Einst Wien, heute Prag

9. April 2010, 19:26

Heute fällt niemandem mehr Wien als Ort für Top-Begegnungen ein

Barack Obama und der russische Präsident Dmitri Medwedew trafen einander in Prag. Klar, schöne Stadt, liegt in der Mitte Europas, eignet sich gut, um einen Abrüstungsvertrag ("Start" - Strategic Arms Reduction Talks) zu unterzeichnen. Präsident Obama hatte übrigens vergangenes Jahr ebenfalls Prag ausgesucht, um seine Vision von einer atomfreien Welt in einer Rede auf dem Hradschin zu verkünden.

Vor mehr als 30 Jahren, 1979, war es Wien, das die beiden Supermächte USA und damals noch die Sowjetunion aussuchten, um einen Raketenabrüstungsvertrag zu unterzeichnen ("Salt" - Strategic Arms Limitation Talks). Jimmy Carter und Leonid Breschnew küssten einander in der Hofburg. Der US-Kongress ratifizierte den Vertrag nicht (wegen des Einmarsches der Sowjets in Afghanistan), aber beide Seiten hielten sich an die Abmachungen.

Der Punkt ist, dass heute niemand Wien für solche Treffen benutzt. Gut, damals war Prag im Sowjetblock, Österreich war neutral. Aber wir hatten noch etwas: einen außenpolitisch aktiven, geschickten und an der Welt interessierten Kanzler von Format, Bruno Kreisky. Österreich betrieb eine aktive Außenpolitik und konzentrierte sich nicht nur auf innenpolitisches kleines Karo.

Kreisky war auch ein Populist, vielleicht der größte überhaupt, aber er war noch an mehr interessiert. Heute fällt niemandem mehr Wien als Ort für Top-Begegnungen ein. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 10.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
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mikromalist
 
00
12.4.2010, 09:01
Ein bedeutender Beitrag,

dessen schreckliche Konsequenz sich erste in 5 Jahren bemerkbar machen wird. Ja, AT befindet sich im downturn in die internationale Bedeutungslosigkeit.
Unaufhaltsam.
Schon jetzt werden wir - augfrund unserer EU-skeptischen Populismuspolitik, die unausweichlich nach rechts führt, von internationalen Kommentatoren im gleichen Atemzug mit Ungarn genannt.
Hauptverantwortung trägt Faymanns ideenloser, kleinkarierter, rückwärts-gewandter Haufen bürokratischer Sozialisten, genannt SPÖ.
Kreisky hatte noch das Verständnis, dass Politik und vor allem Sozialdemokratie nur im internationalen Kontext gedeihen kann.

Ein verzweifelter Linker,

Bertel Mann
01
11.4.2010, 19:09
Und auch wenn es Rauscher et al nicht ins Konzept passt:

Wesentlich wichtiger als Kreisky (der sicher auch eine Rolle spielte) war die Tatsache, dass Wien im offiziell neutralen Österreich liegt und eben ein Treffen auf neutralem Boden erlaubte.
Nach dem Fall des eisernen Vorhangs spielt dieser Faktor keine Rolle mehr.

P.S.: Es stimmt allerdings, dass die aussenpolitische Bedeutung Österreichs ungefähr seit dem Zeitpunkt kleiner wurde, als das Aussenministerium von der ÖVP übernommen wurde...

pudelweiss
01
11.4.2010, 16:30
kreisky ist nicht mehr -

und im jahre 5 nach schüssel-molti-bartenstein ist halt noch einies abzuarbaeiten am mißtrauen gegen die "rechtspopulistische bürgerblock allanz" auserdem ist das wichtigste in ösiöand dass man den fayman anpöbelt und sich an kleindiktatoren wie prölli-glatze begeilt,
weltpolitik schaut anders aus als die auslandsreisen des prölli nach brünn und bratislava ?

die fererro hat es auch nicht gebracht,
dja - das nieveau der "krone" prägt das Lnad !

veni vidi posti mülli
01
11.4.2010, 15:52
ach, das bild erinnert mich an die türken in wien

aussenstehend?
02
11.4.2010, 10:14
was soll das heiszen?

wir haben immer noch ranghohe treffen von weltbedeutung in wien!!!

pepi proell und die superpraktikantin
fayman und haeupl
und andere schwergewichte!

auszerdem wollt obama eh nach wien, aber der secret service hat ihn nicht lassen weil nicht klar war ob er ohne polizei-pruegel von schwechat bis nach wien (und retour) kommt.


With Fear I Kiss The Burning Darkness
11
11.4.2010, 09:17
und wenn Jesus Kanzler wäre,

würden trotzdem Obama u. Medwedew nicht Wien wählen, sondern eben Prag oder Bratislava oder Warschau oder was auch immer

Gloucester Road Specialist
00
11.4.2010, 09:02
logisch nachvollziehbar

die russen wollten die tschechen strategisch benuetzen (die waren ihnen vollends abhandengekommen) und haben seit klaus sich sehr intensiv um die tschechischen "freunde" bemueht.
obama moechte das mit erhoehter zuwendung an klaus und an die tschechen blockieren. prag ist heute strategisch fuer die amerikaner interessanter, als wien.
das §wuerde ich nicht als nachteil sehen.

Poldi Fesch
00
11.4.2010, 14:00
wieso ?

bist gern Provinz ?

skip it
00
16.4.2010, 07:49
verzeihung:...

...war da JE was anderes?

Seria
01
11.4.2010, 08:49

inzwischen hatten wir auch extreme Rechte in der Regierung, einen dementen BP , der Teile seines Lebenslaufes vergessen hatte, etc

Herzog Stuhl
10
11.4.2010, 16:31


Wieso dement? Er gibt die Nordkorea-Affinität in seinem Lebenslauf offen zu, er spielt sie halt erbärmlich herunter.

ZeitZug
 
00
11.4.2010, 08:45
Prag ...

Lebe mit österreichischem Pass seit 1991 in Prag. meiner ganz persönlichen Perspektive: die Zusammenarbeit beispielsweise mit Kulturorganisationen aus USA, Frankreich und Deutschland ist hier in Prag wesentlich einfacher als mit jenen aus Österreich.

na habedere
00
11.4.2010, 09:33
Kulturorganisationen

Dann bitte einmal auf die Landkarte schauen. Dass die Kulturinstitute von über 10x größeren Ländern, mit einem dem entsprechenden Budget ganz andere Möglichkeiten haben, ist ja wohl klar ....

ZeitZug
 
00
11.4.2010, 09:45
Keine Budgetfrage ...

sondern eine Frage auf der Aufgeschlossenheit: sie sehen auf die Tschechen nicht herab, wie es viele Österreicher noch immer tun.

skip it
00
16.4.2010, 07:50
das duerfen s' den leicht groeßenwahnsinnigen oesterreichern...

...aber wirklich net so deutlich sagen.

Namork
00
11.4.2010, 07:31

in diesem Zusammenhang interessant auch, dass es sich ja dabei um einen NATO Staat handelt. Von Russland trotzdem akzeptiert.

re123
00
11.4.2010, 02:57

Leider ist es weltweit tatsächlich so, daß, wenn man zunächst neugierig gefragt wird von wo man kommt und Österreich sagt, das Gespräch schon wieder beendet ist.
Dem Fragesteller fällt nichts mehr dazu ein, was er noch sagen könnte.

aussenstehend?
01
11.4.2010, 10:19
das stimmt leider so nicht...

lebe schon laenger im ausland und normalerweise beende ich das gespraech an dieser stelle um mir fragen nach rechtsradikalen (freuher der gott-sei-bei-uns, dann der haider, jetzt strache et al), korruption und anderen dinge fuer die wir leider bruehmt wurden zu ersparen. leider hat das ausland nicht eine so hohe, rosa verblendte meinung von uns wie wir selbst. wer es nicht glaubt ist herzlichst eingeladen auf den webpages von times, NY times, liberacion aber auch nature oder science nach austria zu suchen und ein bisi zu schmoekern...

The Dark
00
11.4.2010, 18:48

Rechtsradikale, Korruption etc. gibts mittlerweile in fast jedem EU Mitgliedsstaat. Und zwar nicht nur 5 Prozent. Was deshalb an Ö so aussergewöhnlich sein soll sei dahin gestellt.

Jetzt red i!!!
10
11.4.2010, 17:18
Machens doch bitte das Land nicht schlechter als es ist.

Brosamen
00
14.4.2010, 09:43

bei der Justiz?

Poldi Fesch
02
11.4.2010, 14:03
ein bisserl

gefiltert. Ich lebe ebenfalls seit 10 Jahren im Ausland, wenn ueberhaupt, dann lachen sie ueber unsere Fuszballperformance. Eher stimmt es da schon, dasz Aut einfach nicht vorkommt.

The Dark
00
11.4.2010, 15:14
stimmt

komme auch beruflich sehr viel im Ausland herum und Strache kennt dort keiner. Eher schon unser Fußballnationalteam. Und dieses trägt auch sehr viel mehr zum Image im Ausland bei als Strache & Co.

re123
10
11.4.2010, 11:15
Unterwegs irgendwo in zB Asien, typische Unterhaltung:

"Where do you come from?"
"Austria"
"Aya...Australia!"
"No, Austri-a"
"Yes, Austr-al-ia"
"No, Au-stri-a"
"...ahm...Austria-Hungary...?"
"AUSTRIA"
"Austria?"
"Austria"

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