortungslos, wenn sie durch die Äquidistanz zu BR und HF im Grunde Verharmlosung der Wiederbetätigung betreibt.

Pauli Feuerstein
11
12.4.2010, 19:23
genau so ist es

die gewerkschaft, die ak und andere vorfeldorganisationen haben nicht mitgemacht und machen nicht mit, wenn es um dringend notwendige schritte, die das wohl des staates betreffen, geht.

so gab es eben schwarz-blau .. der staat wird schwarz-blau wider brauchen ... so ist das nun mal. und der orf wird rufen "die unabhängigkeit des orf" ist in gefahr ;-) ... müde ... müde ... müde ....

witherabbitt
 
00
12.4.2010, 23:09


KHG und Konsorten haben innerhalb von sieben Jahren eine Erbschaft hinterlassen, die alle Skandale der SPÖ weit in den Schatten stellt. Diejenigen, die sich am Staat unverschämt bereichert haben, bräuchten jetzt schwarz-blau, ganz sicher nicht dieser Staat.

farbrauschen
02
12.4.2010, 18:04

soo schlecht ist er also,
der fischer,
dass er für die övp-granden nicht wählbar ist.

blöderweise haben sie aber selber keinen besseren kandidaten zu bieten
- ich mein,
natürlich hätten sie vielleicht irgendwo einen,
aber der hat sich wahrscheinlich so tief unter der dichten personaldecke versteckt,
dass er in der eile nicht mehr auffindbar war.

weil diese bundespräsidentenwahlen aber auch immer gar so spontan sind....

her wig
01
12.4.2010, 17:35

Wer einen besseren Kandidaten kennt aber dessen Kandidatur nicht unterstützt hat ist selber schuld. Kein Mitleid. Die drei Kandidaten sind das Beste was Ö. zustande gebracht hat, und wenn das zu wenig ist dann sind daran nicht diese drei schuld sondern alle anderen. Das möchte ich einmal gesagt haben gegen diese ständige Lamentiererei, die mir ehrlich gesagt auf den Keks geht.

Allmächtiger Satan
00
12.4.2010, 17:08

Es gehört zu einer Demokratie dazu, dass man ungültig oder gar nicht wählen muss/darf, wenn Pest, Cholera und Tuberkulose auf dem Wahlzetter zur Auswahl stehen.

Was de Kommentar sagt, ist sogar demokratiefeindlich, denn stünde nur ein Kanditat auf der Liste, müsste man seiner Logik zufolge diesen auch wählen.

in der Tat
01
12.4.2010, 19:03

wer nicht bzw. weiß wählt, bringt damit zum ausdruck, dass

- ihm der ausgang der wahl gleichgültig ist.
- er kein interesse daran hat, die zukunft seines landes mitzugestalten.

wer "weiß" wählt wirft seine stimme weg und überlässt sein stimmrecht anderen. wer "weiß" wählt hat im nachhinein keine berechtigung, sich über den ausgang der wahl zu brüskieren. "weiß" zu wählen IST KEINE WAHL.

eine wahl mit nur einem kandidaten wäre ein armutszeugnis für die demokratische situation (auch wenn aus parteitaktischen gründen und aufgrund von aussichtslosigkeit von niemandem ein gegenkandidat gestellt wird).


bei bedarf sind die maskulinen termina durch den jeweiligen femininen contrapart zu ersetzen.

Annemarie Veit
00
12.4.2010, 19:21

stimmt nicht!

weiß wählen heißt die unzufriedenheit mit der kandidatenauswahl zum ausdruck zu bringen und ist daher absolut legitim! wir sind ja nicht in nordkorea ;)

Allmächtiger Satan
00
12.4.2010, 19:20

Wer dumm ist muss fühlen: Wen wählen Sie, wenn auf dem Wahlzettel Hitler und Stalin stehen?

Ungültig wählen zeigt nur, dass X Wähler keinen der aufgestellten Kandidaten wollten und wenn der eine mit 3% gegen den anderen mit 2% gewinnt und 95% ungültige Stimmen daneben aufscheinen, dann kann man sich vorstellen, wie lange und stabil der Gewinner an der Macht bleibt.

Ihr Argument ist daher vollkommen unlogisch.

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