Nachfolge

Vorgezogene Präsidentenwahl spätestens am 20. Juni

10. April 2010, 18:12

Parlamentspräsident Komorowski führt ab sofort Amtsgeschäfte des Staatschefs

Warschau - Nach dem Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz vor der russischen Stadt Smolensk am Samstag müssen in Polen spätestens am 20. Juni vorgezogene Präsidentenwahlen stattfinden. Laut der polnischen Verfassung übernimmt der Parlamentspräsident im Falle des Todes des Staatsoberhauptes dessen Pflichten. Unterhaus-Chef Bronislaw Komorowski verfügt damit nunmehr über alle Befugnisse des Präsidenten mit Ausnahme des Rechts auf Parlamentsauflösung. Im Laufe der kommenden 14 Tage muss er die vorgezogenen Präsidentenwahlen bekanntgeben, die dann spätestens nach 60 weiteren Tagen abgehalten werden müssen.

"Es gibt heute weder die Rechte noch die Linke. Es gibt keine Spaltungen. Wir sind alle in der Trauer verbunden", sagte Komorowski am Samstag bei einer Pressekonferenz. Er ordnete eine einwöchige Staatstrauer an. Komorowski versicherte, dass er in der von der Verfassung vorgesehenen Frist das Datum der Präsidentschaftswahlen bekanntgeben werde, und betonte zugleich, dass das Funktionieren des polnischen Staates gewährleistet sei. Seit seinem Sieg bei der parteiinternen Vorwahl Ende März ist Komorowski Präsidentschaftskandidat der rechtsliberalen Regierungspartei PO ("Bürgerplattform"). In Umfragen wurden ihm bisher die größten Chancen eingeräumt, den Urnengang zu gewinnen.

Kandidaten von Wahllisten rücken nach

Die bei dem Unglück ums Leben gekommenen Abgeordneten werden im Sejm (Unterhaus) automatisch durch die weiteren Kandidaten auf den entsprechenden Wahllisten ersetzt. Für die verstorbenen Senatoren müssen Nachfolger gewählt werden. Die dafür nötigen Nachwahlen werden auch vom Staatspräsidenten - also aktuell vom Parlamentsvorsitzenden - angeordnet.

Den Chef der Polnischen Nationalbank ersetzt vorläufig sein Stellvertreter. Der neue Notenbankchef wird vom Unterhaus des Parlaments aus den vom Präsidenten nominierten Kandidaten gewählt. Die Kandidaten wird in der aktuellen Situation ebenfalls der Parlamentspräsident benennen. Der Sejm muss auch den neuen Chef des Instituts für das Nationale Gedächtnis (IPN) wählen.

Der Parlamentsvorsitzende Komorowski wird zudem die Befehlshaber der Streitkräfte berufen. Bis zu der Berufung haben die Stellvertreter der verstorbenen Generäle das Kommando. (APA)

byron sully
00
11.4.2010, 01:10
schwer zu sagen,

was das ganze für die präsidentenwahl bedeutet. denn es starben zwei kandidaten, die eher außenseiter waren (kaczynski hatte kaum chancen auf wiederwahl und der ebenfalls mitverunglückte sozialdemokratische kandidat szmajdzinski hätte auch kaum mehr als 5-10% bekommen). komorowski war bislang topfavorit, der parteiunabhängige olechowski vermutlich sein größter herausforderer. nun kann sich alles ändern. wenn die PiS kaczynski zum märtyrer hochstilisiert, kann es (wohl mit ziobro als kandidaten) zu einem ähnlichen effekt kommen wie mit dörfler in kärnten. und für das mitte-links-lager könnte nach dem tod von szmajdzinski vielleicht doch der wesentlich chancenreichere cimoszewicz antreten. der wahlausgang scheint mir nun völlig offen.

Vlad Tepesz
00
11.4.2010, 12:58
warum...

... wird die interessanteste Folge der Katastrophe nur so nebenbei behandelt. Du legst in meinen Augen den Finger auf den Punkt: Was passiert nun politisch in Polen? Wenn ich mir die Liste der Toten so anschaue: Generalbankchef, höchste Militärführer, Geheimdienstchef tot. Da würde ich doch denken, dass abgesehen von den Wahlen auch in anderen Organisationen Machtkämpfe ausbrechen werden.

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