Hundstorfer und der Hängemattenmensch

9. April 2010, 18:41
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    foto: cremer

    Minister Hundstorfer lobt Berufseinsteiger: Seine Mindestsicherung inkludiert nicht nur Schulterklopfen, sondern auch Zwang.

Wie Sozialhilfe-Bezieher den Sprung in die Arbeitswelt schaffen sollen, lässt sich in Wien-Floridsdorf besichtigen

Wien - Die Szene wirkt wie aus einem dieser Fortbildungswerbespots mit den glücklichen Berufsaufsteigern. Jahrelang hat sich Michael mit Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, doch jetzt, da er an die richtigen Berater geraten ist, geht alles ruck, zuck. "In drei Wochen habe ich einen Job bei einer Softwarefirma gefunden" , erzählt der 23-Jährige, und die HTL hole er nebenbei auch nach. "Halten S' durch!", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer und klopft ihm auf die Schulter: "Ich hab die Abendschule kurz vor der Matura geschmissen. In Latein hatte ich keine Chance."

Weil Hundstorfer trotzdem noch etwas geworden ist, inspiziert er heute bei der Initiative Step2Job im Bezirk Floridsdorf, wie es andere besser machen (sollen). Anhand dieses Pilotprojekts des Arbeitsmarktservice Wien will der SPÖ-Minister vor allem eines beweisen: dass die neue Mindestsicherung, die Bedürftigen 740 Euro im Monat bringt, keine "soziale Hängematte" ist.

Rund 17.000 Österreicher leben ausschließlich und dauerhaft von der Sozialhilfe, die ab 1. September Mindestsicherung heißt. Etwa die Hälfte hält Hundstorfer für arbeitsfähig. Jene darunter, die noch nie in einem Job Fuß gefasst haben und dem AMS deshalb unbekannt sind, werden mit ihrem Schicksal bisher allerdings ziemlich alleingelassen. Es gibt kaum Starthilfen, Anreize und auch keinen Druck.

Flächendeckend

Das sollen Einrichtungen wie Step2Job, die flächendeckend vorgesehen sind, ändern. Weil die Daten von AMS und den Sozialämtern nun abgeglichen werden, können diese Anlaufstellen Sozialhilfeempfänger kontaktieren, um ihnen beim Sprung ins Berufsleben zu helfen. In der Testphase ist die Teilnahme noch freiwillig. Wer sich hingegen ab September sträubt, muss mit Kürzung der Mindestsicherung rechnen.

Hundstorfer sieht freilich schon jetzt den Mythos vom "Hängemattenmenschen" widerlegt: Die Hälfte der Eingeladenen nahm das Angebot des Pilotprojekts ohne Zwang an. Den Betreuern steht nicht nur das übliche AMS-Repertoire zur Verfügung, sondern etwa auch ein psychosozialer Dienst oder eine eigene Schuldenberatung. Jeder zehnte von 500 Kunden konnte bisher in einem Job untergebracht werden, angepeilt ist eine Quote von 30 Prozent.

Michael hat nur anfangs gezögert, zu oft hätten sich Angebote als Luftblasen entpuppt. Doch Step2Job, das will der angehende IT-Spezialist festhalten, habe ihm schon deutlich mehr geholfen, "als die üblichen Kurse vom AMS, die man nicht braucht." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 104
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beim Heurigen
01
11.4.2010, 16:27
doch jetzt, da er an die richtigen Berater geraten ist, geht alles ruck, zuck.

Leider besteht seitens der Berater ja teilweise „ÜBERHAUPT „ kein Interesse, Arbeitslosen oder Notstandsbeziehern richtig zuzuhören und sachliche, menschliche Gespräche zu führen!! Zeitdruck !! Weiters müssen auch AMS -Mitarbeiter ihre Vorgaben und bereits angekauften Kurskontingente vergeben.

Hantau1
 
01
11.4.2010, 22:13
stimmt mit dem zeitdruck und den kontingenten

ich würde zwar jetzt nicht von desinteresse sprechen. aber leider haben sie m.e. recht mit dem zeitdruck und den kontingenten. in vielen fällen kann so nicht spezifisch genug geholfen werden.

manipulatives_medium
00
11.4.2010, 12:29

Weil Hundstorfer trotzdem noch etwas geworden ist, inspiziert er heute bei der Initiative Step2Job im Bezirk Floridsdorf, wie es andere besser machen (sollen).

herrlich

Amdamdesdissemallepress
11
11.4.2010, 10:38
tja...wie lange geht das noch gut ?

Nur noch ein Viertel der Österreicher – beziehungsweise 1,9 von 3,9 Millionen Erwerbstätigen – zahlen mehr ins System ein, als sie an Leistungen empfangen.

http://diepresse.com/images/up... 095600.jpg

spekulant_in, realwirtschaftlich
33
11.4.2010, 12:06
sowas blendet immer

weil darin wird ja zB die ausbeutung nicht erfasst: wie viel kriegt der kapitalist vom arbeiter, den er systematisch ausquetscht? und das tut er, oder warum stellt er arbeiter/angestellte ein? - jeder weiß: nur wenn es sich "rentiert" für den "arbeitgeber", wenn man rausschaut, als reingesteckt wurde an lohn. kapitalisten nehmen ja ALL ihren gewinn zuerst den arbeitern/angestellten ab. kapitalisten selber arbeiten ja nichts, diese "leistungsträger".
wenn ich die anderen zuerst ausplündere, dann fällt es mir anschließend leicht, mich hinzustellen als großzügiger zahler. und dann jammern bitte.

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 12:39

ich plündere niemanden aus und zahle definitiv mehr ein als ich herausnehme... so wie der großteil des mittelstandes....

spekulant_in, realwirtschaftlich
21
11.4.2010, 13:03
stellen Sie jemanden ein,

wenn Sie dabei nicht mehr rauskriegen, als reinstecken (lohn)?

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 13:35

???? komische Frage....

ich stelle niemanden ein, da ich selbst angestellter bin.

spekulant_in, realwirtschaftlich
11
11.4.2010, 14:22
wieso fühlen Sie sich dann überhaupt angesprochen? ("ich plündere niemanden aus")

ich habe von "arbeitgebern" geschrieben, von kapitalisten. lohnabhängige plündern natürlich niemanden aus.

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 17:21

was also stimmt an der statistik nicht ?

ich gehöre auch zu denen, die mehr einzahlen als nehmen. wie kommen sie darauf, dass das nur kapitalisten sein sollen ???

spekulant_in, realwirtschaftlich
00
11.4.2010, 17:41
prüfen, wer zu den erwerbstätigen gezählt wird

habe Sie den link zum artikel auch zur hand? vllt steht das da - habe den verdacht, dass da nicht nur lohnabhängige erfasst sind.

ja eh, Sie zahlen mehr ein als zu nehmen (derzeit; vllt sind Sie ja bald ein sozialfall). aber das interessante ist ja, wer da auf ne nicht ganz offensichtliche art und weise sich noch viel mehr nimmt - auch von Ihnen; ich meine nicht den staat. aber der staat unterstützt das, daher treibt er auch die leute zur gerberei.

ich halte diese debatte, wie geschrieben, für eine, die lohnabhängige und kleine selbständige gegeneinenander aufhetzen soll - womit die abkassierer fein raus wären.

spekulant_in, realwirtschaftlich
00
11.4.2010, 17:44
und sich dann auch mal überlegen, was ein sozialstaat ist.

"Der ideelle Gesamtkapitalist, der den Eigentümern der Produktionsmittel allgemeine Voraussetzungen ihrer Konkurrenz bereitstellt, sorgt als Sozialstaat auch für die Erhaltung der Klasse, die keine Mittel hat, damit sie als Mittel des Eigentums tauglich ist."

http://is.gd/boqiU

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 18:33

auch wenn es erstrebenswert ist, dass arbeitslose menschen bzw. pensionisten genau so gut leben können (finanziell) wie arbeitende...

wenn nur 1/4 der bevölkerung mehr einzahlt als nimmt, wird dieser zustand nicht lange haltbar sein...

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 18:25

sie verstehens nicht oder?

wenn 3/4 der österr. bevölkerung mehr nimmt als gibt, kann das nicht gut gehen....

spekulant_in, realwirtschaftlich
00
11.4.2010, 18:32
Sie verstehen wohl nicht,

dass Sie ausgebeutet werden - und zwar nicht von den sozialhilfeempfängern od. pensionisten.

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 18:36

wer beutet mich aus ?

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 18:42

fast 50% von meinem lohn kriegt der staat... und der arbeitgeber zahlt auch noch mal steuern für jeden mitarbeiter...

spekulant_in, realwirtschaftlich
00
11.4.2010, 20:08
wovon zahlt das Ihr arbeitgeber?

4321
03
11.4.2010, 09:46

soll das eigentlich ein bericht oder ein kommentar sein?
wahnsinnig witzig, und dann überhaupt die thematik ...
der knaller. welch spitze feder, welch feine klinge. wahrlich vortrefflich. ein beweis mehr, dass bildung auch ohne intelligenz anwendbar ist. bitte unbedingt mehr vom manipulativem, es steht dem qualitätsmedium so gut.

liebes oesterreich
23
11.4.2010, 07:19
Arbeitszwang ist in DER FORM menschenunwürdig

Echten Arbeitszwang finde ich OK, solange den Leuten kostenlose Hochschulbildung, billige Gemeindewohnung geboten wird, gratis Zahnversorgung bis zum Implantat, und sich die Leute vom normalen Gehalt auch noch 1 - 2 x Urlaub in Dubai leisten können... Alle Grundbedürfnisse müssen gedeckt sein. Dann finde ich "Arbeitszwang" hinter dem McDonalds Tresen zum Beispiel OK ! Leider fliesst das Geld in ein sinnloses Bundesheer, Bundespräsidenten die keiner braucht und 9 nutzlose Bundesländerregierungen, Landtage, und was weiß ich... schade eigentlich. Und Deppenkurse für 100.000 Menschen wo menschen nur in den Suizid gedrängt werden. So kann das nicht funktionieren, und ist MENSCHEN UNWÜRDIG ! Die meisten Menschen wollen einen Beitrag leisten...

spekulant_in, realwirtschaftlich
01
11.4.2010, 11:56
"hinter dem McDonalds Tresen zum Beispiel OK"

leute, die bei maci stehen, können sich all das, was Sie beschreiben nicht leisten. weil: niedriglohn.

"Leider fliesst das Geld in ein sinnloses Bundesheer, Bundespräsidenten die keiner braucht und 9 nutzlose Bundesländerregierungen, Landtage"

bitte, das ist eine pseudodebatte - ja, kostet auch alles. aber diese debatte soll nur ablenken davon, dass das geld in die tascherl von "leistungsträgern" aka kapitalisten wandert - das ist das problem. schauen Sie sich mal an, wie in Ö das vermögen verteilt ist. und daran ändert sich nix durch irgendwelche einspar-debatten. die oben, millionäre u milliardäre, sind total glücklich, wenn sich die armen auf den öff. haushalt stürzen (sündenbock) - dann stehen sie nicht im mittelpunkt.

spekulant_in, realwirtschaftlich
00
11.4.2010, 12:01
der lohn der niedriglöhner steigt auch nicht, wenn einsparungen im öffentlichen bereich, weil:

marktwirtschaft. konkurrenz über lohn geführt wird; es gibt nur zwei punkte, wo ein unternehmen einsparen kann, um dem wettbewerb standzuhalten:
- direkt der lohn: kürzung, kündigung
- indirekt der lohn: druck auf zulieferer (d.h. auf dessen arbeiter, weil da ja wieder über den lohn eingespart wird)
das kann man nicht mit öff einsparungen abstellen. das ist das grundproblem des kapitalismus.

Mork vom Ork
00
11.4.2010, 11:44

ich weiss nicht, aber irgendwie befürchte ich sie meinen das ernst ...

Amdamdesdissemallepress
00
11.4.2010, 10:55

sie kennen "die meisten menschen" persönlich ?

spekulant_in, realwirtschaftlich
04
11.4.2010, 00:08
naja, immerhin bekennt man sich jetzt offen zum zwang

nicht selten heißt es ja schönfärberisch-verschleiernd "motivierende maßnahme" etc.

man weiß schon, was man an dieser einrichtung hat. irgendjemand muss ja die leute in die gerberei treiben.

voran schreitet der kapitalist, der arbeiter folgt ihm nach, "der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andre scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat als die - Gerberei."

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