Adobe vs. Apple: Die Kontroverse eskaliert

11. April 2010, 09:46
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Änderung des Developer Agreements sorgt für Aufruhr - Adobe-Entwickler: "Go screw yourself Apple"

Gleich an mehreren Fronten scheint Apple derzeit geradezu darauf erpicht zu sein, langjähriger Partner im Softwarebusiness so richtig deutlich vor die Nase zu stoßen. Neben der viel diskutierten Neo-Feindschaft zu Google hat Apple in den letzten Wochen aber auch die Kontroverse mit Flash- und Photoshop-Hersteller Adobe gehörig eskaliert, eine aktuelle Änderung am "Developer Agreement" für iPhone OS 4.0 scheint dabei nun endgültig das Fass zum überlaufen gebracht zu haben.

Direkter Angriff

Wie berichtet hat Apple darin seine Entwicklungsbedingungen nämlich so angepasst, dass die Erstellung von Anwendungen nur mehr direkt in C, C++, Objective-C oder mittels der Javascript-Engine von Webkit vorgenommen werden darf. Eine Modifikation, die viele BeobachterInnen schnell als einen direkten Angriff gegen Adobe deuteten, würde damit doch eines der Features der gerade vor der Veröffentlichung stehenden Creative Suite 5 - die Möglichkeit Flash-Anwendungen in nativen iPhone-Code zu verwandeln - von Apple explizit untersagt.

"Tyrannei"

Während Adobe CTO Kevin Lynch in einem aktuellen Blog-Posting offenbar noch auf eine Kurskorrektur von Apple hofft und recht vorsichtig auf die negativen Konsequenzen für anderer Hersteller verweist, findet Adobe-Evangelist Lee Brimelow im Flash Blog wesentlich deftigere Worte. So bezeichnet er die Aktion von Apple als pure Willkür, die nur dazu da sei "tyrannische Kontrolle über die Entwickler auszuüben" und kündigt auch offen an keine Produkte des Herstellers mehr kaufen zu wollen. Seinen - als Einzelmeinung geposteten Beitrag - schließt er dann mit einem recht unmissverständlichen "Go screw yourself Apple".

Hoffnung

Von der Änderung des Developer Agreements ist allerdings bei weitem nicht nur Adobe betroffen, so verwenden etwa Unity3D - mit dem so manches iPhone-Spiel erstellt ist - sowie die freie .Net-Umgebung MonoTouch und Titanium eine ähnliche Herangehensweise. So bekennt man bei Unity denn auch recht offen, dass man über die realen Auswirkungen dieser Änderung noch nichts sagen könne, man versuche derzeit von Apple mehr Informationen zu bekommen. Zumindest zeigt man sich hoffnungsfroh, dass man gemeinsam mit dem iPhone-Hersteller zu einer Lösung kommen kann - Garantie dafür gebe es aber natürlich nicht.

Selektiv

Ähnlich die Interpretation bei den MonoTouch-Entwicklern, wo man offenbar darauf hofft, dass Apple den betreffenden Punkt nicht wirklich aktiv gegen die eigene Software zum Einsatz bringt, immerhin hatte man bisher beste Beziehungen zu Apple. In einer Analyse verweist einer der Entwickler übrigens noch auf eine weitere Änderung im Developer Agreement, Punkt 3.3.2 sei nun nämlich so gehalten, dass Anwendungen ab sofort auch keinerlei externe Bibliotheken oder Frameworks mehr verwenden dürfen - was zahlreiche Programme betreffen würde - so Apple diesen Punkt denn wirklich durchsetzen will.

Absage

Dass Apple es tatsächlich darauf anlegt jegliche anderen Entwicklungsumgebung auszusperren, scheint aber eine andere Quelle zu belegen: So zitiert Entwickler Greg Slepak aus einer aktuellen Mail-Konversation mit Steve Jobs, in der dieser mit gewohnt knappen Worten die Änderung verteidigt. Dabei argumentiert der Apple-CEO, dass "Zwischenebenen" den Erfolg der Plattform und die Qualität der Software gefährden würden - von der Echtheit dieser Mails ausgehend, dürften die Hoffnungen von Unity, Adobe, MonoTouch und Co. also wohl vergebens sein. (apo, derStandard.at, 11.04.10)

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    Zu einer regelrechten Schlammschlacht scheint sich der Konflikt zwischen Apple und Adobe auszuwachsen.

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