Präsident Sarkozy wird kritisiert, weil er Society-Blogger vom Geheimdienst bespitzeln ließ
Hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy staatliche Instanzen eingesetzt, um die Urheber eines banalen Schlafzimmergerüchtes ausfindig zu machen? Die Antwort auf diese brisante Frage steht außer Zweifel: Der Chef des Inlandgeheimdienstes DCRI, Bernard Squarini, erklärte am Mittwoch, der Chef der nationalen Polizei - ein Schulfreund Sarkozys - habe ihn im März um eine entsprechende Untersuchung gebeten. "Wir nahmen technische Untersuchungen vor, um herauszufinden, wo diese Gerüchte hergekommen sind" , meinte Squarini.
Erst vor wenigen Wochen hatten in fragwürdigen Pariser Blogs Gerüchte die Runde gemacht, dass sowohl Sarkozy als auch Gattin Carla Bruni fremdgegangen seien.
Die Linksopposition protestierte gegen den Einsatz der Schlapphüte. Es gehe nicht an, dass der Staatschef die Spione für Privatzwecke einspanne, monierte ein sozialistischer Abgeordneter.
Carla Bruni-Sarkozy bestritt noch am Mittwoch dieser Woche im Radio Ermittlungen gegen die Blogger. Zugleich dementierte sie die öffentlich geäußerte Vermutungen eines Beraters von Sarkozy, die Ehebruch-Gerüchte könnten einem internationalen Komplott entstammen. Dieser hatte gemutmaßt, die Gerüchte kämen womöglich aus der "Finanzwelt" und zielten darauf ab, den französischen G20-Vorsitz Anfang 2011 zu diskreditieren. "Es gab kein Komplott" , meinte Bruni. Präsidialamtssekretär Claude Guéant hatte zuvor Berichte bestätigt, dass der Präsident Ex-Ministerin Rachida Dati verdächtige, an der Verbreitung des Seitensprunggerüchts beteiligt gewesen zu sein.
Dementi aus allen Rohren
Am Donnerstag stimmte dies alles nicht mehr. Guéant dementierte seine eigenen Aussagen gleich selbst: "Die Wahrheit von gestern ist vielleicht nicht die von heute" , meinte Sarkozys rechte Hand. Offenbar macht das Elysée eine Kehrtwende, um der Kritik wegen des "Einsatzes der Justiz für Privatgeschichten des Präsidenten" - so die Zeitung Le Monde am Donnerstag - ein Ende zu bereiten.
Sarkozy wird seit langem vorgehalten, er interessiere sich mehr für sein eigenes Wohl als für das der Nation. Wohl deshalb lässt der aktuelle Präsident die Geheimdienstuntersuchung fallen.
Ermittelt wird trotzdem: Das Journal du dimanche (JDD), das Sarkozys Duzfreund Arnaud Lagardère gehört, hat Strafklage gegen Unbekannt eingereicht, weil das Gerücht auch - aber nicht nur - von seiner Internetredaktion verbreitet worden war.
Damit kann der Präsident die Untersuchung anderen überlassen - und gleichzeitig indirekt den Druck auf die Medien aufrecht erhalten. Sein Berater Charon meinte an deren Adresse unumwunden, jetzt müsse "die Angst die Seite wechseln"; Sarkozy werde in der Verbreitung weiterer Gerüchte einen "casus belli" (Kriegsgrund) sehen. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2010)