Häupl kann sich türkische Schulen in Wien vorstellen

10. April 2010 15:03
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    Foto: apa/jäger

    Der Einrichtung eigener türkischer Schulen ist der Bürgermeister nicht abgeneigt: "Das halte ich für möglich", so Häupl bei einer Pressekonferenz mit dem türkischen Botschafter.

Analog zu Lycee Francais oder Vienna International School - ÖVP und Grüne gegen Vorstoß des Wiener Bürgermeisters

Wien - Für Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sind türkische Schulen bzw. Gymnasien in Wien denkbar. Das hat er am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Botschafter Kadri Ecvet Tezcan betont. Wichtiger sei jedoch der muttersprachliche Unterricht für junge Türken im Regelschulwesen, so Häupl. Diesen gibt es bereits: Rund 6.000 Schüler werden derzeit neben dem "normalen" Schulalltag in türkischer Sprache unterrichtet.

Botschafter Tezcan verwies auf Expertenmeinungen, wonach man die Muttersprache beherrschen müsse, um eine fremde Sprache - also etwa Deutsch - zu lernen. Letzteres sei wiederum Voraussetzung für eine funktionierende Integration, versicherte er. Laut Häupl besuchen rund 40 Prozent der knapp 16.000 türkischstämmigen Kinder in Wien muttersprachliche Kurse, die neben dem regulären Lehrplan angeboten werden.

"Das halte ich für möglich"

Der Einrichtung eigener türkischer Schulen ist der Bürgermeister nicht abgeneigt: "Das halte ich für möglich." Dies könne in Analogie etwa zum Lycee Francais, der Vienna International School oder zur Komenski-Schule, in der unter anderem in Tschechisch oder es Slowakisch gelehrt wird, geschehen.

Derartige Schulformen könnten aber nur ein zusätzliches Angebot sein. Vom Muttersprache-Unterricht in der Regelschule seien deutlich mehr Leute betroffen, betonte der Bürgermeister. Die Umsetzung einer türkischen Schuleinrichtung, etwa eines Gymnasiums, würde wohl nicht in die Kompetenz des Landes Wien fallen - da dieses nicht für weiterführende Schulen zuständig ist und fremdsprachige Schulen außerdem meist private Träger haben.

ÖVP:"Ablenkungsmanöver"

Die Integrationssprecherin der ÖVP Wien, Sirvan Ekici, sieht in Häupls Äußerungen ein Ablenkungsmanöver. "Zu aller erst muss sichergestellt sein, dass die Wienerinnen und Wiener türkischen Ursprungs die deutsche Sprache beherrschen. Ohne das Erlernen der Landesprache wird Integration nicht funktionieren. Da hilft auch ein türkisches Gymnasium wenig",  so Ekici in einer Aussendung. Scharfe Kritik kam auch vom freiheitlichen Bildungssprecher im Wiener Landtag, Johann Gudenus: "Es kann wohl nicht sein, dass mit unseren Steuergeldern eine Parallel- und Gegengesellschaft gefördert wird, von der anzunehmen ist, dass je stärker diese wird, sie keine Rücksicht auf europäische und insbesondere österreichische Interessen nehmen wird", so Gudenus in einer Aussendung.

Marek fassungslos

Geradezu fassungslos zeigt sich die Wiener ÖVP-Chefin Christine Marek über den Vorstoß von Bürgermeister Häupl. "Das ist völlige Realitätsverweigerung." Gerade bei den türkischen Schülern gebe es Sprachdefizite, die werde man nicht durch "Ghetto-Schulen" beseitigen können, sagte Marek im Gespräch mit der APA am Samstag. "Es müsste genau in die andere Richtung gehen", so die Familienstaatssekretärin.

Auch Grüne dagegen

Ablehnung kommt auch von den Grünen. Häupl betreibe mit seiner "spaltenden Scheindebatte" Realitätsverweigerung, "denn türkische Schulen würden das Wiener Sprachproblem nicht lösen". Wiener Kinder mit türkischer Muttersprache hätten ein "Recht auf eine kostenlose öffentliche Schule, in der sie sprachlich gut gefördert werden", sagte Klubobfrau Maria Vassilakou in einer Aussendung am Samstag. Zuvor hatte schon die Wiener ÖVP-Chefin Christine Marek Häupl Realitätsverweigerung vorgeworfen und mehr Förderunterricht gefordert.

Vassilakou sieht Wien vor der "Mammut-Aufgabe", das Wiener Schulsystem auf moderne Sprachlehrmethoden umzustellen, so dass am Ende kein Kind zurückbleibe, alle Pflichtschulabsolventen über brillante Deutschkenntnisse verfügen und ihre Muttersprache beherrschen. "Zentral ist, dass Wien allen jungen Menschen maximale Möglichkeiten für ihren späteren beruflichen Werdegang mitgibt. Hier muss Häupl ansetzen und endlich Reformen durchführen anstatt Scheindebatten zu führen", so Vassilakou.

Dass es einzelne fremdsprachige Schulen geben kann, wie etwa das Lycée, sei nichts Außergewöhnliches, dagegen gebe es keine prinzipielle Ablehnung. "Aber damit lässt sich das Wiener Sprachproblem keinesfalls lösen", sagte Vassilakou.

Insgesamt besuchen rund 15.900 türkischstämmige Kinder Wiener Pflichtschulen. An Volksschulen stellen sie 13,7 Prozent aller Schüler dieser Schulart, an den Hauptschulen 17,8 Prozent und an den Polytechnischen Schulen 17,2 Prozent. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 1067
desgibtsdonet
14.04.2010 10:55
wichtig wär es ...

zu fragen, wie türk. schulen funktionieren, ähnlich wie schulen in der türkei? ... wo in erster linie unterrichtsstoff gedrillt und nicht vermittelt und noch seltener erörtert oder diskutiert wird.

Senior65
12.04.2010 21:54

Ich könnte mir schon türkische, russische, oder auch chinesische Privatschulen vorstellen. Die Ausbildung auf den Privatschulen dürfte um einiges besser sein als auf den staatlichen. Wo also ist das Problem?

A Voice
11.04.2010 20:50
Und ich Naivling dachte

Ghettobildung und Parallelgesellschaften sollten verhindert werden.

Lalai Dama
11.04.2010 20:22
Stop ethnic profiling im Wahlkampf!

Das ist ja widerlich; der Häupl scheint nach dem Motto: "Wenn der Strache sich bei den Serben anbiedert, dann hol' ich mir halt die Türken " zu agieren.
Erinnert ja fast schon an Miami, wo die Politiker an den Anti-Castro Extremisten nicht mehr vorbeikommen.

Penelope Ody
11.04.2010 16:21
"Mit Sie als Lehrerin..."

Es gibt bereits jetzt in Wien ein islamisches Gymnasium, wo fast nur islamische LehrerInnen unterrichten - die gute Beherrschung der österreichischen Staatssprache ist dort einfach nicht zu erreichen, weil z.B. eine türkische Religionslehrerin in jedem Satz 1-3 schwere Fehler macht.
Meine Kinder an einem Ottakringer Gymnasium sind jedenfalls guten Mutes: "Frau Professor, mit Sie als Lehrerin schaffe ich den Gymnasium bestimmt!"
Hoffen wirs. Schwer genug ist es, für alle Beteiligten, wenn die Kinder mit marginalen Deutschkenntnissen aus der Volksschule ins Gymnasium kommen. Zum Glück gibt es hierzulande (NOCH!) unglaublich viele hoch qualifizierte, engagierte LehrerInnen!

greece0357
11.04.2010 15:42
Was bei den Türkenkriegen nicht gelungen ist

soll jetzt durch einen verso--enen Bürgermeister ermöglicht werden?

miss chicken
11.04.2010 15:26


Die Rassistengemeinschaft sieht sich wieder einmal in ihrer Identität bedroht, wenn die aktuellen Erkenntnisse zum Spracherwerb auch in den Schulbetrieb Eingang finden.
Mehrsprachigkeit ist auch den Xenophoben kein grundsätzliches Problem, solange es sich um Englisch, Frz. und Spanisch handelt. Aber türkisch nur hören zu müssen, ist für eine echte Dumpfbacke zuviel.
Und wie ist das mit serbisch?

ali__
 
12.04.2010 15:01
.

hätte man schon vor jahrzehnten damit angefangen, mehr als nur die von Ihnen genannten Sprachen an schulen zu unterrichten, also zusätzlich ungarisch, türkisch, tschechisch, polnisch etc, würds wohl echt weniger/keine berührungsängste geben, weil man ja auch zum sprachlernen auch was über das land + die gesellschaft lernt.

schon interessant, das so etwas komplexes + vielschichtiges wie integrationpolitik auch in diesen bereichen einen ansatz finden kann + sollte!

tengu
11.04.2010 15:22
gibts

nicht auch englischsprachige schulen in wien...

ken_park
11.04.2010 14:01
ab der wievielten generation

wird denn im schnitt die landessprache zur muttersprache?
dann hat sich das problem eh gelöst..

unangenehm
11.04.2010 13:36
egal welcher herkunft

auf http://www.lernstar.com kann jede/r seine lernprobleme lösen.

das ist fix
11.04.2010 13:36


Viele Wienerinnen und Wiener können sich ein Wien ohne Häupl vorstellen.

das ist fix
11.04.2010 13:34
Verfassung


Artikel 8. Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.

Strammel
11.04.2010 13:04

in wien gibt es nicht-türkische schulen?

Blanc de Blancs
11.04.2010 21:43

Vereinzelt in Neubau, der Josefstadt und in Döbling.

Lucky Luke 1988
11.04.2010 14:12
wenn sie

die sonderschulen und hauptschulen meinen dann ja

Antony Kohlencherry
11.04.2010 12:24
Was uns die Erfahrung lehrt:

Ich verbrachte 6 Jahre meiner Jugend/Kindheit in einem Internat. 2 Zöglinge in unserer Gruppe von ca 40 Jungen waren Türken, Ömer und Ahmed. Aufgefallen sind sie nur, wenn es zu mittag Schweinefleisch gab und sie ein Theater machten. Da flogen sie jedesmal hochkant aus dem Speisesaal. Deren Eltern hochkant aus der Direktion als sie sich über die "schlechte" Behandlung ihrer Sprösslinge beschweren wollten. Interessanterweise nahmen sie ihre Kinder aber nicht aus dem Internat!!!
Heute heißen Ömer und Ahmed Richard und Günther. Sie sind und fühlen sich vollständig naturalisiert. Günther treffe ich auch heute noch des öfteren. Er ist heute froh, naturalisiert zu sein.
Und die Moral von der Geschicht: Zu viele Extrawürste führen zu nichts.

siliconvalley
12.04.2010 22:36

also ich mag als gebürtiger Österreicher auch kein Schweinefleisch.
Ausserdem keine roten Rüben, keine Kuhmilch (ausser sie ist zu erstklassigem Käse verarbeitet), kein Beuscherl, keine Leber, keine Blut-und Leberwürste, keine Semmel-und Speckknödel, kein Bier, keine Sachertorte ...
Das ist was mir so auf die schnelle einfiel. Bin ich jetzt "unösterreichisch"? Müssen richtige Österreicher Schweinsbraten essen und Bier trinken?

A Voice
11.04.2010 20:48
naturalisiert?

Was soll denn das heissen?

Lalai Dama
11.04.2010 20:12
RTL-geschädigt??

Oder waren Sie in D mit 40 "Jungen" im Internat?

Denes
11.04.2010 15:23
"Uns" lehrt deine Erfahrung ganz was anderes.

Fragenbohrer
 
11.04.2010 15:18

Haben Ihre Eltern eine Schweinezucht...

und die Schulküche beliefert, zumal es als so wichtig erscheint,, dass Ömer und Ahmed Schweinefleisch verzehren sollten?

Darf der Mensch nicht ohne Angabe von Gründen bestimmte Speisen, die er nun einmal nicht essen will, ablehnen, oder muss er sie, wie aus diversen kotholischen Internaten berichtet wurde, selbst als Erbrochenes nochmals aufessen?

Gilt der Zwang zum Verzehr von subjektiv den Betroffenen anekelnden Speisen nicht sogar als eine Form der FOLTER i.S. der Genfer Konvention?

Rittmeister Kopetzký
11.04.2010 22:01

Am zivilen Tische gilt aber die SENFER Konvention und diese besagt, an Siaßn zur Schweinshaxe!

Greyarea
 
11.04.2010 15:02
klingt nach schulbrüder....

eine lucy
11.04.2010 13:27

ömer ist heute richard, naturalisert (wtf?) und froh darüber? das klingt für mich wie science fiction.

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