Klimasatellit Cryosat 2 wurde am Donnerstag in den Erdorbit gehoben - Bis mindestens 2013 soll er das polare Eis beobachten
Paris/Darmstadt - Nach jahrelanger Vorbereitung und einem schweren Rückschlag vor fünf Jahren ist es endlich soweit: Europa hat seinen
Klimasatelliten Cryosat 2 ins All geschickt. Das Forschungsgerät soll vor allem das Abschmelzen des Eises durch die
Erderwärmung beobachten. Eine russische Trägerrakete brachte den
künstlichen Erdtrabanten am Donnerstagnachmittag in eine Umlaufbahn um
die Erde, wie die Europäische Raumfahrtbehörde ESA mitteilte. Von dort aus soll
der Satellit Klimaforschern bis mindestens 2013 Daten liefern.
Gestartet wurde Cryosat 2 mit einer umgebauten russischen
Interkontinentalrakete vom Typ SS-18. Sie hob am Nachmittag aus einem
unterirdischen Silo vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Wenige
Minuten später wurde der Satellit in einem Orbit in rund 720 Kilometern Höhe
ausgesetzt. Die ESA hatte schon 2005 einen ersten Cryosat-Satelliten gestartet,
der aber wegen eines Programmierfehlers im System der Trägerrakete ins Meer
gestürzt war.
Auf zwei bis fünf Zentimeter genau
Aus seiner Umlaufbahn soll der Satellit in den kommenden Jahren mit
Radargeräten die Dicke des Eises über den Polarmeeren sowie über Grönland und
der Antarktis messen. Klimaforscher bräuchten diese Daten dringend, "um ein
echtes Bild von dem zu zeichnen, was in den anfälligen Polarregionen passiert",
sagte der ESA-Projektmanager Richard Francis im Kontrollzentrum in Darmstadt.
Die ESA erwartet ab dem Sommer erste Daten. Cryosat kann die Eisdicke dabei mit
einer Genauigkeit von zwei bis fünf Zentimetern bestimmen.
Das Eis auf der Erde spielt eine zentrale Rolle für das Klima. Es reflektiert
das Sonnenlicht und begrenzt so die Wärme, die durch den Planeten aufgenommen
wird. Gleichzeitig wirkt das Meereseis als Isolationsschicht und verringert den
Wärmeaustausch zwischen den gefrorenen Oberflächen der Ozeane und der
Atmosphäre. Und schließlich lässt das Abschmelzen der polaren Eiskappen den
Meeresspiegel steigen. Nach bisherigen Schätzungen steigt dieser inzwischen drei
Millimeter pro Jahr - vor 50 Jahren waren es nur jährlich 1,8 Millimeter.
Die vorläufige Lebensdauer von Cryosat 2 beträgt drei Jahre, weil er
Treibstoff verbraucht, um sich auf seiner Umlaufbahn zu halten. Maximal kann die
Mission um zwei Jahre verlängert werden. Cryosat ist der dritte Satellit des
ESA-Programms zur Erderforschung. Der künstliche Erdtrabant GOCE vermisst seit
März 2009 die genaue Form und das Gravitationsfeld der Erde, SMOS erforscht seit
November die Feuchtigkeit der Böden und den Salzgehalt der Erdoberfläche. (red/APA)