Stammfettsucht korreliert mit suchtartigem Essverhalten

8. April 2010, 11:19
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    foto: apa/ralf hirschberger

    Die erhöhte Aktivität im Hippocampus korreliert mit der Menge des intrabdominellen Bauchfetts.

Übergewichtige Jugendliche reagieren auf optische Nahrungsreize mit verstärkter Aktivität im Zentrum des Langzeitgedächtnisses - Experten ziehen Rückschlüsse auf suchtähnliches Verhaltensmuster

Graz - Erklären erhöhter Fastfood-Konsum und Bewegungsmangel wirklich das ganze Ausmaß der weltweiten Fettsuchtepidemie? Viele Indizien sprechen dafür, dass bei der Entwicklung von chronischem Übergewicht auch suchtähnliche Verhaltensmuster eine große Rolle spielen. Ein Forschungsteam des Klinischen Instituts für medizinische und chemische Labordiagnostik der Medizinischen Universität Graz fand nun mittels funktioneller Kernspintomographie einen möglichen Mechanismus, der dem Craving (Verlangen eines Suchtkranken) zu Grunde liegen könnte.

Dei Jugendlichen mit stammbetonter Fettsucht reagierte der Hippocampus, ein Hirnzentrum, das unter anderem für die Speicherung von Gedächtnisinhalten zuständig ist, besonders stark auf pptische Nahrungsreize. Eine ganz wichtige Rolle bei diesen prägungsähnlichen Prozessen scheint das Hormon Insulin zu spielen.

Gehirn reagiert anders

Lösen Nahrungsreize bei Übergewichtigen besonders starke Reaktionen in bestimmten Hirnarealen aus? Um diese Frage zu beantworten, führten die Wissenschaftler unter der Leitung von Harald Mangge eine aufwendige Studie an übergewichtigen Jugendlichen und normalgewichtigen Altersgenossen durch: Sie präsentierten den halbnüchternen Probanden während einer Kernspintomographie (MRI) standardisierte Fotos mit hoch- und niederkalorischen Nahrungsmitteln sowie neutralen Inhalten und maßen dabei die neuronale Aktivität im Gehirn. Besonderes Augenmerk wurde auf Hirnzentren gelegt, die mit Suchtverhalten in Verbindung gebracht werden. Zusätzlich wurden auch anthropometrische, verhaltenspsychologische und labordiagnostische Daten erhoben.

Die Auswertung der Ergebnisse, die in Kooperation mit Sandra Wallner-Liebmann, Institut für Pathophysiologie und Immunologie und Gernot Reishofer, Karl Koschutnig, Klinische Abteilung für Neuroradiologie, Universitätsklinik für Radiologie, durchgeführt wurde, zeigte, dass die übergewichtigen Jugendlichen tatsächlich anders auf die visuellen Nahrungsreize reagierten. Abhängig von der Höhe des Nüchterninsulinspiegels fand sich bei ihnen nach Stimulation mit Bildern hochkalorischer Nahrungsmittel eine besonders starke Aktivität im Bereich des Hippocampus.

Erhöhter Insulinspiegel

Ein besonders interessanter Aspekt war, dass für diese Korrelation nicht der Body Mass Index (BMI) oder der prozentuelle Körperfettanteil entscheidend war, sondern das Ausmaß des intraabdominellen (innerhalb des Bauchraums gelegen) Fetts. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Personen mit vermehrtem Bauchfett besonders stark zu einer beginnenden Insulinresistenz neigen, die durch eine verstärkte Insulinproduktion ausgeglichen werden muss. 

Während Suchtverhalten bisher primär mit Botenstoffen wie Dopamin in Zusammenhang gebracht wurde, weist der starke Zusammenhang zwischen Hippocampusaktivierung und Nüchterninsulinwerten in der vorliegenden Studie darauf hin, dass bei diesem Prozess offenbar auch Insulin eine entscheidende Rolle spielt. Dazu passt, dass der Hippocampus eine Region mit
einer hohen Dichte von Insulinrezeptoren ist. „Insulin scheint die Speicherung von hochkalorischen Nahrungsreizen solcherart zu beeinflussen, dass bei neuerlicher visueller Stimulation ein besonders starker Reiz ausgeübt wird", so Mangge. „Dies kann zu suchtartigen Essverhalten von vor allem stark fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmittel führen."

Therapeutisches Umdenken gefragt

Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, könnte das auch therapeutische
Implikationen haben: Zum einen müsste bei einem metabolischen Risikotyp mit frühzeitig im Leben einsetzender Fettansammlung im Bauchraum vermehrt auf Anzeichen suchtartigen Essverhaltens geachtet werden. Denkbar ist zudem, dass übergewichtige Patienten durch therapeutische Maßnahmen, bei denen hochkalorische Nahrungsreize einseitig thematisiert werden, noch stärker in ein Suchtverhalten hineingetrieben werden. Die Ergebnisse könnten aber auch Grundlagen für die Entwicklung von neuen pharmakologischen Therapieansätzen bei Adipositas liefern, mit denen die dringend notwendige Lebensstilmodifikation ergänzt werden kann. (red)

Wallner-Liebmann, S., Mangge, H. et al. (2010) "Insulin and Hippocampus Activation in Response to Images of High-Calorie Food in Normal Weight and Obese Adolescents", Obesity (Silver Spring). 2010 Feb 18.

Kommentar posten
15 Postings
Elisabeth Jarok
154
klingt irgendwie

nach fauler entschuldigungsmöglichkeit - nicht ich bins, der/die gerade den kühlschrank leerfrisst, sondern mein suchtverhalten hat die kontrolle übernommen.

sotho talker
 
01
suchtverhalten ist ja kein "schlechter" mechanismus

wir brauchen ihn um zu überleben und um uns fortzupflanzen.
die kontrolle darüber ob ein süchtiger den kühlschrank leerfrisst ist genauso groß wie wenn sie sagen "ich verzichte mein ganzes leben auf alle sexuelle aktivitäten"
wäre dieser "suchtmechanismus" nicht so stark gäbe es unsere art schon längst nicht mehr... so ähnlich kann man sich das vorstellen.
jeder mensch hat was das betrifft einen trieb in anderer stärke. einer schafft es besser der andere schlechter.
das hängt wohl von anderen externen faktoren ab: umwelt, gene und entwicklung.
jetzt kann aber der eine schlecht sagen: schau mal wie leicht ich mir tue und was für eine super "disziplin" ich im gegensatz zu dir habe nur weil seine grundbedingungen ganz andere sind...

dieguito
 
20

Unglaublich! Sie sind so eckelhaft... Sie mussen sich selbst hassen... Sie tun mir leid...

Death 'n' Roll
61
Wissen Sie was ekelhaft ist?

Wenn Leute sich unkontrolliert Nahrungsmittel rein stopfen.

Das ist wirklich ungustiös.

Wenn man bei einem Essen mit mehreren Leuten merkt, dass der Eine oder der Andere reinschaufelt bis zum geht nicht mehr vergeht mir der Appetit.

Sorry, aber das ist wirklich ekelhaft - ohne c.

Opinion Leader
412
muss das befriedigend sein, auf andere hinzuschlagen ..

Warum gibt es Kinder (auch wenige Erwachsene), die täglich 100 gr Schokolade (zusätzlich zum "normalen Essen") verdrücken, dazu Saft und Kakao als Getränk, die untergewichtig sind? Die sind ganz offensichtlich auch nicht zu faul zum Naschfach-Leer-Fressen (in Analogie zum Abwertenden Begriff "Kühlschrank leerfressen" der im Posting verwendet wird).
Lässt man die Möglichkeit zu, dass das Körpergewicht von Ernährungsgewohnheit und ! Veranlagung abhängt, dann hätte man aber nicht den vermeintlichen gesellschaftlichen Aufstieg, indem man andere schlecht macht und sozusagen die Leiter hinunter schickt.
-> sei froh, dass es dich nicht betrifft und: auch soziale Intelligenz kann man noch als erwachsener erwerben, du hast noch Chancen

wrkskrfz1
11
10.4.2010, 23:32
Ach-ihr macht es euch leicht

Lesen Sie mal das Post von metall81 (übrigens ein wesentlich weniger arroganter Nick als Ihrer) weiter unten.
Auch ich dachte mal, ich gehöre der 'mussnurhinschauenundwerdeschondick' Fraktion an. Der Tip, über einige Tage mal mitzuschreiben, was man so isst, ist echt gut. Da staunt man nicht schlecht. Und dann ist eine Tugend gefragt, die halt nicht sehr angesagt ist - nämlich Disziplin. Dann kriegt man den Schwimmreifen schon in den Griff. Allerdings nur, wenn einem das wichtig ist. Wenn nicht, hörts aufzu jammern und bleibts dick.

MIP1
14

Die Leute, die sich einbilden, eigentlich eh nicht viel zu essen und halt leider dazu veranlagt zu sein, daß sie schon vom Hinschauen zunehmen, sollten einfach einmal alles aufschreiben, was sie so konsumieren. Es wird sich herausstellen, daß das Übergewicht an der "Ernährungsgewohnheit" und nicht an der "Veranlagung" liegt. Die Kinder, die eine Tafel Schokolade "extra" essen und trotzdem nicht zunehmen, essen in der Regel sonst nicht so viel.

metall81
14
Ich habe mir umgekehrt einmal die....

...Mühe gemacht die "ichkannessenwasichwillundnehmnichtzu"-Fraktion einmal zu beobachten. Resultat: Alle essen relativ wenig - zumindest weniger als ich, der ich allerdings sehr viel Sport mache und entsprechend Hunger habe. Ich musste mir nach jahrelangem Übergewicht dieses Essverhalten aber auch erst aneignen. Jetzt gehöre ich selbst zur"ichkannessenwasichwillundnehmnichtzu"-Fraktion, weiß allerdings wieso das so ist.

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik ist halt einmal ein unumstößliches Naturgesetz.

t ttttt
43
trotzdem...

...hat es was mit disziplin zutun seine finger bei sich zu halten!!!
abgesehen davon ist dein nick jetzt nicht umbedingt dafür gemacht andere als heuchler hinzustellen!!!

contains sugar
21

nein, es hat mit disziplin absolut gar nichts zu tun.

t ttttt
22
klar...

...macht es süchtig wenn man seinen stoffwechsel auf etwas bestimmtes einstellt!!!

Der Große von Gegenüber
17

Michelin - das Original ...

Venus von Willendorf
01

Früher haben Sie nicht so gestänkert!

Franz Brandtwein
18

*lol*
Michelina Girl Power

Der Große von Gegenüber
12

einen Vorteil hats:

untergehen kann sie nicht ...

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