Wie Sozialhilfe-Bezieher den Sprung in die Arbeitswelt schaffen sollen, lässt sich in Wien-Floridsdorf besichtigen
Wien - Die Szene wirkt wie aus einem dieser Fortbildungswerbespots mit den glücklichen Berufsaufsteigern. Jahrelang hat sich Michael mit Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, doch jetzt, da er an die richtigen Berater geraten ist, geht alles ruck, zuck. "In drei Wochen habe ich einen Job bei einer Softwarefirma gefunden" , erzählt der 23-Jährige, und die HTL hole er nebenbei auch nach. "Halten S' durch!", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer und klopft ihm auf die Schulter: "Ich hab die Abendschule kurz vor der Matura geschmissen. In Latein hatte ich keine Chance."
Weil Hundstorfer trotzdem noch etwas geworden ist, inspiziert er heute bei der Initiative Step2Job im Bezirk Floridsdorf, wie es andere besser machen (sollen). Anhand dieses Pilotprojekts des Arbeitsmarktservice Wien will der SPÖ-Minister vor allem eines beweisen: dass die neue Mindestsicherung, die Bedürftigen 740 Euro im Monat bringt, keine "soziale Hängematte" ist.
Rund 17.000 Österreicher leben ausschließlich und dauerhaft von der Sozialhilfe, die ab 1. September Mindestsicherung heißt. Etwa die Hälfte hält Hundstorfer für arbeitsfähig. Jene darunter, die noch nie in einem Job Fuß gefasst haben und dem AMS deshalb unbekannt sind, werden mit ihrem Schicksal bisher allerdings ziemlich alleingelassen. Es gibt kaum Starthilfen, Anreize und auch keinen Druck.
Flächendeckend
Das sollen Einrichtungen wie Step2Job, die flächendeckend vorgesehen sind, ändern. Weil die Daten von AMS und den Sozialämtern nun abgeglichen werden, können diese Anlaufstellen Sozialhilfeempfänger kontaktieren, um ihnen beim Sprung ins Berufsleben zu helfen. In der Testphase ist die Teilnahme noch freiwillig. Wer sich hingegen ab September sträubt, muss mit Kürzung der Mindestsicherung rechnen.
Hundstorfer sieht freilich schon jetzt den Mythos vom "Hängemattenmenschen" widerlegt: Die Hälfte der Eingeladenen nahm das Angebot des Pilotprojekts ohne Zwang an. Den Betreuern steht nicht nur das übliche AMS-Repertoire zur Verfügung, sondern etwa auch ein psychosozialer Dienst oder eine eigene Schuldenberatung. Jeder zehnte von 500 Kunden konnte bisher in einem Job untergebracht werden, angepeilt ist eine Quote von 30 Prozent.
Michael hat nur anfangs gezögert, zu oft hätten sich Angebote als Luftblasen entpuppt. Doch Step2Job, das will der angehende IT-Spezialist festhalten, habe ihm schon deutlich mehr geholfen, "als die üblichen Kurse vom AMS, die man nicht braucht." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.4.2010)